Britische Royals Aussteiger Harry und Meghan laden Zorn auf sich

Von  

Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz : Prinz Harry und Herzogin Meghan verlassen die königliche „Firma“. Die Royals waren offenbar vorab nicht informiert. Was bedeutet das für die Queen und die Monarchie?

Ruhig bleiben, weitermachen: Königin Elizabeth II. (93)  hat  ihr ganzes Leben dem Erhalt  der Monarchie   geopfert. Enkel Harry und seine Frau Meghan steigen aus und machen  ihr eigenes Ding. Foto: dpa/Matt Dunham
Ruhig bleiben, weitermachen: Königin Elizabeth II. (93) hat ihr ganzes Leben dem Erhalt der Monarchie geopfert. Enkel Harry und seine Frau Meghan steigen aus und machen ihr eigenes Ding. Foto: dpa/Matt Dunham

London - Enttäuscht soll die Königin sein und verletzt. Das haben vertrauenswürdige Quellen im Buckingham-Palast der Presse in London gesagt. Von Prinz Charles und Prinz William heißt es, sie seien „wutentbrannt“. Emotionen dieser Art bekommt man sonst von den Ro­yals nicht zu hören. Vor allem die Queen hat sich eiserne Zurückhaltung antrainiert in ihrem langen Leben. Wenn sie von ihrem Enkel Harry nun „enttäuscht“ ist, heißt das etwas. Prinz Harry, die Nummer sechs der britischen Thronfolge, und seine Frau Meghan, die Herzogin von Sussex, haben sich diese Reaktionen selbst zuzuschreiben mit ihrer Ankündigung, sie wollten nicht länger die ihnen zugedachte Rolle erfüllen.

Eine „königliche Bombe“ sei geplatzt, konstatiert die „Daily Mail“ am Donnerstag. Von den „abtrünnigen Royals“ ist auf 17 Seiten des Blatts die Rede. Die „Sun“ fasst es in ein Wort „Megxit“: Meghan seile sich ab, Harry ziehe mit.

Das Paar hatte die königliche Familie offenbar nicht informiert

Selbst die „Financial Times“, sonst wenig am Königshaus interessiert, räumte der Frage nach der erträumten „finanziellen Unabhängigkeit“ des Paars Platz auf ihrer Frontseite ein. Dass sie künftig auf eigenen Füßen stehen wollten, hatten beide ja ohne Umschweife erklärt. Gedacht hätten sie an ein Leben als assoziierte Mitglieder der Familie – teils im Vereinigten Königreich, teils in Nordamerika.

Die „persönliche Botschaft“, die der 36-jährige Prinz und seine 39-jährige Gemahlin an die Briten richteten, ließ die Nation wissen, dass sie von nun an nicht mehr zur Topriege der Royals gehören wollten. Stattdessen seien sie interessiert an einer „progressiven neuen Rolle in der Institution“ der Monarchie.

Natürlich wollten sie gern weiter die Königin unterstützen, beteuerten Harry und Meghan. Sie bräuchten aber auch wesentlich mehr Raum für ihre junge Familie. Das sei „das nächste Kapitel“ ihrer persönlichen Geschichte: „Nach vielen Monaten des Überlegens und interner Diskussionen haben wir uns dafür entschieden, dass dieses Jahr für uns einiges anders wird.“

Dummerweise haben sie vergessen, andere Familienmitglieder in die „internen Diskussionen“ einzubeziehen. Weder Harrys Vater Charles noch Bruder William, die beiden Nächsten in der Thronfolge, ahnten etwas vom bevorstehenden „Befreiungsschlag“. Vor allem hat Harry seine Großmutter, die Königin, im Dunkeln gelassen. Harrys Verhalten löste entsprechende Bestürzung bei Hofe aus.

Eine bösartige Boulevardpresse machte Meghan Vorwürfe

Dass er und Meghan nach einem alternativen Weg tasteten, wusste man ja bei den Windsors. Aber richtiggehend besprochen oder gar geregelt hatte die Sache bis dahin niemand. Betont kühl hieß es im Buckingham-Palast, es handle sich um „komplizierte Fragen“, deren Lösung Zeit erforderten: Entsprechende Diskussionen befänden sich „in der Anfangsphase“.

Signale dafür, dass es die frühere Schauspielerin Meghan zurück nach Nordamerika zog, hatte es ja durchaus gegeben. Ein Teil der Boulevardpresse war schon immer davon überzeugt, dass Me­ghan Harry „mit sich nehmen“ wolle in ihre Heimat – zumal seit der Geburt des kleinen Archie vor acht Monaten. Schon die vergangenen sechs Wochen hatte die junge Familie in Kanada und an der US-Westküste verbracht, statt mit der Queen Weihnachten wie üblich auf Schloss Sandringham in Norfolk zu feiern.

Ende vergangenen Jahres hatte Me­ghan, geradezu mit Tränen in den Augen, einem Reporter gestanden, sie habe alles versucht, sich in England einzufügen, sei aber nicht sehr erfolgreich gewesen. In der Tat war die Begeisterung über die Neue aus den Staaten nach der großen Windsor-Hochzeit von 2018 rasch wieder abgeflaut.

Der Enthusiasmus hatte einer kritischen und nicht selten boshaften Berichterstattung Platz gemacht. Geringes Interesse an ihren royalen Pflichten warf man Meghan vor. Luxustrips in die USA gab es vermeintlich zu bemängeln, politische „Sondertouren“, „Sünden“ beim Kampf gegen Klimawandel und anderes mehr.

Das Quartett von William, Kate, Harry und Meghan hat sich aufgelöst

Prinz Harry interpretierte vieles an der Kritik und an der steten Flut der Online-Gehässigkeit als brutale Einmischung von außen – mit rassistischen Einschlägen. Zornig hatte er gegen „die Presse“ ausgeholt und geschworen, er werde seiner Frau das Schicksal seiner in den Tod getriebenen Mutter Diana ersparen.

Größere Distanz zum Windsor-Kern hatte sich auch angedeutet, als das anfangs höchst erfolgreiche Quartett aus William, Harry, Kate und Meghan sich aufzulösen begann. Als Harry und Meghan auf eigene Behausung, eigene Büroräumlichkeiten, eigene karitative Organisationen drangen. Zuletzt hatte Harry kein Geheimnis mehr daraus gemacht, dass er und sein Bruder „auf unterschiedlichen Pfaden“ wandelten. Zu dieser Zeit verdichteten sich auch die Gerüchte, Harrys und Meghans Pfad könne gänzlich weg von der Familie führen.

Ungehaltene Reaktionen hat besonders die Vorstellung ausgelöst, Harry und Meghan könnten ein luxuriöses Doppelleben in zwei Erdteilen aus kommerziellen Quellen bestreiten, für ihre Auftritte als „Königskinder“ aber weiter die britische Staatskasse in Anspruch nehmen.

Verarmen muss die junge Familie nicht

Ob die beiden denn planten, für das ihnen von der Königin zur Verfügung gestellte und vom Steuerzahler für 2,4 Millionen Pfund restaurierte Windsor-Anwesen Frogmore House künftig Miete zu zahlen?, fragte die Londoner „Times“ am Donnerstag scharf. Verarmen müssen die zwei aber auf keinen Fall, denn als Mitglieder des Königshauses stehen ihnen bestimmte Einnahmen zu. Harry hat auch viel Geld von seiner 1997 gestorbenen Mutter geerbt. „Sie nehmen erst mal weiter die öffentlichen Gelder, bis sie andere Einkommensquellen finden“, schimpfte Graham Smith von der Organisation Republic, die seit einiger Zeit in Großbritannien die Monarchie abschaffen und eine Republik einführen will.

Ein klarer Interessenskonflikt kündigt sich schon jetzt an, wenn das Paar die „Marke Windsor“ in private Einkünfte umzusetzen hofft. Für Piers Morgan, den früheren Chefredakteur des „Mirror“, sind Harry und Meghan „die zwei verzogensten Bälger der Geschichte“. „Wenn sie nicht aufpassen, stehen sie eines Tages da als eine Art verkümmernde Berühmtheiten“, prophezeit auch der königliche Biograf Hugo Vickers. „Irgendwo einen alternativen Hof errichten zu wollen kann nicht funktionieren. Es ist im Grunde eine traurige Geschichte.“




Unsere Empfehlung für Sie