Britisches Königshaus Team Windsor stellt sich neu auf

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Prinz Philip verabschiedet sich mit 96 Jahren vom Dienst an Nation und Krone. Nun müssen mehr und mehr die jüngeren Royals ran. Die Queen bleibt zwar weiter auf ihrem Posten. Aber auch sie wird zunehmend Entlastung brauchen.

Prinzgemahl Philip verabschiedet sich mit 96 Jahren vom Dienst an Nation und Krone. Foto: AFP
Prinzgemahl Philip verabschiedet sich mit 96 Jahren vom Dienst an Nation und Krone. Foto: AFP

London - An diesem Mittwoch werden sich mehr Royalisten als sonst vor den Toren des Buckingham-Palastes drängen. Nicht nur tritt dort mit den Royal Marines eine der geschichtsträchtigsten Militäreinheiten des Königreichs zum Salut an. Die Marines verabschieden auch ihren langjährigen Oberbefehlshaber. Ein dreifaches Hurra der Kompanie soll dem Captain General dafür danken, dass er seit dem Krönungsjahr von Elizabeth II. – also seit 1953 – diesen Dienst versehen hat.

Bei dem Betreffenden handelt es sich natürlich um Prinz Philip, den Herzog von Edinburgh, den Gemahl der Königin. Der Auftritt mit den Marines ist Philips letzte Pflichtveranstaltung nach sechseinhalb Jahrzehnten Dienst an Krone und Staat.

Prinz Philip wird die Queen noch manchmal begleiten

Nach rund 22 220 Solo-Auftritten, 5500 Ansprachen und einer kaum schätzbaren Zahl treulich absolvierter Termine an der Seite seiner Gattin will der 96-Jährige am Donnerstag in den Ruhestand treten. Er habe, findet Philip, seinen Teil als Königliche Hoheit getan.

Das heißt nicht, dass man den Herzog von Edinburgh nun gar nicht mehr zu Gesicht bekommen wird. Wann immer ihm danach ist, wird er die Queen weiter zu festlichen Anlässen begleiten. Aber zur Pflicht wird ihm das nicht mehr gemacht.

Für die britische Königsfamilie ist dies ein tiefer Einschnitt. Die auch schon 91-jährige Monarchin ist nun stärker auf sich selbst gestellt. Sie wird ohne die gewohnte Präsenz an ihrer Seite auskommen müssen. Auch wenn jüngere Mitglieder der Familie als Begleiter einspringen, wird es einsamer um sie.

Die drei Prinzen vertreten die Queen im Ausland

Damit taucht Englands zweites Elisabethanisches Zeitalter, für alle Welt sichtbar, ins Licht einer sanften Abenddämmerung. Parallel zu den Veränderungen, die Großbritannien im Zuge des Brexit durchläuft, erlebt auch die britische Monarchie eine Phase des Wandels. Die Royals selbst wissen das. Sie bereiten einen möglichst nahtlosen Übergang vor.

Erste Schritte waren schon zu beobachten. Vor vier Jahren signalisierte die Queen, dass sie und Philip zu Weltreisen immer weniger in der Lage seien. 2013 flog deshalb Thronfolger Prinz Charles an Stelle seiner Mutter zum Commonwealth-Gipfel in Sri Lanka. Seither hat Elizabeth II. kaum noch Auslandsreisen unternommen. Charles und seine Söhne William und Harry vertreten seitdem die Königin in aller Welt.

Nun, da Philip ausscheidet, beginnt man die drei Prinzen plus Charles’ Gattin Camilla und Herzogin Kate bei Hofe voll in die Pflicht zu nehmen. Nicht zufällig hat William vor wenigen Tagen seine Stelle als Hubschrauberpilot in East Anglia aufgegeben, um mit seiner Familie auf Dauer nach London zurück zu kehren. Der Kensington-Palast ist zu diesem Zweck für viel Geld renoviert worden.

Ihre Enkel nennen die Queen den Boss

Auch Harry soll, zusammen mit dem älteren Bruder und dessen Frau, mehr Einsätze übernehmen. Sonderlich glücklich wird er darüber wohl kaum sein. Harry machte kein Geheimnis daraus, dass es ihn „zum Wahnsinn treiben“ würde, wenn er nur noch royale Auftritte absolvieren müsste, statt beim Militär einen handfesten Beruf auszuüben. Aber das wird ihm nun nicht viel helfen. Das Team Windsor stellt sich neu auf und er ist mit im Boot.

Wie weit gehen diese Vorbereitungen? Wie weit schauen und planen die Windsors voraus? Dass die Königin sich ganz zurück zieht, ist einstweilen nicht Teil der Planung. Elizabeth ist weiterhin „the boss“, wie ihre Enkel sie nennen. Sie studiert weiter die offiziellen Dokumente, die ihr täglich in roten Regierungsköfferchen im Palast überreicht werden.

Sie sitzt auf dem Thron bei der jährlichen Parlamentseröffnung. Sie empfängt die Premierministerin zur wöchentlichen Unterredung. Sie erscheint hier und da weiter zur Einweihung von Schwimmbädern, Museen und Bahnhöfen. Sie richtet für Staatsgäste prächtige Bankette aus.

Die Queen wird niemals abtreten, das hat sie geschworen

Aber was passiert, wenn sie einmal nicht mehr die Kraft hätte, ihre Pflichten zu erledigen? Darüber wird neuerdings offen diskutiert. Sollte es absolut nicht mehr gehen, würde Thronfolger Charles wohl als Regent, als königlicher Stellvertreter, einspringen. Dem „Regency Act“ zufolge kann ein solcher Amtsverweser eingesetzt werden, wenn die Monarchin „zur Ausübung ihrer Funktionen nicht zur Verfügung“ steht.

In einem solchen Fall würden Charles und die anderen Royals zu hundert Prozent die Arbeit machen, ohne dass die Königin die Krone abgeben müsste. Denn dass sie je abtritt, das erwartet kein Mensch. Bei der Krönungszeremonie 1953 hatte sie ja geschworen, bis ans Lebensende ihren Dienst an der Nation zu tun. Vor einigen Jahren hat sie es einmal direkt gesagt: „Dies ist ein Job auf Lebenszeit.“

Angesichts dieses Schwurs und der Langlebigkeit der Sippe wird Charles wohl noch eine Weile auf seine Krönung warten müssen. Dabei feiert der Prinz im November nächsten Jahres selbst schon seinen 70. Geburtstag. Aber Ruhestand ist bei den Windsors vor 95 offenbar nicht drin.