Bruce Lee zum 80. Geburtstag Kung Fu-Künstler, Philosoph, Popikone

Keiner flog schöner als Bruce Lee (rechts): Szene aus dem Film „Die Todesfaust des Cheng Li“ („The Big Boss“, 1971). Foto: imago images/Mary Evans 23 Bilder
Keiner flog schöner als Bruce Lee (rechts): Szene aus dem Film „Die Todesfaust des Cheng Li“ („The Big Boss“, 1971). Foto: imago images/Mary Evans

Der Filmstar Bruce Lee hat die chinesische Kampfkunst Kung Fu in die Welt getragen, doch er starb kurz vor seinem Durchbruch als Filmstar. Am 27. November wäre er 80 Jahre alt geworden.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Stuttgart - Solch geschmeidige Bewegungen hatte das Publikum im Westen vorher noch nie gesehen: Blitzschnell wirbelnde Hände und Fäuste, Kicks auf Kopfhöhe und Sprünge von atemberaubender Athletik waren die Markenzeichen des Kung Fu-Künstlers Bruce Lee. Er umtänzelte seine Gegner und attackierte dann plötzlich wie eine Schlange, meistens begleitet von markerschütternden Kampfschreien wie „Waaaaah!“ oder „Uuuuuuuh!“.

„Todesgrüße aus Shanghai“ („Fist of Fury“, 1972) und „Der Mann mit der Todeskralle“ („Enter the Dragon“, 1973) hießen seine erfolgreichsten Filme. Darin besiegte er ganze Horden scheinbar übermächtiger Gegner, meistens alleine mit der Eleganz eines Ballettkünstlers – und weckte unzähligen Zuschauern die Sehnsucht, diese Kampfkunst selbst zu können.

Ein Verehrer: Quentin Tarantino

Bereits kurz nach seinem frühen Tod – er erlag 1973 mit nur 32 Jahren während Dreharbeiten in den Golden Harvest Studios in Hongkong ganz plötzlich einem Gehirnödem – wurde Bruce Lee zur Popikone. Bis heute ziert er mit seinen Kampfposen Poster und Kleidungsstücke. Zu seinen Verehrern zählt der US-Regisseur Quentin Tarantino, der hat dem Kung Fu den Zweiteiler „Kill Bill“ (2003/2004) gewidmet und Bruce Lee als Figur in sein jüngstes Werk „Once upon a Time in Hollywood“ eingebaut.

Als Jun-fan Lee wurde der spätere Kampfkünstler am 27. November 1940 in San Francisco geboren. Es war das Jahr des Drachen. Sein Vater, ein chinesischer Opernstar, war gerade in den USA auf Tournee, was dem Sohn qua Geburt die amerikanische Staatsbürgerschaft einbrachte. Drei Monate später kehrte die Familie nach Hongkong zurück, damals die Hochburg des Kung Fu, nachdem Maos „Kulturrevolution“ auch die Kampfkunst geächtet und viele Meister in die freie britische Kronkolonie getrieben hatte.

Kampf gegen den Rassismus

Aus dem selben Grund war Hongkong war das Zentrum der chinesischen Filmindustrie, und Bruce Lee spielte als Kinderstar in rund 20 Filmen mit. Als Teenager lernte Lee die Kung-Fu-Variante Wing Chun und nahm an Wettkämpfen teil. Er war zudem ein begabter Tänzer und wurde sogar lokaler Cha-Cha-Cha-Meister.

Mit 18 schickten ihn seine Eltern in die USA. Dort schloss Lee die Schule ab, studierte Schauspiel, Philosophie und Psychologie. Er machte sich schnell einen Namen als spektakulärer Turnier-Kämpfer und entwickelte er seinen eigenen Kampfstil Jeet Kune Do, übersetzt „Der Weg der abfangenden Faust“. Er beschäftigte sich mit den buddhistischen Grundlagen des Kung Fu und beherzigte einen ehernen Grundsatz des Kung Fu hoch: Die Kampfkunst soll nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden.

Er lehrte Kampfkunst, heiratete seine Schülerin Linda und knüpfte Kontakte ins Showgeschäft. Hollywood-Größen wie Steve McQueen und James Coburn wurden seine Schüler und schließlich gute Freunde. Chinesische Kung Fu-Meister geißelten Lee dafür, dass er Nicht-Chinesen die Kampfkunst beibrachte, doch Lee befand sich auf einer Mission: Er kämpfte zeitlebens gegen den Rassismus der Weißen und wollte ihnen Respekt vor der großen chinesischen Kultur und ihren Menschen nahebringen. Als er in einer Talkshow gefragt wurde, ob er sich „noch als Chinesen“ oder „manchmal als Nord-Amerikaner“ sehe, antwortete er: „Wissen Sie, wie ich mich gern sehen möchte? Als menschliches Wesen.“

Durchbruch in Hongkong

Bruce Lees die Weisheiten sind legendär. „Sei wie Wasser“, lautet eines seiner bekanntesten Zitate. Es ziert den Eingangsbereich einer umfangreichen Dauerausstellung über den Kampfkünstler im Hongkong Heritage Museum. „Wasser kann fließen, oder es kann zerstören“, so erklärte Lee das Kernprinzip seiner Kampfkunst.

In den USA arbeitete Bruce Lee zunächst als Choreograph beim Film und bekam nur stereotype Nebenrollen – einen Asiaten in einer Hauptrolle konnten sich viele Studio- und TV-Bosse nicht vorstellen. In der Serie „The Green Hornet“ eröffnete sich ihm seine große Chance: Er spielte Kato, den Assistenten des Protagonisten, und stahl diesem die Show, wenn er seine Kampfkunst vorführte.

Golden Harvest, später auch die Heimat des Kung Fu-Stars Jackie Chan, lockte ihn dann zurück nach Hongkong. „Die Todesfaust des Cheng Li“ („The Big Boss“, 1971) und „Todesgrüße aus Shanghai“ wurden zu Kassenknüllern in Asien, Bruce Lee zum Star. Für seinen dritten Film sicherte er sich die kreative Kontrolle als Regisseur, Autor, Choreograph und Hauptdarsteller. „The Way Of The Dragon“ (1972), der in Deutschland erst 1975 als „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ ins Kino kam, wurde ein Welterfolg. Legendär ist Lees Kampf auf Leben und Tod in den Gängen des Kolosseums in Rom gegen den damals noch unbekannten Chuck Norris, einen Meister der koreanischen Kampfkunst Tang Soo Do.

Seinen größten Erfolg erlebte Bruce Lee nicht: Er starb am 20. Juli 1973 kurz vor der Premiere von „Der Mann mit der Todeskralle“. Der erste Hollywood-Film mit einem asiatischen Hauptdarsteller war künstlerisch und kommerziell ein Triumph. Lee hatte dafür die Arbeit an dem Hongkong-Film „Game Of Death“ unterbrochen, der nach seinem Tod fertigstellt wurde. Später folgten weitere Filme, die posthum aus ungenutzten Szenen zusammenmontiert wurden und meistens keine stringente Handlung hatten.

Bruce Lee wäre am 27. November 80 Jahre alt geworden. Er hat unzählige Nachahmer inspiriert. Das Martial-Arts-Kino von Jackie Chan und Jet Li wäre ohne ihn undenkbar. Anlässlich seines 65. Geburtstags wurde 2005 in Hongkong eine Bruce-Lee-Statue enthüllt, zu der jedes Jahr unzählige Verehrer und Schaulustige aus aller Welt pilgern.




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