Bürgermeisterwahl Denkendorf Die (durch)gefallene Kandidatin

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Die beiden Bewerber und die Kandidatin, die die Nachfolge des Denkendorfer Bürgermeisters Peter Jahn anstreben, haben sich in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule den Fragen von Schülerinnen und Schülern gestellt.

Die Denkendorfer Bürgermeister-Kandidaten auf dem Prüfstand. Foto: Horst Rudel
Die Denkendorfer Bürgermeister-Kandidaten auf dem Prüfstand. Foto: Horst Rudel

Denkendorf - Es war nur eine Momentaufnahme, in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule in Denkendorf. Doch sie hat Symbolcharakter gehabt. Gut eine halbe Stunde hatte das Kandidaten-Trio, das sich bei der Bürgermeisterwahl am 25. Februar um die Nachfolge des nach 32 Jahren aus dem Amt scheidenden Peter Jahn bewirbt, schon mit den rund 300 Schülerinnen und Schülern diskutiert, als sich der Kleber am überlebensgroßen Porträt der Kandidatin Friedhild „Fridi“ Miller löste. Das Abbild plumpste von der Stellwand – just zu einem Zeitpunkt, als die Bewerberin in den Augen der kritischen Jugendlichen auch schon durchgefallen war.

Das zu erreichen, hatte sie sich in der gut einstündigen, vom Jugendzentrum Focus in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Schule organisierten Diskussion auch alle Mühe gegeben: Schüler, die ihren Unmut in Buhrufen ausdrückten, als „ihr Schwachnasen da hinten“ bezeichnet, die mediale Ausstattung des Gemeinderats in Sindelfingen mit den Worten „die alten Säcke kriegen Tablets und die Jugendlichen nicht“ kommentiert und ihre beiden Mitbewerber als Lügner bezeichnet, „die schon als Baby Bürgermeister werden wollten“. Sie dagegen antworte auf die Frage, weshalb sie den Chefsessel im Rathaus der rund 11 000 Einwohner zählenden Körschtalgemeinde anstrebe, ganz ehrlich: „Ich will euch hier nix vormachen. Denkendorf ist nur eine Zwischenstation. Eigentlich will ich Bundeskanzlerin werden.“ Außerdem sei sie besser als „die anderen zwei“.

„Man kann alles reißen, wenn man will“

Die Moderatorin Greta Gramberg hatte alle Mühe, die Diskussion nach diesen verbalen Fouls wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Die „anderen zwei“, Ralf Barth, ein 29 Jahre alter Hauptamtsleiter aus Dettingen an der Erms und Frank Nödinger, ein 48 Jahre alter stellvertretender Leiter der Stadtkasse in Stuttgart, haben ihr dabei nach Kräften geholfen. Auch sie haben sich ehrlich gemacht: Auf die Frage, ob sie sich im Falle ihrer Wahl für die Ansiedlung eines Einkaufszentrums, samt einer McDonalds-Filiale und Ablegern der Modeketten H & M oder C & A stark machen würden, antworteten beide mit einem unmissverständlichen Nein. Ein Einkaufszentrum sei kein Sozialunternehmen, und in Denkendorf fehle es am Platz und an der Nachfrage, um Gewinn zu machen. Friedhild Miller dagegen ist auch hier von ihrem Standpunkt nicht abgerückt. „Klar geht das. Man kann alles reißen, wenn man nur will“, so ihre Botschaft. Auch den Bau eines Hallenbades – „klar geht das. Man kann alles reißen, wenn man nur will“ – wollte sie nicht ausschließen. Ein Versprechen, das ihr schon in der Schulmensa prompt auf die Füße gefallen ist. „Die anderen beiden Kandidaten antworten realistisch und Sie machen Hoffnungen, die Sie nicht einhalten können“, musste sie sich von einer kritischen Schülerin sagen lassen.

Objektives Bild der Kandidaten

Auch bei den Fragen nach einem flächendeckenden Internet-Zugang, nach einer Skaterbahn und nach einem besseren Bus- und Bahnanschluss oder nach größeren Schließfächern für die Schulranzen sind die Antworten im Verhältnis zwei zu eins ausgefallen. Barth und Nödinger bemühten, allerdings ohne konkret zu werden, den Fragestellern gerecht zu werden. Fridi Miller konterte die abwägenden Worte mit einem keine Widerrede duldenden „Klar geht das. Man kann alles reißen, wenn man nur will“.

Der Beifall, mehr aber noch die Missfallensbekundungen, mit denen die Kandidatin und die beiden Kandidaten entlassen worden sind, haben in dem neutralen Beobachter den Eindruck bestärkt, dass, selbst wenn man es will, doch nicht alles geht. Zumindest nicht Bürgermeisterin in Denkendorf. Ähnlich lässt sich wohl auch die Stellungnahme des scheidenden Schultes Peter Jahn interpretieren. „Die Jugendlichen haben sich ein objektives Bild von den Kandidaten machen können“, so sein Fazit nach der Veranstaltung.