Bullshit-Bingo Dinge, die man mit einer psychischen Erkrankung nicht hören will

Sätze, die man getrost aus dem Bullshit-Bingo herausstreichen kann. Foto: Tina Vo mit Material von pixabay.com/mohamed_hassan
Sätze, die man getrost aus dem Bullshit-Bingo herausstreichen kann. Foto: Tina Vo mit Material von pixabay.com/mohamed_hassan

Sie verharmlosen, relativieren und ignorieren ihre psychische Erkrankung: Hier sind 16 Sätze, die psychisch erkrankte Personen wohl nicht hören möchten – und was Angehörige anstatt dessen sagen können.

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Floskeln, Kalenderweisheiten und neunmalkluge Parolen: Obwohl sie sicherlich wohlwollend gemeint sind, sind sie bei Menschen mit psychischen Erkrankungen wohl eher unwirksam. Hier sind 16 Paradebeispiele, die ab sofort aus dem altklugen Ratschläge-Repertoire und somit aus dem Bullshit-Bingo gestrichen werden können.

Diese 16 Sätze will man wohl nicht hören will, wenn man eine schlechte Phase hat oder psychisch erkrankt ist. Ein paar konkrete Beispiele:

Mental Health: Bullshit-Bingo. Für eine größere Ansicht, klicken Sie auf das Bild.  Foto: Tina Vo

„Andern geht es viel schlechter als dir!“

Na in dem Fall sind die eigenen Sorgen ja wohl unbegründet! Natürlich nicht. Mit diesem Whataboutism werden Standpunkte von anderen ignoriert und relativiert, in dem ein anderes Argument angebracht wird, das zumeist aus dem Zusammenhang gerissen ist. So sollten psychisch erkrankte Personen nicht „jammern“, weil es ja schließlich auch Kinder in Afrika gibt, die Hunger leiden. Helfen tun Aussagen wie diese wohl kaum. Im Gegenteil: Mögliche Schuldgefühle von Betroffenen können damit nur noch weiter geschürt werden.

„Du siehst ja aber gar nicht krank aus!“

Wie genau hat eine psychisch kranke Person denn auszusehen? Betroffene können ein Lächeln aufsetzen und gute Laune vorgaukeln, aber innerlich dennoch leiden. Psychische Erkrankungen sind nun mal keine Schürfwunden, die man äußerlich sehen kann. Sie sind nicht oberflächlich. Betroffene nur nach dem äußeren Schein zu beurteilen, ist also nicht unbedingt zielführend.

„Reiß dich zusammen!“

Oder: „Augen zu und durch!“ und „Hab dich mal nicht so!“ Derartige Sätze würde man wohl auch nicht zu einer Person sagen, die physisch statt psychisch erkrankt ist, oder? Krebspatienten zu raten, sich einmal zusammen zu reißen, würde wohl den wenigsten einfallen. Sätze wie diese können demnach auch in Bezug auf psychische Erkrankungen aus dem Sprüche-Repertoire gestrichen werden.

„Morgen sieht die Welt wieder anders aus!“

Eine Nacht über die Sorgen schlafen und schon ist der Albtraum vorbei? Schön wäre es. Anstatt die Sorgen und das Leiden von Betroffenen mit Sätzen wie diesen zu verharmlosen, wäre es wohl besser, sie ernst zu nehmen und Verständnis zu zeigen.

„Du denkst einfach zu viel nach!“

Betroffenen zu sagen, sie würden sich zu sehr in eine Sache hineinsteigern, ist wohl wenig hilfreich und nicht lösungsorientiert. Wo ist denn der Aus-Knopf für das Gehirn? Wer keine Antwort darauf hat, sollte von solchen Äußerungen besser absehen.

Alternativen

Aber wie können Angehörige denn dann helfen? Was können sie anstatt dessen sagen und tun? Statt Bullshit-Bingo mit Betroffenen zu spielen, sollte man wohl besser zum Mutmach-Bingo greifen und Sätze wie „Wir schaffen das zusammen“, „Du bist mir wichtig“ oder „Ich nehme deine Erkrankung ernst“ verwenden. Außerdem sollten Angehörige den Betroffenen dazu raten, sich fachtherapeutische Hilfe zu holen.

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Anmerkung der Redaktion

Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen diese telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Informationen und Hilfe bei Depressionen: https://www.deutsche-depressionshilfe.de

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 0800/116 111 (Mo. bis Sa. 14-20 Uhr, anonym & kostenlos!)

In Stuttgart bietet der Arbeitskreis Leben suizidgefährdeten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, Angehörigen, sowie Hinterbliebenen nach dem Suizid eines nahe stehenden Menschen Unterstützung an. Telefon 0711/600 620, hier geht es zur Internetseite: https://www.ak-leben.de/beratungsstellen/akl-stuttgart.html

Kassenärztliche Therapeuten in Deutschland: http://www.kbv.de/html/arztsuche.php




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