Bundesnachrichtendienst in Berlin Der Geheimdienst hat eine neue Heimat

Von Vlora Kleeb 

Die neue BND-Zentrale in Berlin hat über eine Milliarde Euro gekostet und ist wegen vieler Pannen auf der Baustelle deutlich später fertig geworden als ursprünglich geplant. Am Freitag wird sie nun eingeweiht.

Der neue Gebäudekomplex des Bundesnachrichtendienstes in Berlin-Mitte Foto: Getty
Der neue Gebäudekomplex des Bundesnachrichtendienstes in Berlin-Mitte Foto: Getty

Berlin - Es ist ein gewaltiger Komplex, in den der Bundesnachrichtendienst (BND) in Berlin-Mitte nach und nach eingezogen ist. In dem neuen Hauptquartier in der Chausseestraße arbeiten derzeit ungefähr 3200 der insgesamt 6500 Mitarbeiter des Geheimdienstes. Die meisten von ihnen kommen aus der vorherigen Zentrale im bayerischen Pullach im Isartal.

Schröders Regierung für den Umzug

Der Umzug in die Hauptstadt war eine fast unendliche Geschichte – und an diesem Freitag wird nun der offizielle Schlusspunkt gesetzt. Dann nimmt die Kanzlerin den BND und seine Mitarbeiter in der Hauptstadt in Empfang.

Die kurzen Wege in der Hauptstadt sollen die Kommunikation zwischen Bundesregierung und BND vereinfachen, deshalb hat die Bundesregierung die Geheimdienst-Zentrale überhaupt erst nach Berlin geholt. Schon 2004 beschloss die Regierung, damals noch unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Gerhard Schröder, den Umzug des deutschen Auslandsnachrichtendienstes auf das Gelände des früheren „Stadion der Weltjugend“.

Daten mussten umziehen

20 000 Tonnen Stahl und 135 000 Kubikmeter Beton sind in der neuen BND-Zentrale verbaut. 2000 Firmen waren am Bau des Gebäudekomplexes beteiligt. Das Großprojekt wurde erst mit mehreren Jahren Verspätung fertig. Auch der Umzug war eine logistische Herausforderung.

Es mussten nicht nur Tausende Mitarbeiter umgesiedelt werden, sondern auch eine Vielzahl an klassifizierten Daten. Mit den Daten hat laut BND alles wie geplant geklappt. Es waren einige Mitarbeiter, die sich quer stellten.

Neuer Arbeitsort gut angenommen

„Ein paar Leute sind in München geblieben“, sagt BND-Sprecherin Isabelle Kalbitzer. Denn der Umzugszeitpunkt sei lange nicht klar gewesen. In der Zwischenzeit hätten manche der Mitarbeiter in Immobilien investiert und Familien gegründet.

Einige von ihnen bleiben trotzdem ganz offiziell in Pullach: Die Abteilung Technische Aufklärung ist noch immer in der dortigen Dienststelle angesiedelt. Insgesamt werde der neue Arbeitsort in der Hauptstadt aber gut angenommen.

Viele Gründe für Verspätung

In Berlin findet an diesem Freitag die Einweihung der neuen Zentrale statt, auf der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen wird. Der Termin ist reichlich spät: Schon im Oktober 2006 war der erste Spatenstich für das Gebäude. Der Umzug begann erst im November 2017. Damals zog mit der Terrorismusabwehr die erste große Abteilung von Pullach nach Berlin – Jahre später als geplant.

Die Gründe für die Verspätung sind vielfältig: Probleme mit den Lüftungssystemen, spurlos verschwundene Baupläne und ein beachtlicher Wasserschaden durch demontierte Wasserhähne. Unter anderem deshalb stiegen die Kosten des Projekts immer weiter.

Laut Sandra Schrei vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung wurde Preis für den Gebäudekomplex 2005 noch mit 720 Millionen Euro angesetzt. Bis zur endgültigen Fertigstellung beliefen sich die Kosten auf knapp 1,1 Milliarden Euro.

Zentrale für Besucher offen

Entstanden sind mit den Mitteln 5000 Räume, ein Parkhaus, ein Logistikzentrum und das Ausbildungszentrum des BND und des Verfassungsschutzes mitsamt Internat. Außerdem gibt es zum ersten Mal ein Besucherzentrum. Bis interessierte Gruppen sich anmelden können, wird es aber noch bis zum Frühjahr dauern.

Spontan interessierte Besucher müssen sogar noch länger warten: Sie dürfen voraussichtlich erst ab 2021 vorbeischauen. „Die Sicherheitsstandards sind so hoch, dass dafür noch Umbauten vorgenommen werden müssen“, sagt BND-Sprecherin Kalbitzer.

Wer das Gebäude als Mitarbeiter betreten will, hat mit den richtigen Voraussetzungen momentan gute Karten: Der BND ist noch dabei, seine neuen Räume mit Fachkräften zu füllen. „Wir suchen immer“, sagt Kalbitzer.




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