Bundespräsident Gauck fordert ein dauerhaftes US-Engagement

Von Holger Schmale 

Bundespräsident Joachim Gauck beginnt seine dreitägige USA-Reise in Philadelphia – der passende Ort, um sein zentrales Thema Freiheit aufleben zu lassen. Er mahnt zudem die amerikanische Regierung, ihr Engagement in Europa nicht herunterzufahren.

Bundespräsident Joachim Gauck berührt ergriffen die Freiheitsglocke. Foto: dpa
Bundespräsident Joachim Gauck berührt ergriffen die Freiheitsglocke. Foto: dpa

Philadelphia - Als Joachim Gauck vor Jahren einmal im Nationalarchiv von Washington die Urschrift der amerikanischen Verfassung betrachten wollte, traf er in der Warteschlange vor dem Ausstellungssaal einen vielleicht elfjährigen Jungen aus Texas. Gauck fragte, was ihn mit seiner Familie nach Washington geführt habe. „Ich besuche meine Verfassung“, sagte der Junge.

Es ist eine der Geschichten, mit denen der Bundespräsident seine Begeisterung für die USA als einen der Ursprünge für Freiheit und Demokratie so anschaulich erläutern kann. Denn natürlich sieht er eine Verbindung zwischen dem „We the people“ mit dem die Verfassung beginnt und dem „Wir sind das Volk“ der friedlichen Revolution in der DDR. Die Begeisterung steht auch im Mittelpunkt der Rede, die er am Dienstag an der Universität von Pennsylvania in Philadelphia hält. Es ist eine Grundsatzrede über das deutsch-amerikanische Verhältnis, in der Gauck in ungewöhnlich deutlichen Worten die transatlantische Partnerschaft als Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewältigung der großen Krisen beschreibt. Sie seien „das essenzielle strategische Bündnis unserer Tage“, heißt es im Manuskript. Es werde „die wichtigste Stütze der Stabilität bilden“.

Deutsch-amerikanische Irrwege

Er spricht auch die Irrwege der jüngeren Zeit an: die Lauschangriffe der US-Geheimdienste, zum Beispiel. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs über die Datensicherheit in den USA liefert zu dieser Debatte ganz aktuelles Material. Doch all dies hindert Gauck nicht, im 25. Jahr der Wiedervereinigung vor allem die Rolle des damaligen Präsidenten George Bush zu würdigen, unter dessen Führung die USA die Einheit Deutschlands intensiver als alle anderen Verbündeten gefördert haben.

Gerade mit der Erfahrung müsse für die USA gelten: „Sich dauerhaft in Europa und mit Europa zu engagieren ist und bleibt die beste Investition in Stabilität, die vorstellbar ist – gerade in Zeiten neuer Bedrohungen.“ Deutschland habe gezeigt, dass es bereit sei, mehr internationale Verantwortung zu übernehmen. „Aber mehr deutsche Verantwortung bei gleichzeitig sinkendem amerikanischem Engagement, das wäre eine Konstellation, die Deutschland – und Europa – auf Dauer nicht guttun würde, den Vereinigten Staaten und der gesamten freien Welt übrigens auch nicht.“

Seltener Empfang im Weißen Haus

So passt es, dass Gauck in Philadelphia, wo die Verfassung der USA entstanden ist, die Independence Hall und die Freiheitsglocke besichtigt. „Das sind heilige Stätten der Demokratie“, sagt der Bundespräsident etwas ergriffen. Als er die Glocke berührt – „Mit meiner linken Hand, die kommt vom Herzen“ – und sich ein wenig anlehnt, ist die Aufseherin weniger ergriffen als besorgt um das Nationalheiligtum. Beim nächsten Besuch werde er sich an die Regeln halten, verspricht Gauck, der auch von Präsident Barack Obama im Weißen Haus empfangen wird. Dort war ein deutsches Staatsoberhaupt zuletzt vor 18 Jahren.




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