Bundestagswahl 2017 AfD und SPD sind im Enzkreis fast gleichauf

Von Kathrin Klette 

Im Wahlkreis Pforzheim verliert besonders die CDU viele Stimmen. Trotzdem erhält Gunther Krichbaum das Direktmandat.

Warten im großen Rathaussaal: So mancher möchte wissen, wie Pforzheim und der Enzkreis abgestimmt haben. Foto: kle
Warten im großen Rathaussaal: So mancher möchte wissen, wie Pforzheim und der Enzkreis abgestimmt haben. Foto: kle

Enzkreis - Im Pforzheimer Rathaus hat am Sonntagabend vor allem einer gut lachen – und das, obwohl er ohne Listenplatz und Direktmandat gar nicht in den Bundestag einziehen wird: Waldemar Birkle von der AfD. Der Erfolg seiner Partei nach den ersten Hochrechnungen freut ihn sichtlich, ebenso sein hohes Erststimmen-Ergebnis. Gunther Krichbaum (CDU) erhält trotz Verlusten erneut das Direktmandat aus dem Enzkreis. Auch die Vertreter der anderen „kleinen“ Parteien sind angesichts der Bundestagsergebnisse weitgehend guter Dinge – auch wenn das AfD-Ergebnis manchen Sorgen bereitet.

Lange Zeit ist es ziemlich ruhig im Pforzheimer Rathaus, wo am Abend die Wahlergebnisse, sowohl die allgemeinen als auch speziell die für den Wahlkreis Pforzheim/Enzkreis, bekannt gegeben werden. Den Großteil der Direktkandidaten sucht man vergeblich, zumindest die erste Hochrechnung verbringen die meisten auf der Wahlparty ihrer Partei und kommen erst später ins Rathaus – wenn überhaupt. Doch auch Bürger und Lokalpolitiker sind rar gesät, als um 18 Uhr die erste Prognose auf einem großen Bildschirm im Rathausflur übertragen wird.

Landrat wenig überrascht

Karl Röckinger, Landrat des Enzkreises, zeigt sich wenig überrascht von dem ersten Ergebnis, das durch die späteren Hochrechnungen bestätigt wird. „Das deckt sich mit dem, was ich im Vorfeld gehört habe, auch dass die AfD ein zweistelliges Ergebnis hat.“ Spannend sei es nun, zu sehen, „wer sich nachher zusammentut“. Eine Wunsch-Koalition hat er nach eigenen Angaben nicht. „Da bin ich Demokrat“, sagt er und schmunzelt. Die Kombination CDU/FDP/Grüne sei in jedem Fall eine interessante neue Konstellation, bei der es erst gelte, gemeinsame Schnittmengen zu finden.

Schließlich flimmern die ersten Ergebnisse aus dem Enzkreis und Pforzheim über die Bildschirme des Rathauses – allerdings erst aus einem Drittel der Stimmbezirke. Die Zahlen bilden ein niederschmetterndes Ergebnis für die CDU ab bei 17 Prozent Stimmenverlust auf 26,9 Prozent, während die AfD mit 21,6 Prozent sogar vor der SPD liegt. Zu diesem Zeitpunkt sind allerdings fast nur die Stimmen aus der Stadt Pforzheim ausgezählt. Das Ergebnis mit den Stimmen aus 28 von 29 Stimmbezirken lautet (in Prozent): CDU: 30,2 (2013: 44,5), SPD: 16,3 (2013: 20,3), Grüne: 10,8 (2013: 9,0), FDP: 13,6 (2013: 7,1), AfD: 16,3 (2013: 7,2), Linke: 5,4 (2013: 4,6).

FDP und AfD sehr zufrieden

„Das Ergebnis zeigt, dass wir hier eine gute Arbeit machen“, kommentiert Waldemar Birkle die erste Hochrechnung aus Pforzheim und dem Enzkreis. Gunther Krichbaum habe hier natürlich große politische Erfahrung und sei bekannt, daher überrasche ihn dessen Direktmandat nicht. Aber als Newcomer ein so gutes Ergebnis zu erreichen, „darüber kann man sich nur freuen“.

Janis Wiskandt, FDP-Kandidat für den Enzkreis, ist mit den mehr als 10 Prozent für seine Partei bei der Bundestagswahl „sehr zufrieden. Unser Anspruch war es zwar, drittstärkste Kraft zu werden, aber ich glaube, wir haben einen guten Wahlkampf gemacht und ein gutes Ergebnis erzielt“. Auch Linken-Kandidat Peter Wenzel ist „zufrieden, dass wir uns stabilisiert haben“. Im Hinblick auf die Regierungsbildung hoffe er nun, dass „die SPD nicht umfällt und es nicht zu einer Großen Koalition kommt“. Von Zufriedenheit bei der SPD und deren Kandidatin Katja Mast dagegen verständlicherweise keine Spur. „Das ist ein hartes Ergebnis, das macht auch etwas mit mir und meinem Team“, sagt sie. Was ihr besonders große Sorgen bereite: „Das ist das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, dass wieder Rechtsextreme im Bundestag sitzen. Und ich werde nicht aufhören, dagegen zu kämpfen.“