Bundestagswahl 23-Jähriger Bäcker kandidiert für den Enzkreis

Von Florian Mader 

Janis Wiskandt steht für die neue FDP. Er ist zwar erst 23, hat aber Chancen, in den Bundestag einzuziehen.

Hier spaziert Janis Wiskandt gerne: Auf den Hügeln über Heimsheim. Foto: Florian Mader
Hier spaziert Janis Wiskandt gerne: Auf den Hügeln über Heimsheim. Foto: Florian Mader

Heimsheim - Rabenschwarz für ein liberales Herz sieht die Welt am 22. September 2013 aus. Die FDP ist hochkant aus dem Bundestag geflogen. „Völlig zu Recht“, sagt einer, von dem man das nicht vermuten würde. Denn Janis Wiskandt arbeitet im Enzkreis kräftig daran mit, dass die FDP jetzt den Weg wieder in das Parlament schafft.

„Nach so einem Absturz muss sich eine Partei komplett neu aufstellen“, habe er sich damals gedacht. Mit neuen Ideen, mit neuem Engagement – mit neuem Personal. Janis Wiskandt ist damals 19 Jahre alt und auf der Suche nach einer politischen Heimat, setzt sich mit allen Parteien auseinander.

In der FDP wird er schließlich fündig. „Wir stehen dafür, dass die Menschen in Selbstverantwortung leben können“, sagt er zum Beispiel. Oder: „Dass Optimismus und Eigenverantwortung belohnt werden.“

„Ich bin der, über den Ihr redet“

Jetzt, vier Jahre später, ist Janis Wiskandt zwar erst 23 Jahre alt – und dennoch bereits Bundestagskandidat seiner Partei. Einstimmig und ohne Gegenkandidaten haben ihn die Liberalen in Pforzheim und im Enzkreis dafür nominiert. Beim FDP-Nominierungsparteitag hat er es schließlich trotz dreier Mitbewerber auf Platz 15 der Landesliste geschafft. Bekäme die FDP wieder 14,6 Prozent der Stimmen – so, wie 2009 – dann wäre Janis Wiskandt in den Bundestag gewählt.

„Ich bin der, über den Ihr heute den ganzen Tag redet“, hat er seine Bewerbungsrede eingeleitet. Jung, Bäckermeister, selbstständig und Mittelständler. Seit er 15 ist, schafft er schon. „In der Schule war ich nie der fleißigste Lerner-Typ“, gibt er schmunzelnd zu. „Ich wollte schon immer anpacken und Verantwortung übernehmen.“

Bei seinem Vater in der Pforzheimer Vollkornbäckerei macht er die Lehre, arbeitet anschließend in Franken, macht in Stuttgart den Meister, kehrt im November 2013 wieder nach Pforzheim in den väterlichen Betrieb zurück. „Ich wusste, jetzt bleibe ich in Pforzheim – und da wollte ich mich auch politisch engagieren“, erinnert er sich.

Hans-Ulrich Rülke, der FDP-Regent in Pforzheim und Fraktionschef im Landtag, nimmt das junge Nachwuchstalent daraufhin an die Hand. Schon 2014, bei der Gemeinderatswahl, steht Wiskandt auf der Liste. „Ich war schon längst im Bett, wollte zwei Stunden später eigentlich ins Geschäft“, erinnert er sich. „Da kam der Anruf, dass ich gewählt bin.“ Denn für den jungen Bäcker beginnt der Arbeitstag abends um 22 Uhr und geht die ganze Nacht durch.

Abbau der Bürokratie

Auch jetzt noch, mitten im Bundestagswahlkampf. Es ist zwar schon nachmittags, dennoch kommt Janis Wiskandt gerade frisch ausgeschlafen zum Gespräch. Im Café nimmt er den Zwetschgenkuchen, sein Lieblingsgebäck. Und legt dann los. „Wir brauchen dringend einen Abbau der Bürokratie“, sagt er. „Das merke ich jeden Tag im Geschäft.“ Zum Beispiel bei der Mindestlohndokumentationspflicht.

Dass es dringend an der Zeit ist, dass seine junge Generation endlich mitreden darf, erklärt er auch an anderen Beispielen. „Die Rente mit 63 war ein pures Wahlgeschenk, das ist das völlig falsche Signal, wenn die Menschen immer älter werden.“ Wiskandt plädiert für einen flexiblen Renteneintritt. Und beim Thema Bildung wünscht er sich viel mehr Engagement des Bundes. Im deutschen Föderalismus ist Bildung eigentlich Sache der Länder und Städte. „Aber es kann doch nicht sein, dass der Bund in Dritte-Welt-Ländern Schulen baut, aber bei uns hier in Pforzheim nicht“, sagt der junge FDP-Mann.

Genug geredet, weiter geht’s in die Natur, zu Wiskandts Lieblingsplatz, den sich die Kandidaten fürs Foto wünschen dürfen. Janis Wiskandt steht darum Minuten später auf den Hügeln über Heimsheim, dort, wo drei Windkraftanlagen geplant sind. Auch hierzu hat der FDP-Kandidat eine klare Position. „Es kann nicht sein, dass wir hier so unwirtschaftliche Energien im windschwachen Baden-Württemberg subventionieren.“

Ebenso wenig sei es zielführend, alle Atommeiler abzuschalten, wenn die Länder um Deutschland herum auf das Atom setzen.