Bundeszuschuss von 50 Millionen Euro Karlsruhe hofft aufs neue Internet-Institut

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Fünf Länder sind in der Endrunde des Rennens um das geplante Deutsche Internet-Institut. Für Baden-Württemberg bewirbt sich Karlsruhe um den Zuschlag. Doch andere Landesregierungen engagieren sich stärker als die Stuttgarter.

Wie ändert die  Digitalisierung unser Leben? Dieser Frage sollen sich Forscher widmen. Foto: dpa
Wie ändert die Digitalisierung unser Leben? Dieser Frage sollen sich Forscher widmen. Foto: dpa

Stuttgart - Kommt das Deutsche Internet-Institut, das vom Bund mit bis zu 50 Millionen Euro gefördert wird, nach Baden-Württemberg? Im Rennen um die neu zu schaffende Einrichtung, die Fragen rund um die Digitalisierung erforschen soll, wird es spannend: Nächste Woche soll eine Expertenjury die fünf in die Endrunde gelangten Konzepte begutachten – darunter auch jenes des Karlsruher Instituts für Technologie, kurz KIT. Es steht in Konkurrenz zu Konsortien aus Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Während andere Landesregierungen offensiv für die Bewerbungen aus ihren Ländern werben, war aus Stuttgart bisher wenig zu hören. Das Staatsministerium versichert jedoch, man unterstütze den Antrag Karlsruhes „nachdrücklich“; auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) habe sich eingeschaltet.

Den Startschuss für das Internet-Institut hatte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) 2015 gegeben. Grundlage ist der Koalitionsvertrag und die Digitale Agenda der schwarz-roten Bundesregierung. Dort heißt es: „Ein öffentlich finanziertes Forschungsinstitut wird in einem interdisziplinären Ansatz die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und partizipativen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen.“ Dabei seien „die bestehenden Potenziale der deutschen Forschungslandschaft einzubinden und zu fokussieren“. Für die ersten fünf Jahre stellt das Bildungsministerium bis zu 50 Millionen Euro bereit.

Rund ein Dutzend Bewerbungen

Man wolle den digitalen Wandel „bestmöglich und unter Bündelung aller Kräfte erforschen“, sagte Wanka bei der Ausschreibung. Das neue Institut solle die Entwicklung „in ihrer ganzen Komplexität“ erklären und analysieren, aber auch Lösungsansätze zeigen, „wie Deutschland die Chancen . . . optimal nutzen kann“. Dabei sollten die Fragen nicht nur aus technischer Sicht beleuchtet werden, sondern auch von verschiedenen Fachrichtungen der Gesellschaftswissenschaften.

In der ersten Runde des Ideenwettbewerbs ging nach Angaben einer Ministeriumssprecherin etwa ein Dutzend Bewerbungen ein. Daraus wählte die Expertenjury im Sommer 2016 fünf Vorschläge aus, die weiter ausgearbeitet werden sollten. Zum Zuge kamen neben dem Karlsruher Institut für Technologie die Bayerische Akademie der Wissenschaften, die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover, die Ruhr-Universität Bochum und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Was Karlsruhe/Mannheim zu bieten hat

Der KIT-Präsident Holger Hanselka bezeichnete es als „eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit, den digitalen Wandel zu gestalten“. Intelligente Netze, Industrie 4.0 und autonomes Fahren seien „zentrale Forschungsthemen des KIT“. Dabei gehe es nicht nur um Technik, sondern auch um die nicht technischen Folgen; diese müssten früh in die Innovationsprozesse einfließen. „Genau für diese Konstellation hat die Region Karlsruhe-Mannheim einiges an Expertise zu bieten“, heißt es. Andere Länder verweisen auf Forschungseinrichtungen wie das Munich Center for Internet Research oder das Bochum Center for Advanced Internet Studies. Zudem offerieren sie Zusatzmittel in Millionenhöhe und machen das Vorhaben zur Chefsache.

Am 18. Mai soll die Jury die Konzepte bewerten. Dann trifft das Ministerium die endgültige Auswahl, „nach sorgfältiger Würdigung der Vorschläge und der Argumente der Jury“. Ein „möglicher Eigenbeitrag“ werde mit in die Bewertung einfließen, sagte die Sprecherin. Zu konkreten Angeboten der Länder könne man im laufenden Verfahren nichts sagen. Insgesamt sei „im politischen Raum ein breit gestreutes Interesse festzustellen“.

Unterstützung von einer Beamtin

Federführend in Baden-Württemberg ist das Wissenschaftsministerium von Theresia Bauer (Grüne). Während etwa ihr bayerischer Kollege Ludwig Spaenle persönlich für das Münchner Angebot trommelt, ließ sie das erste Unterstützungsschreiben von einer Abteilungsleiterin unterzeichnen. In der „entscheidenden Auswahlrunde“ habe sich nun Ministerpräsident Kretschmann eingeschaltet, sagte eine Sprecherin des Staatsministeriums. Mit einem „Letter of Intent“ (Absichtserklärung) habe er eine „aktive Beteiligung in der Umsetzungsphase“ in Aussicht gestellt; im Fall eines Erfolges werde das Land die „Verstetigung“ des Instituts in Karlsruhe unterstützen. Laut der Sprecherin könnte das Karlsruher Konzept „einen spannenden Akzent in der Digitalisierungsstrategie des Landes Baden-Württemberg setzen“. Man unterstütze den Antrag „nachdrücklich“ und wünsche „allen Akteuren viel Erfolg in der Endausscheidung“.

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