Buslinie 636 Stadt will auf „Hummelbaumrunde“ verzichten

Die einen sind darauf angewiesen, die anderen stören sich daran: Die Linienbusse im Wohngebiet Hummelbaum. Foto: factum/Granville
Die einen sind darauf angewiesen, die anderen stören sich daran: Die Linienbusse im Wohngebiet Hummelbaum. Foto: factum/Granville

Eine Bürgerinitiative beklagt den Lärm der großen Linienbusse. Alternativen sind im Gespräch.

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Renningen - Verkehrte Welt: Während sich rund um Leonberg zahlreiche Menschen dafür stark machen, die Buslinie 747 zu erhalten, regt sich in Renningen seit Langem Widerstand gegen die Route der Linie 636. Eine Initiative von Bewohnern des Wohngebiets Hummelbaum stört sich daran, dass die Busse ihre Runde durch ihre Straßen drehen – zumindest bei den schweren Linienbussen. Konkret geht es um die Haltestellen Alemannenstraße und Keltenstraße.

Die Verwaltung will nun, auf Beschluss des Gemeinderats, beim Landkreis anregen, auf die sogenannte „Hummelbaumrunde“ ganz zu verzichten und stattdessen das Neubaugebiet Schnallenäcker zu erschließen. Der Entschluss fiel bei zwölf Ja- und zwei Nein-Stimmen – und acht Enthaltungen. Vor dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 wird sich an der Situation aber ohnehin nichts ändern.

Von der Entscheidung des Landkreises hängt das weitere Vorgehen der Stadt ab. Im Gespräch bleibt ein eigenes Stadtbus-/Mobilitätssystem, das dann noch erarbeitet werden müsste und mit dem der bestehende Bedarf innerhalb Renningens abgedeckt werden könnte. Ein Stadtbus würde Renningen in jedem Fall Geld kosten, die Stadtrunde des Landkreises ist bislang kostenfrei.

Die Initiative fordert kleinere Busse

Der Streit um die Buslinie 636, die zwischen Weissach und Renningen fährt, hat eine längere Vorgeschichte. Eingerichtet wurde sie 2012 nach Inbetriebnahme der S 60 von Renningen nach Böblingen. Der Landkreis ist dafür verantwortlich, dass Städte und Gemeinden, die nicht an einer S-Bahn-Linie liegen, über Linienbusse Anschluss erhalten. Stündlich dreht der eingesetzte Bus noch eine „Stadtrunde“, bei der auch entlegenere Stationen innerhalb Renningens angefahren werden.

Die Initiative aus dem Hummelbaum hält von den „Besuchen“ der großen Linienbusse nicht sonderlich viel. Zu groß seien der Lärm und die Abgasbelastung. „Die BI fordert zumindest den Einsatz kleinerer Busse“, erklärt Marcello Lallo, Leiter des Fachbereichs Bürger und Recht, dem Gemeinderat. Da es sich hier um überörtlichen Busverkehr handle, sei das aber nicht möglich. „Die einzige Alternative wäre zu sagen, wenn die Fahrgastzahlen zu niedrig sind, dass man die Runde komplett streicht.“

Die vorläufigen Fahrgastzahlen zeigten eine gute Auslastung der Stadtrunde mit durchschnittlich 20 bis 25 Fahrgästen pro Tag. „Im Bereich Hummelbaum sind es lediglich zehn“, so Lallo. Die Zahlen seien allerdings vorläufig und wurden zwischen April und Juni gemessen, wenn insgesamt nicht so viele mit dem Bus fahren.

Stadt hat keine Entscheidungsgewalt

„Es gibt Menschen, die sind darauf angewiesen“, erinnert Lallo. Trotzdem hält die Verwaltung in Anbetracht der Erhebungen die zusätzliche Schleife für entbehrlich und schlägt deshalb die Einstellung der Runde vor. Entscheidungsgewalt hat die Stadt in dieser Sache allerdings keine. „Wir können nur unsere Wünsche und Anregungen beim Landratsamt vorbringen“, betont Lallo.

Im Rat wird das Thema kontrovers diskutiert. „So leid es mir tut für die zehn Leute, die den Bus nutzen“, beginnt Jürgen Lauffer (Freie Wähler) seinen Beitrag. Aber die Hummelbaumrunde „lohnt sich einfach nicht“. Die „Frauen für Renningen“ sind anderer Ansicht: „Von den zehn, die damit fahren, brauchen ihn fünf dringend“, ist Heiderose Berroth überzeugt. Vor einer Abschaffung brauche es deshalb ein Konzept für eine Alternative, die den Verlust abfängt. Fraktionsmitglied Resi Berger-Bäuerle regt das Einrichten eines Stadtbusses an und ergänzt scharf: „Da reden wir nun schon seit 20 Jahren drüber.“

Heiderose Berroth sieht ein wesentliches Problem zudem darin, dass der Fahrplan der Linie 636 zu kompliziert sei für Leute, die nicht regelmäßig den Bus nehmen. Da die Linie unter anderem auf Schüler ausgerichtet ist, fährt sie je nach Tageszeit nur in die eine oder in die andere Richtung. „Das ist mit der Grund für die niedrigen Zahlen“, glaubt sie.




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