Busverkehr in Rutesheim Busfahrer entführen Perouser nach Heimsheim

Wenn das, was hier an  der  Wilhelm-Kopp-Straße in Perouse errichtet wurde,  nicht wie eine  Bushaltestelle aussieht, was dann? Foto: privat
Wenn das, was hier an der Wilhelm-Kopp-Straße in Perouse errichtet wurde, nicht wie eine Bushaltestelle aussieht, was dann? Foto: privat

Weil sie elektronischen Leitsystemen mehr vertrauen als dem gesunden Menschenverstand, lassen Busfahrer Passagiere an den Haltestellen einfach stehen.

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Rutesheim - Das kann nicht sein, das ist einfach unbegreiflich“, ist Martin Killinger erbost. Dem Ersten Beigeordneten der Stadt Rutesheim fehlen die Worte. Was ihn und zahlreiche Perouser so auf die ­Palme bringt und gebracht hat, ist das Verhalten mehrerer Busfahrer, die die Linien 652/653 befahren, die auch durch den Waldenserort führen. Die Fahrer haben einfach an den neuen Bushaltestellen in der Heimsheimer Straße wartende Fahrgäste ignoriert.

Und noch schlimmer, Passagiere, die sich im Bus befanden und hier aussteigen wollten, trotzt lautstarken Protestes gezwungen, mit nach Heimsheim zu fahren – mit der Begründung, in der Heimsheimer Straße gebe es keine Bushaltestellen.

„Da steht ein überdachtes Wartehäuschen aus Glas, die behindertengerecht angelegten Bussteigkanten, das große Schild mit dem grünen Kreis und dem H, ja sogar die Markierung ,Bus’ auf der Fahrbahn, sind nicht zu übersehen... was braucht es noch?“, fragt sich der Perouser Peter Lechner konsterniert. Er hat nämlich eine ganze Reihe solcher Fälle dokumentiert, die seinen Verwandten und Nachbarn passiert sind.

Mehrere Fälle innerhalb weniger Tage

Freitag, 4. Januar

Zwei Frauen wollten an der Haltestelle Wilhelm-Kopp-Straße um 8.47 Uhr den Bus in Richtung Leonberg nutzen. Der aus Heimsheim kommende Bus verlangsamte seine Fahrt und die Frauen gaben per Handzeichen zu verstehen, mitgenommen werden zu wollen. Der Fahrer fuhr in Schritttempo an der Haltestelle vorbei und deutete an, dass er nicht anhalten werde.

Samstag, 5. Januar

Mehrere Gäste wollten das Café Anna-Rosa in der Heimsheimer Straße aufsuchen und stiegen in den Linienbus ein, denn die Haltestelle Wilhelm-Kopp Straße befindet sich direkt vor dem Café. Trotz Anforderung blieb der Busfahrer nicht stehen. Erst als sich die Fahrgäste lauthals beschwerten, hielt der Bus an der nächsten ebenfalls ­neuen Haltestelle Aischbach an. Die Gäste durften aussteigen und 800 Meter zu Fuß auf der gehsteiglosen Straße zurücklaufen.

Donnerstag, 10. Januar

Eine Perouserin stieg um 20.13 Uhr in Leonberg in der Römerstraße in die Linie 653 ein, um nach Hause zu fahren. Dieser Bus hielt trotz sichtbarer Schrift „Wagen hält“ über dem Mittelgang nicht an der Bushaltestelle Wilhelm-Kopp-Straße an. Trotz lauten Protests, fuhr der Fahrer auch an der letzten Haltestelle im Ort, also „Aischbach/Sportgelände“ weiter bis nach Heimsheim. Seine Begründung: Diese Haltestellen seien keine solchen. Der Willkür des Busfahrers hilflos ausgesetzt, musste sich die Frau aus dem drei Kilometer entfernten Heimsheim, da zu dieser Zeit die Busse nur noch im Stundentakt fahren und es kalt war und Schneeregen fiel, mit dem Auto abholen lassen. Am Samstag, 12. Januar, wiederholte sich mit dem Bus, der um 17.46 Uhr in der Römerstraße abgefahren ist, das gleiche Spiel und die Frau landete erneut unfreiwillig in Heimsheim.

Montag, 14. Januar

Wie der Frau erging es auch einem Fahrgast, der um 17.34 Uhr am Leonberger Bahnhof zugestiegen ist. Auch ihm blieb trotz lautstarker Beschwerde die zwangsweise Fahrt nach Heimsheim nicht erspart. Als er um 18.02 Uhr von der Schleglerstadt aus, die Rückfahrt mit der entgegengesetzten Buslinie antrat, verlangte der Busfahrer den Fahrpreis, denn das Monatsticket endet an der Kreisgrenze. Der Fahrer verzichtete zwar auf das Geld, hielt aber auch nicht an der    Wilhelm-Kopp-Straße an, sondern ließ den verärgerten Fahrgast erst an der Hauptstraße aussteigen.




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