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Campen Was ganz Spezielles

Von Claudia Bell 

Campen war nie sein Ding. Bis ihn seine Frau vor 16 Jahren dazu überredete. Heute freut sich Andreas Austilat über sein eigenes Bett in jedem Urlaub.

Auf dieser Parzelle gab’s zwar nicht besonders viel Schatten durch Bäume, aber dafür eine Hecke als Sichtschutz vor den Nachbarn.  Foto: Austilat
Auf dieser Parzelle gab’s zwar nicht besonders viel Schatten durch Bäume, aber dafür eine Hecke als Sichtschutz vor den Nachbarn. Foto: Austilat

Herr Austilat, Sie haben zum Thema Camping viele Nägel auf den Kopf getroffen.
Ja, Campingurlaube sind schon was ganz Spezielles. Man erlebt da so manche skurrile Geschichte, nicht zuletzt mit den anderen Campern auf dem Platz.

Kehren Sie eigentlich auch immer Ihre Unterlage vor dem Vorzelt?
Klar kehren wir die. Jeden Tag! Warum wir das machen, weiß ich aber ehrlich gesagt auch nicht so genau. Vermutlich, weil es alle anderen auch so machen. Obwohl, nein, doch, ich weiß, warum: weil es immer so knirscht, wenn Sand auf dem Wohnwagen-Boden liegt. Gar nicht schön. Und wenn man auf so engem Raum zusammenlebt, muss man schließlich auch ein bisschen auf die Sauberkeit achten.

Aha, also sind Sie doch ein typischer Camper! Und das, obwohl Sie eigentlich nie Urlaube im Wohnwagen machen wollten.
Stimmt, meine Frau hat mich vor 16 Jahren dazu gebracht. Sie war als Kind immer mit ihren Eltern auf Campingplätzen. Heute muss ich zugeben: Es ist eine tolle Art, Urlaub zu machen. Eigentlich will ich gar nichts anderes mehr machen im Urlaub. Aber bis man mit dem Wohnwagen im Schlepptau von Berlin aus bis nach Frankreich oder Italien gefahren ist, dauert es doch ewig! Ja klar, schon. Zudem wird man als Gespann generell als Hindernis betrachtet und auf Teufel komm raus überholt. Sogar von Lastwagen. Aber eigentlich ist die Fahrerei weniger schlimm, als man denkt.

Hatten Sie denn wenigstens immer Glück mit Ihren Parzellen? Also schön in der Sonne und im Grünen?
Geht so. Aber man lernt ja immer dazu. Früher sind wir schon auch mal auf einer Parzelle gelandet, wo es keinen Baum und keinen Strauch und damit null Schatten gab. Da denkt man echt, man campt auf dem Parkplatz. Heute schaue ich mir bei Google Maps vorher immer genau an, wie der Platz liegt, wie viel Sonne es da gibt und wie groß die Parzelle ist. Je weniger ich im Vorfeld über den Platz weiß, umso unruhiger macht mich das! Mittlerweile wissen wir übrigens auch: Den Kindern ist es völlig wurscht, ob die Sonne hinter einem Olivenhain verglüht oder hinter dem Doppelachser des Nachbarn.

Apropos Nachbarn: Mit denen kann man ja auch ganz schön Pech haben.
Na ja, ich sag’s mal so: Die Holländer breiten sich gern etwas mehr aus als andere. Von denen hatten wir schon auch mal ’ne Deichsel direkt neben unserem Esstisch. Das scheint denen im Blut zu liegen; viele haben die Landgewinnung einprogrammiert, die kämpfen schließlich auch schon seit Jahren mit ihren Deichen gegen die Flut.

Und wie kriegt man dann so einen sperrigen und ungelenken Wohnwagen auf eine zu enge Parzelle?
Wir hatten früher häufiger die Situation, dass die Nachbarn uns beim Einparken helfen mussten. Das hat manchmal ewig gedauert, bis das Ding an der richtigen Stelle stand. Was zur Folge hatte, dass meine Frau mich während des gesamten Urlaubs mindestens einmal täglich fragte: Meinst du, wir kommen hier jemals wieder raus? Deshalb haben wir uns nun einen Mover geleistet, eine Fernbedienung, mit der man den Wohnwagen ganz einfach wieder rausbugsieren kann. Seither stellt sie mir diese Frage nicht mehr. Und wir sind damit die Attraktion auf dem Platz!

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie mit Ihrer Frau früher oft Streit hatten beim Aufbau des Vorzeltes.
Ja, das war grässlich, da sind etliche Tränen geflossen. So ein Vorzelt ist ja auch ein kompliziertes Ding mit vielen Stangen und allem möglichem Kram. Und eigentlich ist ein Vorzelt ja doch nur eine Art Garage, um das Gerümpel vor den Nachbarn zu verstecken. Man reist ja mit dem kompletten Hausrat an. Sie glauben gar nicht, was wir immer alles dabeihaben!

Hat sich Ihr Wohnwagen eigentlich mittlerweile amortisiert?
Um Gottes willen, fragen Sie mich das bitte nicht! Da mag ich gar nicht mehr drüber nachdenken. Man kauft ja ständig neue Dinge hinzu - ob man die braucht, ist dann eine andere Frage. Da müssen es dann noch ganz spezielle, möglichst leichte Alumöbel sein. Und wenn der Nachbar diesen tollen Grill hat, dann muss man den auch unbedingt haben. Ich gehe also davon aus, dass ich noch Jahre brauche, bis ich all die Kosten wieder reingeholt habe. Wenn ich das überhaupt jemals schaffe.

Dann brauchen Sie später ja nicht mehr weit zu fahren, sondern können zum Dauercamper werden.
Niemals, auf gar keinen Fall.

Warum nicht? Es kann doch auch schön sein, wenn man immer weiß, wo man hinkommt und auf welchem Plätzchen man steht!
Nein, das ist nichts für uns. Irgendwann kratzt man die letzte Tüv-Plakette ab und weiß: Das war’s jetzt. Da wird man doch total unbeweglich! Dabei ist das Schöne am Camping doch gerade, dass man beweglich ist und immer Neues erlebt.

Gehen Sie über die Osterfeiertage auch campen?
Logisch. Wir fahren in die Champagne nach Frankreich. Ein Jahr ohne Camping geht gar nicht!

Und was machen Sie, wenn Sie eine Panne haben?
Eine Panne ist für uns das absolut Schlimmste, was wir uns vorstellen können. Auto oder Wohnwagen kaputt, und plötzlich steht man irgendwo ohne alles da - grässlich! Wir haben deshalb immer einen kleinen, leeren Koffer dabei, in den wir im Falle einer Panne das Nötigste einpacken können.

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