Carmen Büchner und Moritz Schneider Kontraste beim Trickfilmfestival

In Carmen Büchners Contrast soll jeder interpretieren können, was er möchte. Ich gebe nur den roten Faden vor, sagt die 27-Jährige. Foto: Büchner 4 Bilder
In Carmen Büchners "Contrast" soll jeder interpretieren können, was er möchte. "Ich gebe nur den roten Faden vor", sagt die 27-Jährige. Foto: Büchner

Wie unterschiedlich die Beiträge beim Trickfilm-Festival sind, zeigen die Filme der jungen Stuttgarter Carmen Büchner und Moritz Schneider, die für einen Nachwuch-Preis nominiert sind. Wir haben mit den beiden über ihre Arbeiten gesprochen.

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Stuttgart - Wenn Carmen Büchner über ihre Arbeit spricht, dann leuchten ihre Augen. "Ach ich liebe eigentlich alles, was ich tue", sagt sie dann lachend. So ist das also, wenn man sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Wobei: "Das kann auch ganz schön zerfleischend sein." Feierabend gibt es nicht, gegrübelt wird ständig und das Atelier befindet sich in der Wohnung. Arbeit und Privatleben vermischen sich.

Carmen Büchner ist Künstlerin. Im vergangenen Jahr hat sie ihr Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg abgeschlossen, gestern ist einer ihrer Filme zum ersten Mal im Internationalen Wettbewerb des Trickfilmfestivals gelaufen. "Das ist total aufregend", sagt sie. "Contrast" heißt ihr 3:55-minütiger Film. Er zeigt einen Blick in eine Blumenwiese und dort den Kampf zweier Käfer ums Überleben. Der Stärkere gewinnt, könnte das Motto des Films sein, mit dem sie ihr Studium abgeschlossen hat. Zwei Käfer treffen aufeinander, es gibt einen Kampf, der Stärkere gewinnt - und die Kamera fährt wieder hinaus aus dem Schauplatz und kehrt ins große Ganze zurück. Der Ursprung war ein 1,50 auf einen Meter großes Gemälde, das Carmen Büchner gemalt, in ihre Wohnung gehängt und "Wiesenrausch" genannt hat.

Die Natur spielt in den Arbeiten von Carmen Büchner immer eine große Rolle. "Alles basiert auf der Natur und ihren Gesetzen", sagt sie. Alles, könne man durch die Natur erklärbar machen. "Heute ist alles furchtbar kompliziert, heruntergebrochen auf die Natur allerdings, merkt man, dass wir doch alle sehr einfach gestrickt sind."

Doch es ist viel weniger die Geschichte als die Machart, die wohl dazu beigetragen hat, dass der Film der jungen Animatorin für den Wettbewerb (und für viele andere internationale Festivals) ausgewählt worden ist. Der Film ist wie ein abstraktes, experimentelles Gemälde als Bewegtbild. Carmen Büchners Anspruch war es, jedes Bild des Films so zu gestalten, "dass man es sich ausdrucken und an die Wand hängen möchte." Ihr Fokus habe bei der Produktion ganz klar auf der visuellen Ebene gelegen. Dazu hat sie viel experimentiert, mit Leuchtplatten, Holzplatten, Acrylfarben und verschiedenen Materialien. Mindestens genauso experimentell ist die Musik dazu von Denise Segschneider (heute Barth). Das Knacken kommt von zerbrechenden Gurken und Karotten oder von Spachteln auf leeren Leinwänden. Je genauer das Bild wird desto experimenteller wird die Musik und umgekehrt. "Wir haben sehr viel rumprobiert", sagt Carmen Büchner. Auch den Film bezeichnet sie als Kunstprojekt - es gab weder Storyboard noch Recherche. Der Film hat sich von Tag zu Tag zusammengesetzt. "Das war auch riskant, ich musste jeden Tag kreativ sein", sagt sie. Da war die Angst groß, eines Morgens aufzuwachen und keine Idee zu haben.

Die Herangehensweise, die Carmen Büchner hat, auch bei ihren Auftragsarbeiten, die sie nun als Freelancer für Studios und Agenturen macht, ist immer eine künstlerische. Immer experimentiert sie mit verschiedenen Materialien und Kunstformen. "Als Trickfilmer hat man unendliche Möglichkeiten der Gestaltung. Ich kann alles in der Welt für meine Produktionen benutzen", sagt sie begeistert.

Carmen Büchner gibt nur den roten Faden vor

Am Ende soll in ihrem Film jeder sehen, was er möchte: "Manche sehen in meinem Film nur abstrakte Formen, andere zwei Käfer, die gegeneinander kämpfen. Ich gebe nur den roten Faden vor"

Carmen Büchners Film läuft heute Mittag, 14 Uhr,  in der Vorstellung "BW-Rolle: Die besten Animationsfilme aus Baden-Württemberg und der Region Stuttgart"

Mehr Infos zu ihrer Arbeit gibt es hier.

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