Carolin Kebekus in der Porsche-Arena Bengalos in der Betriebksantine

Von Kathrin Horster 

Mit ihrem Programm „Pussy Nation“ hat die Komikerin Carolin Kebekus in der Porsche-Arena dem Intimwaxing, rechten Kräften und stutenbissigen Geschlechtsgenossinnen den Kampf angesagt: Ein furioser Abend.

Bringt die Menge auch mit derben Gags zum Jubeln: Carolin Kebekus Foto: Lichtgut/Julian Rettig 5 Bilder
Bringt die Menge auch mit derben Gags zum Jubeln: Carolin Kebekus Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - In Zürich, Basel und Bern darf die Comedienne Carolin Kebekus in den kommenden Tagen nicht als Königin ihrer selbstausgerufenen „Pussy Nation“ auftreten. Die Furcht vor der Ausbreitung des Corona-Virus ist dort zu groß. In Stuttgart sind die Bedenken am Samstagabend geringer. Die Stimmung in der ausverkauften Porsche-Arena ist ausgelassen, von Angst keine Spur.

Wahnsinn des Intimwaxings

„Ich hab ’n‘ eigenen Staat gegründet, für ’n‘ Mädchen bisschen größenwahnsinnig“, grinst die 39-jährige Kebekus und zieht schon in den ersten zehn Minuten mit Witzen über „hartes Pissen“, Alkoholmissbrauch und unkonventionelle An- und Ausziehtechniken alle Register ihrer Comedykunst.

„Sugaring? - Okay, Stuttgart hat keine Ahnung! Brazilian? - Nein, auch nicht. Stuttgart steht auf Naturbusch!“, beginnt Kebekus eine lange Anekdote über eine besonders grausame Form der Intimhaarentfernung. „Das waren die schlimmsten Schmerzen meines Lebens“, stöhnt sie. „Zucker ist unser Verderben, aber schön auf die Fut schmieren – warum zur Hölle tu‘ ich mir das an?“ Die Art, wie Kebekus über Phänomene wie Body-Shaming, Selbstoptimierungszwang und Gruppendruck spricht, mag nicht jeder als geschmackvoll empfinden. Doch spätestens, als die Kölnerin bekennt, sie liebe es, wenn sie „im Schritt wieder aussehe wie sechs Jahre alt“, steht jedem der Wahnsinn des Intimwaxings eindrucksvoll vor Augen.

Hass und Diffamierung

Derb-heiter plaudert Kebekus über Hass- und Diffamierungskampagnen gegen sie ihm Internet und keilt gegen eine penetrante Bewertungskultur bei Instagram und Co. Der Humor zielt nicht nur tief unter die Gürtellinie, er ist auch konkret politisch. Seit Aufkommen der Metoo-Bewegung hätten viele Männer Angst vor feministischen Aktionsgruppen in den Firmen, erzählt sie. „Nennen die sich dann die Always Ultras und zünden Bengalos in der Betriebskantine?“ Als es um den Paragrafen 219a geht, der „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ verbietet, bleibt das Lachen hart in der Kehle stecken.

Wenn es um rechte Strömungen in der Gesellschaft geht, hört bei Kebekus zwar der Humor nicht auf, der Spaß aber sehr wohl. Die Beschimpfung „du linksversiffte Gutmenschenfotze“ habe sie schon häufiger abbekommen. „Ein Schelm, wer da was Rechtes vermutet! Aber wir haben die Leute zu lange nur labern lassen, wie den rechten Onkel, der nur zu Weihnachten kommt!“ Für ihr aufrichtiges Engagement erntet Kebekus frenetischen Jubel und schafft Zusammenhalt der besonderen Art.




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