„Chez Krömer“ mit Günther Oettinger Warum Günther Oettinger so schlecht Englisch spricht

Günther Oettinger (rechts) war in der Talkshow von Moderator Kurt Krömer zu Gast. Foto: rbb/Daniel Porsdorf
Günther Oettinger (rechts) war in der Talkshow von Moderator Kurt Krömer zu Gast. Foto: rbb/Daniel Porsdorf

Günther Oettinger war Ministerpräsident Baden-Württembergs und EU-Kommissar. Jetzt ist er zu Gast in Kurt Krömers Talkshow „Chez Krömer“ und spricht dort auch über seine Sprachdefizite und Pensionsansprüche. Nur beim Thema Stuttgart 21 wird er ungehalten.

Volontäre: Leonie Rothacker (lro)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Berlin - Freundlich empfangen wird Günther Oettinger bei „Chez Krömer“ nicht. Die erste Frage des Moderators: Ob sich Oettinger eigentlich nicht rasiert habe? Die erste eingespielte Aufnahme zeigt den ehemaligen EU-Kommissar bei einer Rede im Jahr 2020 und macht deutlich, dass sich dessen Kenntnis des Englischen seit dem viral gegangenen Video von 2010 („we are all sitting in one boat“) nicht wesentlich verbessert hat.

Oettinger reagiert gelassen, peinlich berührt zeigt er sich nicht. Nüchtern erklärt er: „Schauen Sie, ich habe neun Jahre Gymnasium gehabt, davon neun Jahre Latein – das wollte mein Vater –, sieben Jahre Französisch und drei Jahre Englisch.“ Danach habe er die Sprache bis zu seinem Antritt als EU-Kommissar im Jahr 2010 beruflich nicht gebraucht.

Günther Oettinger lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Die Erklärung ist so einleuchtend wie die meisten, die Oettinger auf Kurt Krömers Provokationen in der halbstündigen Sendung stets zurückgibt. Als erstes geht der Moderator auf die diversen Jobs ein, die Oettinger ausübt, seit er nicht mehr EU-Kommissar ist – 14 an der Zahl. Dazu holt er sich den EU-Parlamentarier Daniel Freund (Grüne) zu Hilfe, der in einem Video Kritik an Oettinger übt. Seit dieser nicht mehr im Amt sei, könne man sich als Unternehmer in Europa „einfach einen Kommissar mieten“, um die eigenen Interessen politisch durchzusetzen, stänkert Freund. „Sein europaweites Netzwerk gibt es einfach gratis mit dazu.“

„So ein Quassler!“ lautet Oettingers Antwort auf die Anschuldigungen . Die Hälfte seiner Tätigkeiten sei ehrenamtlich, alle seien regelkonform gemeldet und genehmigt. Geduldig erklärt er Krömer, was die Arbeit in einem Beirat eigentlich bedeute, dass er dafür lediglich Sitzungsgeld und kein Vollzeit-Gehalt bekomme und wie viel Geld er als Pension von der EU erhalte, nämlich etwa 7 000 Euro im Monat. Der Moderator fragt daraufhin nur noch, ob Oettinger mit seinen Einkünften denn überhaupt über die Runden käme, bevor er das Thema fallen lässt.

Beim Thema Stuttgart 21 wird Oettinger ungehalten

Der nächste Kritikpunkt zielt auf Günther Oettingers Ruf als „Lobby-Kommissar“ ab – und auch hier holt Krömer sich Freund zu Hilfe. Dieser kritisiert, der Stuttgarter habe sich während seiner Zeit in Brüssel nicht nur insgesamt rekordverdächtige 806 Mal mit Lobbyisten getroffen, davon seien auch noch 90 Prozent Unternehmen gewesen, nur zehn Prozent andere Organisationen wie NGOs oder Universitäten. Was an sich ein berechtigter Kritikpunkt sein könnte, verpufft in Krömers Talkshow, weil dieser auf Oettingers Erklärung – wenn jemand um ein Treffen bitte, lehne er eben nicht ab – nichts erwidert.

Stattdessen wirft er Oettinger mehrfach vor, dieser habe sich nicht gut auf die Sendung vorbereitet. Der gegenteilige Eindruck entsteht jedoch. Jedenfalls bringt Krömer den 67-Jährigen nur einmal aus der Ruhe, auch hier wieder mit einer Äußerung von Daniel Freund: Oettingers Frau verdiene am Bau eines Einkaufszentrums im neuen Stuttgarter Hauptbahnhof, dessen Bau er selbst als Ministerpräsident noch auf den Weg gebracht habe. „Das ist also durchaus ein Deal, der sich für die ganze Familie lohnt“, so Freund. Oettinger erklärt zunächst nüchtern, seine Lebensgefährtin – nicht seine Frau – sei ehrenamtlich im Vorstand einer Stiftung tätig, die von einem Unternehmen gegründet wurde, das das Einkaufszentrum baue. Sie verdiene daran nichts. Ungehalten wird Oettinger erst, als Krömer weiter darauf herumreitet, nachdem es schon um ein anderes Thema ging. „Schwachsinn, jetzt reicht mir’s!“, sagt er, haut auf den Tisch und verbittet sich Kritik an seiner Lebensgefährtin, die ja nicht zugegen sei, um sich zu verteidigen.

Nach dem Ausbruch wird die Stimmung wieder besser, letztlich lässt das Gespräch aber beide sichtlich genervt zurück. Als letzte Pointe wartet vor der Tür des Verhörraums in Krömers Studio der echte Daniel Freund, doch zu einem wirklichen Gespräch kommt es nicht. Der Grünen-Politiker bietet Oettinger an, in dessen Namen vor laufender Kamera die bezahlten Tätigkeiten zu „canceln“. Der lehnt dankend ab.

„Chez Krömer“ mit Günther Oettinger

Bereits vor der Ausstrahlung der Sendung am Dienstag, 13. April, um 22.45 Uhr im rbb, ist die „Chez Krömer“-Folge mit Günther Oettinger in der ARD-Mediathek zu finden.




Unsere Empfehlung für Sie