China-Apps Big Brother ist unerwünscht

Von Daniel Gräfe 

Deutschland hinkt beim mobilen Bezahlen hinterher. China ist allerdings kein Vorbild. Nicht zuletzt aus Gründen des Datenschutzes, kommentiert Redakteur Daniel Gräfe.

Wenn Chinesen einkaufen, zücken sie beim Bezahlen meist nur noch das Handy – mit einer chinesischen Bezahl-App. Was mit den Daten in China  passiert, wissen oft nur die Anbieter. Foto: dpa
Wenn Chinesen einkaufen, zücken sie beim Bezahlen meist nur noch das Handy – mit einer chinesischen Bezahl-App. Was mit den Daten in China passiert, wissen oft nur die Anbieter. Foto: dpa

Stuttgart - Ausgerechnet im Bargeldliebhaber-Land Deutschland wird für chinesische Touristen ein mobiles Bezahlsystem eingeführt, das derzeit als das innovativste und einflussreichste weltweit gilt. Die Smartphone-Apps der chinesischen IT-Giganten Tencent und Alibaba sollen auch an den Stuttgarter Händlerkassen helfen, dass der Besuch aus China wie im Heimatland zahlen kann. Kunden aus Deutschland bringen Alipay und Wechat Pay nichts. Wer diese Dienste nutzen möchte, braucht ein chinesisches Konto oder einen chinesischen Pass.

Solche Innovationen sollte es doch auch für uns geben! Das fordern Kritiker, die die Rückständigkeit der Deutschen beim mobilen Zahlen bemängeln. Wer das Bezahlsystem à la China haben möchte, sollte aber erst einmal bedenken, was noch dahintersteckt. Der Bezahldienst von Wechat ist Teil einer riesigen sozialen Plattform, die man sich aus einer Mischung von Whats­app, Facebook, Ebay und vielen anderen Diensten vorstellen kann. Wohl kaum ein anderes Unternehmen der Welt kennt deshalb seine Kunden so genau wie Tencent. Doch will man sich wirklich so durchleuchten lassen?

Daten-Sammelwut der Anbieter

Die komplette Wechat-App genügt deshalb schon der europäischen Datenschutzgrundverordnung nicht. Mehr noch: Die Sammelwut der Wechat-Firma Tencent und des Konkurrenten Alibaba trifft die Kunden in China auch als Bürger. Tencent und Alibaba können sich einer Kooperation mit dem Staat beim Aufbau des Sozialkredit-Systems, einer Art Staatsbürger-Schufa, kaum entziehen. Auch sie sind damit Teil des Systems, das ab 2020 landesweit angemessenes Verhalten mit Punkten bewertet. Und „unangemessenes“ unter anderem mit Reiseverboten sanktioniert.

So innovativ die mächtigen Apps aus China sind – diese Mischung aus Big Data und Big Brother sollte man sich hier nicht wünschen. Wie man überhaupt überlegen muss, welche der Innovationen den Verbrauchern tatsächlich dienen. Deutschland könnte etwas Tempo beim mobilen Bezahlen gebrauchen. Vielleicht auch die eine oder andere Funktion, die die Verbreitung fördert. Das aber dann transparent und datenschutzkonform.