Chinesische Musiker in Hemmingen „Eine Bereicherung für beide Seiten“

Die chinesischen Gäste bewundern den „großen“ Bürgermeister Thomas Schäfer. Foto: privat
Die chinesischen Gäste bewundern den „großen“ Bürgermeister Thomas Schäfer. Foto: privat

Der Hemminger SZFZ Musikzug richtet an diesem Donnerstag ein Konzert mit chinesischen Musikern aus, vorwiegend mit Jugendlichen. Die Gäste staunen erfahrungsgemäß immer über die Gemeinde.

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Hemmingen - Mehr als 180 chinesische Musiker, Tänzer und Maler, darunter viele Jugendliche, erwartet der Hemminger SZFZ Musikzug an diesem Donnerstag. Der Vorsitzende Wilfried Gentner erzählt im Interview über den Austausch.

Herr Gentner, wo werden all die Streicher und Bläser aus China übernachten?
Einen Teil der Gäste bringen wir bei unseren Musikern unter, die meisten werden in Hotels in der Region wohnen.
Der erste Austausch war 2015, nach Ihrem zufälligen Gespräch mit der Vorsitzenden des Volkskulturkreises aus Stuttgart. Sprechen Sie mittlerweile gut Chinesisch?
(Lacht). Nein, wir haben bislang nur einige Begrüßungsfloskeln gelernt. Manche Musiker bringen einen Übersetzer mit, wir sprechen aber vorwiegend Englisch. Das können unsere Schüler gut und auch die Chinesen – in der Schule ist es ihre erste Fremdsprache. Grundsätzlich ist die Musik unsere gemeinsame Sprache. Die Noten sind immer dieselben.
Trotzdem gibt es bei der Kommunikationgelegentlich Missverständnisse.
Leider ja. Wir hätten mit den Chinesen in diesem Jahr gerne ein gemeinsames Stück gespielt. Deshalb hatten wir darum gebeten, dass sie uns rechtzeitig das wunderschöne „Jasmine“ schicken. Das ist ein Volksstück, das jeder Chinese kennt. Doch das mit dem Zuschicken der Noten hat nicht geklappt.
Die vorwiegend jungen Musiker belegen einen Meisterkurs, besuchen Partnerschulen des SZFZ Musikzuges und proben für das Konzert heute Abend. Was erwartet die Zuhörer in der Laurentiuskirche?
Wir spielen einen bunten Stilmix, etwa eine Trilogie von Eric Clapton und amerikanische Stücke. Die Chinesen bringen ein Traditionsorchester mit und interpretieren neben „Jasmine“ typische chinesische Kompositionen. Dabei tragen sie für ihre Region typische Gewänder. Wir stellen aber fest, dass die Chinesen unsere Art zu musizieren übernehmen. Das ist auch der Grund der Musikreisen. In der Kirche präsentieren sie Stücke wie Beethovens „Neunte“ und den Radetzky-Marsch.
Wie klingt es, wenn Chinesen spielen?
Zunächst hört sich die Musik in unseren Ohren etwas falsch an. Das liegt daran, dass die Chinesen Zwölf-Ton-Musik haben statt wie wir Acht-Ton-Musik. Sie haben Zwischentöne, die in unseren Akkorden nicht vorkommen. Eingebunden in ein komplettes Lied klingt die Musik aber toll. Die Chinesen haben viele Saiten- und Zupfinstrumente mit einem Korpus aus Bambus. Die kleineren Instrumente klingen in der Tonlage einer Geige, die großen in der eines Basses. Das sind völlig andere Musikstile. Die Instrumente haben Hunderte Meter lange Saiten, die vor und nach jedem Spielen auf- und abgespannt werden. Das zu sehen, beeindruckt uns auch immer sehr.
Warum finden Sie den Kontakt zu den chinesischen Musikern so wichtig?
Es ist schön und spannend zu sehen, wie Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammenkommen. Das ist für beide Seiten eine Bereicherung.
Inwiefern?
Die Chinesen haben ein großes Interesse an uns und unserem Schulsystem. Sie fotografieren wirklich alles und staunen über viele Dinge. Bei einem Ortsrundgang sind wir mal durch die Friedenstraße gelaufen. Dort stehen einfache Wohnungen, die die Chinesen als Villen bezeichnet haben. Sie bewundern auch unsere vielen Vereine und deren familiäre Art. In China gibt es zwar professionelle Orchester, aber kein ehrenamtlich aufgestelltes Vereinsleben wie bei uns. Uns beeindrucken die chinesischen Schulen und nicht unbedingt das Schulsystem. Es ist unglaublich, wie gut ausgestattet die Einrichtungen sind.
Planen Sie einen Gegenbesuch?
Wir sind nach Peking eingeladen. Dort erhalten wir ein Stipendium und dürfen mit Musikern proben. Vermutlich reisen wir 2019 nach China, zum „Chinese Art and Culture Festival“. Im Herbst kommt erst mal noch ein chinesisches Erwachsenenorchester zu uns, zeitgleich erwarten wir Besuch aus Indien. Wir planen je nach Wetter ein Open-Air-Konzert. Eventuell auch mit umliegenden Vereinen.

Konzert in der Kirche

Wilfried Gentner Der CDU-Gemeinderat ist seit Februar 2012 der Vorstandsvorsitzende des SZFZ Musikzuges Hemmingen. Dieser hat 48 Aktive und gut 100 Kinder und Jugendliche.

Auftritte Das Konzert in der Laurentiuskirche an diesem Donnerstag mit dem Blasorchester der experimentellen Fremdsprachenschule aus Chengdu und dem Orchester und Volksorchester des Gymnasiums Nr. 1 aus Hengshui beginnt um 19.30 Uhr. Am Freitag, 9. Februar, treten der SZFZ Musikzug und die Chinesen beim „World Youth Arts Festival“ in der Stuttgarter Liederhalle auf. Los geht es um 19 Uhr. Beide Eintritte sind frei.




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