Chinesischen Nationalcircus Akrobatik aus Fernost in Ludwigsburg

Von Heidi Vogelhuber 

Der Chinesische Nationalcircus gastiert erneut in der MHP-Arena. Die Show gestalten nur Artisten, Tiere gehören zu den Vorführungen im Reich der Mitte nicht dazu. sehen. Aber warum ist das eigentlich so?

Gastieren nicht zum ersten Mal in Ludwigsburg: Die Artisten des Chinesischen Nationalcircus. Foto: FACTUM-WEISE/factum /Simon Granville
Gastieren nicht zum ersten Mal in Ludwigsburg: Die Artisten des Chinesischen Nationalcircus. Foto: FACTUM-WEISE/factum /Simon Granville

Ludwigsburg - In diesem Jahr legen wir noch eine Schippe drauf“, verspricht Raoul Schoregge. Schoregge ist der Produzent und Tourveranstalter des Chinesischen Nationalcircus, der von 3. bis 5. Januar zum zweiten Mal unter dem Titel „Circus Spektakel“ in die Ludwigsburger MHP-Arena kommt.

Der 50-jährige Deutsche versteht sich selbst als kreativer Kopf und Mittler zwischen den Kulturen, doch für die Star-Artistin Ge Hu Shu Hong, die auch in der Barockstadt auf der Bühne stehen wird, ist er noch mehr; sie nennt ihn liebevoll „Papa“. Er wiederum nennt seine „chinesische Ziehtochter“, wie Schoregge sagt, „Dodo“. Diesen Spitznamen, der so viel wie „kleines Böhnchen“ bedeutet, hat die zierliche Artistin aufgrund ihrer Statur von ihrer Oma bekommen.

In China gibt es mehr als 1000 Zirkusschulen

Dann vollführt Dodo spontan einige akrobatische Kunststücke auf einem etwas wackligen Tisch – konzentriert und präzise. „Ein chinesischer Artist macht keinen Handstand. Er ist der Handstand“, gibt Schoregge ein Sprichwort aus Fernost wieder. Die absolute Identifikation mit dem, was die Akrobaten tun, zeige die Einheit von Körper, Geist und Seele. Das werde an den mehr als 1000 Zirkusschulen, die in China verteilt sind, gelehrt, erklärt Schoregge. Die chinesische Akrobatik („Zaji“) kann auf eine 2000-jährige Geschichte zurückblicken und hat ihre Wurzeln in der Spiritualität Chinas, basierend auf Buddhismus, Konfuzianismus und Taoismus sowie – dem Krieg.

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Den wohl wichtigsten Ursprung findet die chinesische Akrobatik aber im Teehaus. „Das erklärt auch, warum Teller, Stühle, Tische und Schirme – also Alltagsgegenstände – als Requisiten genutzt werden“, sagt Schoregge. Das sei noch heute so, daher gehörten auch keine Tiere in den chinesischen Zirkus.

Stellenwert wie Fußballer in Europa

Die 33 aktiven Akrobaten des Chinesischen Nationalcircus, die in Ludwigsburg zu sehen sein werden, sind allesamt aus Hangzhou, der Hauptstadt der Provinz Zhejiang, die als Talentschmiede gilt. „Artisten haben in China einen Stellenwert wie bei uns Fußballer. Zirkus ist Teil der Hochkultur wie auch die Oper oder das Theater“, erklärt Raoul Schoregge. Deshalb seien die rund 1000 Zirkusgruppen in China staatliche Gruppen, die Akrobaten hätten einen Status vergleichbar mit Diplomaten, so der Produzent.

Thematisch geht es in der etwa zweistündigen Aufführung um die chinesische Sage „Die Reise nach Westen“ aus dem 16. Jahrhundert, in welcher der Affenkönig Buddha aus den Fängen böser Geister befreit, fasst Schoregge zusammen. Die Vorstellungen in der MHP-Arena in Ludwigsburg finden von 3. Januar bis 5. Januar statt. Karten gibt es online unter anderem bei Eventstifter.