Christian von Holst wird 80 Frischer Wind in der Staatsgalerie Stuttgart

Christian von Holst arbeitete von 1975 bis 2006  an der Staatsgalerie Stuttgart. Foto: Lichtgut/Jens Volle/Lichtgut/Jens Volle
Christian von Holst arbeitete von 1975 bis 2006 an der Staatsgalerie Stuttgart. Foto: Lichtgut/Jens Volle/Lichtgut/Jens Volle

Als Direktor ließ Christian von Holst einst einen Unternehmensberater in die Staatsgalerie Stuttgart, der das Museum revolutionierte. Am 19. August wird der ehemalige Chef der Staatsgalerie 80.

Kultur: Adrienne Braun (adr)
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Stuttgart - Wenn man ihn trifft – und er ist häufig im Kulturbetrieb unterwegs –, wirkt er stets wie das blühende Leben. Bei Christian von Holst scheint die Zeit stehen zu bleiben, immer dynamisch und engagiert. Auf seiner Homepage veröffentlicht er regelmäßig, welche Gemälde er gerade erforscht hat. Sein Spezialgebiet ist alles, was mit dem Marbacher Gestüt zu tun hat. Kaum zu glauben, dass Christian von Holst nun 80 Jahre alt wird.

Bis heute wirkt nach, was er als Direktor der Staatsgalerie Stuttgart auf den Weg gebracht hat. Denn als ihm der Chef des McKinsey-Offices in Stuttgart 1997 anbot, eine kostenlose Pro-bono-Studie zur Staatsgalerie durchzuführen, sagte von Holst zu. Während Unternehmensberater oft für Angst und Schrecken sorgt, schlug McKinsey keineswegs Entlassungen und Sparmaßnahmen vor, sondern empfahl die Bedürfnisse des Publikums stärker ins Visier zu nehmen.

Der „Stuttgarter Aufbruch“ hat Museumsgeschichte geschrieben

Heute ist selbstverständlich, was beim „Stuttgarter Aufbruch“ initiiert wurde. Es wurden längere Öffnungszeiten eingeführt und Konzerte und ein „May I help you“-Service ins Leben gerufen, der für Fragen des Publikum bereitsteht. Die Studie machte die Staatsgalerie und ihren Direktor bundesweit bekannt – die Kollegenschaft verfolgte die Innovationen mit großem Interesse.

Von Holst hat den Neubau der Neuen Staatsgalerie begleitet

Geboren wurde von Holst in Danzig, aufgewachsen ist er in Rheinland-Pfalz. Er hat Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften und Archäologie studiert – unter anderem in Florenz, wo er mehrere Jahre wissenschaftlicher Assistent am Kunsthistorischen Institut war. 1975 kam er an die Staatsgalerie Stuttgart und war für das 19.  Jahrhundert tätig – und nebenbei für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Heute wäre das undenkbar, die Öffentlichkeitsarbeit ist eine eigenständige Abteilung in jedem Museum. Seine wichtigste Aufgabe erhielt von Holst, als der Beschluss zum Bau der Neuen Staatsgalerie von James Stirling fiel. Er wurde 1977 Baureferent und begleitete viele Jahre lang die Planungen zur Neuen Staatsgalerie.

Er besitzt ein Archiv mit historischen Ansichten von Stuttgart

Als Kurator widmete er sich der Kunst um 1800, machte Ausstellungen zu Johann Heinrich Dannecker, Joseph Anton Koch oder dem Schwäbischen Klassizismus. Das führte von Holst zu einer besonderen Leidenschaft: Er hat ein großes Archiv mit alten Ansichten von Stuttgart, die er in Museen und der Region fotografiert. So feiert von Holst seinen achtzigsten Geburtstag heute zwar nicht als gebürtiger, aber sehr wohl als passionierter Stuttgarter.




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