Christopher Street Day Eine Pfauendame wirbt für Respekt

Die doppelte Ayse Caliskan als Pfau –   einmal in echt, einmal als Spiegelbild Foto: Frank Eppler
Die doppelte Ayse Caliskan als Pfau – einmal in echt, einmal als Spiegelbild Foto: Frank Eppler

Die Fellbacher Friseurin Ayse Caliskan liebt Glamour und Glanz – und läuft an diesem Samstag im selbst genähten Pfauenkostüm beim Christopher Street Day mit.

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Fellbach - „Wenn ich ein Tier wäre, dann wäre ich ein Pfau“, sagt Ayse Caliskan, die Glamour und Prominenz liebt. Dass sie als Mensch auf die Welt gekommen ist, hindert die kreative Fellbacherin nicht daran, zumindest für einen Tag ins prächtig-schillernde Federkleid eines solchen Vogels zu schlüpfen. Und so marschiert sie an diesem Samstag als Pfau beim Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart mit und wirbt bei der Demonstration für eine bunte und vielfältige Gesellschaft sowie eine rechtliche Gleichstellung lesbischer, schwuler, transsexueller und queerer Menschen.

Das diesjährige Motto „Schaffe, schaffe – bunter werden“ passt aber auch bestens zu Ayse Caliskan: Schließlich bedeutet ihr Nachname „fleißig“ und ihren Friseursalon, den sie seit 20 Jahren im alten Fellbacher Ortskern betreibt, hat die 46-Jährige ganz allein aus dem Boden gestampft. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei anfangs schwer gewesen, berichtet sie: „Ich kannte hier niemand, ich war Luft.“

Mit Sprühkleber und Steckmoos hantiert

Das Pfauen-Outfit hat Ayse Caliskan selbst gemacht – und es hat ihr einiges Kopfzerbrechen bereitet. Rund 120 Federn – „verlorene, keine gerupften, schließlich bin ich Tierfreundin“ – zu befestigen, war eine schwierige Aufgabe. „Ich habe es mit Silikonkleber versucht, aber das klappte nicht. Und mit Sprühkleber hat es auch nicht funktioniert“, erzählt Ayse Caliskan. Zuletzt besorgte sie sich schwarzen Tüllstoff und nähte Feder für Feder darauf. Nun bauscht sich die bunte Pracht fast wie ein Pfauenrad unter der ebenfalls mit Federn besetzten Corsage. Und auf dem Kopf reckt sich ein ganzes Büschel langer Federn steil in die Luft. Diese dort sicher zu befestigen, war ebenfalls keine einfache Aufgabe.

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„Die Statik muss stimmen“, sagt Caliskan – und zieht den Vergleich mit einer langstieligen Blume, die in einer kleinen Vase steht. Die Lösung des Problems hat sie dann tatsächlich auch beim Gärtnerbedarf gefunden und die Federkiele unten einfach in Steckmoos versenkt. Das Arrangement verbirgt sie hinter einem blonden Haardutt – fertig! Der Härtetest für die Statik, der kommt am Samstag beim Marsch durch die Stuttgarter City – auf Pumps mit Stiletto-Absätzen, versteht sich. Ayse Caliskan ist zuversichtlich, dass das gut klappen wird – solange kein Kopfsteinpflaster dazwischen kommt. Gegen 14.30 Uhr startet die Demo der Regenbogen-Community am Erwin-Schöttle-Platz in Heslach und zieht dann über die Tübinger Straße und den Karlsplatz durch die City, wo um 16 Uhr auf der Planie eine Kundgebung folgt.

„Das Wichtigste ist, dass es am Samstag trocken bleibt“, sagt die Pfauendame, die zwar schon öfters beim CSD zugeschaut hat, aber noch nie mitgelaufen ist und findet: „Ebenso wichtig ist, dass wir respektvoll miteinander umgehen, und daran fehlt es leider immer mehr in unserer Gesellschaft.“

Über Ayse Caliskan gibt es einen Film aus der Reihe „Mensch Heimat: Glamour in Fellbach“. Man findet ihn hier in der ARD-Mediathek.




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