CMT in Stuttgart Damit auch das Reisen mit Handicap gelingt

Von Elke Rutschmann 

Auf der Touristikmesse in Stuttgart wird auch ein Rundgang für barrierefreies Reisen angeboten. Der Zulauf ist groß. Auch Rollstuhlfahrer sind Individualisten.

Die Landesbehindertenbeauftragten Stephanie Aeffner (li.) auf der CMT mit Sandra Feld vom  Stand Barrierefrei Erleben Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth Foto:  
Die Landesbehindertenbeauftragten Stephanie Aeffner (li.) auf der CMT mit Sandra Feld vom Stand Barrierefrei Erleben Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Der Ziesel steht für ein außergewöhnliches Fahrerlebnis. Sein kräftiger elektrischer Antrieb und die intuitive Joystick-Steuerung machen die Fahrt mit dem Elektroraupengerät zu einem aufregenden Trip – sei es im Sommer durch tiefe Wasserpfützen oder im Winter durch den Schnee. Fahrspaß ist garantiert – und das ohne Lärm und Abgase.

Mit dem Ziesel können auch Rollstuhlfahrer ins Gelände gehen. Stephanie Aeffner, die Behindertenbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, war bei ihrem Besuch auch der Touristikmesse CMT jedenfalls begeistert von der Geländegängigkeit des Fahrzeugs, das von Schwarzwaldidylle gleich im Eingangsbereich des Messegeländes präsentiert wird. „Mir gefällt auch der inklusive Charakter des Ziesels, weil Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam damit unterwegs sein können“, sagt Aeffner.

Rundgänge ein voller Erfolg

Die Zieseltouren sind der spannende Einstieg für den Rundgang „Barrierefreies Reisen“, der von Tourismusberaterin Julia Marmulla bereits zum zweiten Jahr auf der CMT angeboten wird. Treppen, Teppiche und Schwellen im Bad sind für Menschen mit körperlichen Einschränkungen schon im Alltag unüberwindbare Hürden. Im Urlaub will man sich mit diesem Thema dann nicht auch noch auseinandersetzen. Deshalb wird barrierefreies Reisen ein immer größeres Thema. Die Rundgänge selbst unterstützen den Austausch zwischen Urlaubszielen, Anbietern und den Reisesuchenden und zeigen die Bandbreite an barrierefreien Reisemöglichkeiten.

„Das wird sehr gut angenommen, deswegen werden wir das Format weiter ausbauen“, sagt Marmulla. Um den Besuchern schon vorab die Suche nach den entsprechenden Anbietern zu erleichtern, hat sie eine Broschüre mit zwölf Spezialisierten erstellt, die auf der Homepage der CMT abgerufen werden kann. Dazu zählen unter anderem der Sprachreisenanbieter „Sprachenmarkt“, die Alpenregion Tegernsee Schliersee, ein Reiseveranstalter für rollstuhlgerechte Thailandreisen oder die Pfalz.

Zugang auch zu Attraktionen

Aus Letzterer kommt auch ein Preisträger, der vom Stuttgarter Zentrum Selbstbestimmt Leben mit dem Goldenen Rollstuhl für den Bereich Kultur und Freizeit ausgezeichnet wurde. Die „Pfälzer Feste für Alle“, organisiert vom Tourismusverband Südliche Weinstraße, hat ermöglicht, dass mittlerweile 14 Weinfeste von Menschen mit Behinderung problemlos besucht werden können. Das gilt auch für weitere Attraktionen wie das Hambacher Schloss, den biblische Weinlehrpfad oder eine Wanderung auf den Kirschfelsen. Andreas Kühlwein von Pfalz Touristik hat aber nicht nur Menschen mit Handicap im Blick, wenn es um Barrierefreiheit geht. „Für uns ist es wichtig, dass Urlaub für Alle zum genussvollen Erlebnis wird, und Comfort auch für Menschen mit Rollator oder Familien mit Kinderwagen gewährleistet ist“, sagt Kühlwein.

Konzeption von Fachleuten

Wichtig sei, dass die Konzeption nicht einfach nebenbei, sondern von Menschen mit Fachexpertise gemacht wird. Er erinnert sich an den Fall eines Hotels, das optimal auf die Bedürfnisse von Behinderten umgebaut wurde. „Aber dann wurde der Parkplatz mit Kies ausgelegt – ein No-Go für Rollstuhlfahrer“, sagt er.

Julia Marmulla bemängelt, dass sich oft auch Architekten nicht in die Situation von Rollstuhlfahrern hineinversetzen können, weil dieses Segment bisher im Studium keine Rolle spielt. Stephanie Aeffner sieht die Unterkünfte in Baden-Württemberg in Sachen Barrierefreiheit auf einem guten Weg. Nachholbedarf sieht die Behindertenbeauftragte noch bei den Erlebnissen, die angeboten werden. „Es werden oft Touren ausgewiesen, bei denen man sich schlicht unterfordert fühlt“, sagt sie. Die Anforderungen für Menschen im Rollstuhl seien eben auch sehr individuell: „Ich wünsche mir deshalb generell eine spezifischere Beschreibung von Wanderwegen, sodass man auch als Rollstuhlfahrer einschätzen kann, was für einem möglich ist.“




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