Comic von „Star Trek“-Veteran George Takei Kindheit hinter Stacheldraht

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Amerikaner japanischer Herkunft in Internierungslager gesteckt. Auch die Familie des späteren „Star Trek“-Stars George Takei (Lieutenant Sulu) musste das erdulden. Nun erzählt Takei davon in einem ergreifenden Comic.

Die USA im Jahr 1942: Die Familie Takei wird ins Internierungslager gezwungen. Foto: Cross Cult
Die USA im Jahr 1942: Die Familie Takei wird ins Internierungslager gezwungen. Foto: Cross Cult

Stuttgart - Fast über Nacht waren die Bürgerrechte weg: Als am 7. Dezember 1941 japanische Bomber die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor angriffen, richtete sich die Wut in den USA nicht nur gegen die Truppen des japanischen Kaisers. Alle Einwanderer aus Japan, auch solche, die längst US-Bürger geworden waren, sogar in den Vereinigten Staaten geborene und aufgewachsene Kinder der Neubürger galten nun als potenzielle Spionage- und Sabotagetruppe. In der Folge wurden in den USA lebende Menschen japanischer Herkunft in hastig hochgezogene Internierungslager gesteckt.

Die meisten Amerikaner würden dieses Kapitel ihrer Geschichte gern bequem vergessen. Einer, der seit Jahrzehnten maßgeblich daran beteiligt ist, dieses Vergessen zu durchkreuzen, ist George Takei: einer der Stars der ersten „Star Trek“-TV-Serie. Lange bevor er als Lieutenant Sulu in die unerforschten Weiten des Weltalls aufbrach, saß er als Kind zusammen mit seiner ganzen Familie in mehreren Internierungslagern hintereinander. Davon hat der 1937 in Los Angeles Geborene immer wieder erzählt – aber nun ist das besonders fasslich geworden. Zusammen mit der Zeichnerin Harmony Becker und einem Team erfahrener Comicmacher hat er seine Erinnerungen in die Bildergeschichte „They called us Enemy“ gepackt.

Schrecken als Abenteuer

„They called us Enemy“, der auch in der deutschen Übersetzung so heißen darf, ist ein faszinierender, ergreifender und lehrreicher Comic. Hier gelingt, was so leicht scheitern kann: die Durchmischung ganz privater Erlebnisse und Erinnerungen mit einer faktentreuen Geschichtsstunde. Takei erweckt seine Familie zum Leben, vermittelt uns den Blick eines Kindes, dem der Horror zunächst wie ein prima Abenteuer vorkommt. Das abrupte Herausgerissenwerden aus dem Alltag, der Aufbruch mit wenigen Habseligkeiten, die erste Notunterbringung in den Pferdeställen einer Rennbahn – für den kleinen George und sein noch jüngeres Brüderchen ist das alles eine Art Camping.

Aber die schwarz-weißen Bilderstrecken zeigen eben auch den Stress der Erwachsenen. Und immer wird die große politische Maschinerie des Landes im Blick gehalten, wird miterzählt, wie sich Mal um Mal die Scharfmacher durchsetzen, wie jene, die sich für die Regeln des Rechtsstaats einsetzen, beiseite geschoben oder überschrien werden.

Im Land der Dinosaurier

Erst viel später, gesteht Takei, habe er begriffen, welchen Belastungsproben seine Eltern und ihre Leidensgenossen ausgesetzt waren. Radikale in den Lagern riefen unter dem Eindruck unwürdiger Behandlung, Entrechtung und Enteignung dazu auf, sich tatsächlich als Kämpfer für Japan zu gerieren. Zwischen den Fronten standen Menschen wie Takeis Vater, von dem er sagt: „Er liebte das Land, in dem er seit 25 Jahren lebte.“

Harmony Beckers Bilder zeigen manches klar, manches ein wenig naiv. Das folgt raffiniert der Vorstellungswelt des kleinen George: Flugzeuge, Panzer, Soldaten, Lagerbaracken, das sind eher Spielzeuge für ihn, die Erwachsenen ringsum und erst recht die Kinder dagegen sind klare Persönlichkeiten.

Vielfach engagiert

George Takei hat sich vielfach politisch engagiert. Er ist schon lange eine wichtige Stimme der schwul-lesbischen Gleichberechtigungsbewegung in den USA, und seine Facebook-Seite setzt er wirkungsvoll als reichweitenstarkes Instrument gegen jene kruden Vorstellungen ein, die mit Donald Trump ins Weiße Haus einziehen konnten. Aber „They called us Enemy“ hat trotz der klaren Haltung nie das Plumpe von Agitprop für die gute Sache.

Die vielen Details aus dem Lagerleben halten den Comic lebendig und wahrhaftig. Der Stacheldrahtzaun rund ums Lager etwa bedrückt und beängstigt George nicht. Ein anderer Junge hat ihm erzählt, dort draußen weitab der Städte gebe es noch Dinosaurier. Vor denen fühlt sich George nun durch Draht und Wachtürme geschützt.

George Takei, Harmony Becker u.a.: „They called us Enemy“. Cross Cult, Ludwigsburg. Comic. 208 Seiten, gebunden. 25 Euro. Auch als E-Book, 11.99 Euro.




Unsere Empfehlung für Sie