Cornwall-Expertin Antje Gerstenecker „Als Blogger reist man viel intensiver“

Die Stuttgarter Reisebloggerin Antje Gerstenecker hat den Merian-Reiseführer über Cornwall geschrieben Foto: Gerstenecker
Die Stuttgarter Reisebloggerin Antje Gerstenecker hat den Merian-Reiseführer über Cornwall geschrieben Foto: Gerstenecker

Viele träumen davon, mit Reiseblogs Geld zu verdienen. Antje Gerstenecker hat es als Autorin eines Merian-Reiseführers über Cornwall geschafft. Im Interview gibt sie Tipps, worauf es beim Bloggen ankommt und verrät, wo es am schönsten im Pilcher-Land ist.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Mit Urlaubmachen Geld verdienen – der Beruf des Reisebloggers muss ein Traum sein!
So stellen sich das viele vor. Die Realität ist anders. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Urlaub und einer Recherche-Reise. Ein Urlaub dient der Erholung. Eine Recherche-Reise ist das Gegenteil davon. Man möchte viel von einer Region sehen, Geheimtipps abseits der Touristenpfade aufspüren, mit Menschen ins Gespräch kommen, Fotos machen und dabei einen umfassenden Eindruck von einer Destination bekommen – das alles in kurzer Zeit.
Dann brauchen Sie Urlaub nach einer Recherche-Reise?
Ja, diese Art des Reisens ist sehr anstrengend, hat aber den Vorteil, dass man viel intensiver und neugieriger reist – immer auf der Suche nach neuen Geschichten und Tipps für den Blog.
Wie viel Prozent der Reiseblogger können vom Bloggen leben?
Schwer zu sagen. Ich vermute, dass viele Reiseblogger noch einen anderen Job haben. Ideal ist, wenn man einen Beruf hat, der sich mit dem Bloggen verbinden lässt.
Wie sieht es bei Ihnen aus?
Mit dem Bloggen begann ich, um dieses immer wichtiger werdende Medium besser kennenzulernen. Damit konnte ich meine Leidenschaft fürs Reisen, Schreiben und Fotografieren vereinen und jede Menge lernen. Inzwischen hat sich mein PR-Job und das Bloggen so miteinander verflochten, dass ich es gar nicht mehr trennen kann.
Die Inspirationsquellen für Fernwehgeplagte werden im Netz immer umfangreicher. Was raten Sie Reisefans, die selbst bloggen wollen?
Man muss bereit sein, sehr viel Zeit, Herzblut und auch Geld in dieses Projekt zu stecken. Ideal ist es, wenn man für sich eine Nische findet, denn die Konkurrenz ist groß. So ein Blog muss erst einmal wachsen, bevor man überhaupt ans Geld verdienen denken kann. Wer nur den finanziellen Aspekt sieht, wird damit sicher nicht glücklich.
Was sollte man können, wenn man mit dem Reisebloggen anfangen will?
Es sollte eine Affinität zum Schreiben und Fotografieren vorhanden sein. Dann braucht es ein gewisses technisches Know-how für das Einrichten und Führen des Blogs – zur Not kann man sich das auch einkaufen. Ganz wichtig ist die Vermarktung. Ein Blogger ist verantwortlich für Redaktion, Marketing und Vertrieb seines Blogs. Auch sollte er sich auf Social-Media-Plattformen gut auskennen und gut vernetzt sein.
Von der reinen Bloggerin sind Sie nun sogar zur Autorin eines ­Reiseführers im Merian- Verlag geworden. Warum ist es gerade Cornwall geworden?
Die dramatischen Küsten, die schafübersäten Wiesen, die verschlafenen Fischerdörfer, alte Herrenhäuser, traumhafte Gärten und all die mystischen Orte – diese Kombination in Cornwall ist fantastisch. Nie hätte ich gedacht, dass mich ein Land mit eiskaltem Meer und unberechenbarem Wetter so in seinen Bann ziehen kann.
Ist das Reiseziel Cornwall auch für Menschen empfehlenswert, die bei Pilcher-Filmen immer wegzappen?
Na klar! Man macht sein Reiseziel doch nicht von einem Film abhängig – von der Landschaftskulisse schon eher. Ich kann hier schon mal verraten, dass ich in Cornwall keinen Lord auf einem weißen Pferd am Strand getroffen haben. Ja, noch nicht mal in jedem Herrenhaus wohnt ein Adliger. Aber die Landschaft ist genauso atemberaubend wie in den Filmen – und das ist der Grund, warum man nach Cornwall fährt.
Was sollte man in Cornwall nicht verpassen?
Die Schönheit Cornwalls lernt man am besten kennen, wenn man sich Zeit nimmt. Die kleinen Straßen direkt an den Küsten entlang fährt, den Coast Path entlanggeht, das Spiel der Gezeiten beobachtet und mit den Menschen ins Gespräch kommt.
Als Reiseblogger wird man von Reiseveranstaltern eingeladen. Kann man da noch unabhängig darüber schreiben?
Pressereisen ermöglichen mir, in kurzer Zeit relativ viel von einem Land zu sehen und damit Content für meinen Blog zu bekommen. Allerdings nehme ich so ein Angebot nur an, wenn geklärt ist, dass ich persönlichen Eindrücke ungefiltert schildern kann. Meinen Lesern würde sehr schnell auffallen, wenn ich schwindeln würde – und das wäre fatal für meinen Blog. Im Übrigen gilt für uns dasselbe wie für die Kollegen aus dem Print-Bereich, mit denen wir zusammen auf der jeweiligen Pressereise unterwegs sind: Für uns alle ist es wichtig, glaubwürdig und authentisch über eine Region zu berichten und unseren Lesern durch unsere Tipps und Erfahrungsberichte einen Mehrwert zu bieten.
Wie ist das Verhältnis von Reisebloggern zu den Printkollegen?
Meist ist das Verhältnis sehr gut. Manchmal braucht man aber auch ein dickes Fell. Die Grenzen zwischen den einzelnen Medien verschwimmen zusehends. Es gibt inzwischen viele bloggende Journalisten und auch Blogger, die Artikel für Printmedien schreiben. Viele Tageszeitungen bauen ihr Online-Angebot aus. Aus meiner Sicht bilden die Blogs eine wichtige Bereicherung und Ergänzung der Medienbranche. Die Zeiten, in denen Reiseblogs vor allem ein Urlaubstagebuch für die Lieben daheim waren, sind längst vorbei. Heute gleichen viele Blogs von der Aufmachung einem Online-Magazin und bieten ihren Lesern authentische Berichterstattung und Tipps aus erster Hand. Auch was die Reichweite betrifft, müssen sich viele Blogs heute nicht mehr verstecken.
Wo geht Ihre nächste Reise hin?
Nach Menorca – bevor es im Sommer dann wieder in den Südwesten Englands nach Devon und Cornwall geht.




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