Corona-Demo in Stuttgart Rund 40 Demo-Willige probieren es trotz Verbot

Ein Teilnehmer zeigte auf dem Karlsplatz sein Plakat. Die Polizei sprach  mit den Menschen, die zur verbotenen Corona-Demo gekommen waren – und schickte sie vom Platz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein Teilnehmer zeigte auf dem Karlsplatz sein Plakat. Die Polizei sprach mit den Menschen, die zur verbotenen Corona-Demo gekommen waren – und schickte sie vom Platz. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das war eine Premiere: Erstmals hatte die Stadtverwaltung eine Demo gegen die Corona-Maßnahmen untersagt. Die Polizei kam, um die Einhaltung des Verbots zu überwachen. Ist es ruhig geblieben?

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - „Sollte hier nicht eine Demo stattfinden?“, fragt der Mann und schaut sich am frühen Mittwochabend verunsichert auf dem Karlsplatz um. Er ist extra aus Filderstadt gekommen, um gegen die, so findet er, „überzogenen“ Corona-Maßnahmen zu protestieren. Aber wo sind denn die anderen, fragt er sichtlich enttäuscht.

Die Gleichgesinnten waren an diesem Abend daheim geblieben, denn die Stadtverwaltung hatte eine für Mittwochabend angemeldete Demo im Vorfeld verboten; eine Premiere. Demonstrationen sind zwar auch während des Lockdowns erlaubt. In diesem Fall aber war es bereits die dritte Anmeldung desselben Mannes in Folge gewesen, und bei den vorherigen Veranstaltungen war es zu zahlreichen Auflagenverstößen gekommen, erklärte Albrecht Stadler vom Amt für öffentliche Ordnung.

Abstände und das Maskengebot missachtet

So seien Abstände und das Maskengebot missachtet worden. Die Demo vor einer Woche musste nach etwa einer Stunde aufgelöst werden. Die Stadtverwaltung hatte in diesem Einzelfall nun das Verbot ausgesprochen, da davon auszugehen gewesen war, dass das vorgelegte Hygienekonzept auch beim dritten Mal nicht aufgehen würde. Einer Nachfolge-Anmeldung einer Frau für denselben Zeitraum war die Stadt ebenfalls mit einer Verbotsverfügung begegnet, denn „es war offensichtlich, dass sie in diese Lücke stoßen wollte“, so Albrecht Stadler.

Die Polizei war dennoch vor Ort, mit einem Lautsprecherwagen und „nicht nur einer Einsatzhundertschaft“, wie der Polizeisprecher Stefan Keilbach sich ausdrückte, um das Verbot zu überwachen und notfalls durchzusetzen. Bereits kurz nach 17 Uhr hatten Polizeiwagen den Karlsplatz umstellt, Beamte in Uniform und Zivil patrouillieren hier und auf dem Marktplatz. „Es wäre blauäugig zu denken, dass niemand kommt“, sagte Stefan Keilbach.

Ein Mann muss mit aufs Revier

Er sollte Recht behalten. Allerdings zeigten sich nur wenige Demo-Willige. Eine von ihnen: die Frau, die mit ihrer Anmeldung gescheitert war. An ihrer grünen Jacke trug sie einen „Umarmbar“-Anstecker. Ihr Ansinnen sei lediglich gewesen, mit ihrer Veranstaltung in der Corona-Zeit „Mut und Zuversicht“ zu verbreiten, beteuerte sie. Jetzt, nach dem Verbot, sei sie dennoch gekommen, um jene, die die Absage nicht mitbekommen hätten, in Empfang zu nehmen, ihnen „Trost zu spenden und zu hoffen, dass es nächste Woche klappt“. Ein einzelner Mann ging mit Transparenten auf und ab. Einige wenige versuchten es mit Provokationen. Ein Mann positionierte sich telefonierend neben Polizisten und sinniert dabei lauthals über 5G als Mikrowellenkraft, über ein Regime, Krieg und Bill Gates in sein Handy hinein. Eine Frau tönte auf dem Marktplatz im Weggehen: „Sing mir das Lied von Freiheit.“ In der Zeit zwischen 17 Uhr und 18.30 Uhr registrierten die Beamten laut Polizeibericht rund 40 Personen, die als mögliche Teilnehmer galten.

Die Bilanz des Abends: unauffällig. Nur wenige Einzelpersonen, Duos oder Grüppchen musste die Polizei fortschicken. Einen Mann, ein Mitglied einer Dreiergruppe, nahm die Polizei mit aufs Revier. Laut Stefan Keilbach weigerte er sich vor Ort, sich auszuweisen. Auf dem Revier gab der Mann dann später seine Personalien an, wie die Polizei in einem Bericht zur Corona-Demo mitteilte.




Unsere Empfehlung für Sie