Corona-Infektionen in Baden-Württemberg Gesundheitsämter ringen um Personal – Bundeswehr springt ein

Von red/ dpa/ lsw 

Die Zahl der Neuinfektionen im Land steigt stark. Immer mehr Gesundheitsämter sind bei der Verfolgung von Kontaktketten überfordert. Vielerorts springt deshalb nun die Bundeswehr ein.

Die meisten Soldaten helfen bei der Kontaktverfolgung in Stuttgart aus. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Die meisten Soldaten helfen bei der Kontaktverfolgung in Stuttgart aus. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Stuttgart - Die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg sind zunehmend auf der Suche nach Personal zur Verfolgung von Infektionsketten. Im Land würden daher derzeit verbreitet Mitarbeiter befristet für die Kontaktnachverfolgung eingestellt, teilte ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart auf Anfrage mit. So sollen Arbeitsspitzen durch einen raschen Anstieg von Infektionszahlen bewältigt werden, heißt es.

Bereits jetzt ist es demnach zu Engpässen bei der Kontaktnachverfolgung von Corona-Infizierten durch die Gesundheitsämter gekommen. „In Kreisen mit starkem Anstieg der Fallzahlen oder größeren Ausbruchsgeschehen gelingt die Nachverfolgung nur unter Einsatz aller Kräfte bis hin zu Einsätzen der Bundeswehr“, teilte der Sprecher des Sozialministeriums mit. Zudem sei es möglich, dass „in der Reaktionsphase einige Tage nicht alle Kontaktpersonen nachverfolgt werden können.“

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Grundsätzlich sollen die Gesundheitsämter in Deutschland pro 20 000 Einwohner ein Team von fünf Personen zur Kontaktverfolgung einsetzen. Für Baden-Württemberg ergibt sich daraus ein Bedarf von 2775 Personen oder 555 Teams, wie das Sozialministerium mitteilte. Zuletzt waren laut Ministerium im Südwesten 405 solcher Teams bei den Gesundheitsämtern im Einsatz (Stand: 16.10.). Dass es trotz der vielerorts sehr hohen Infektionszahlen nicht mehr Teams gibt, begründet das Sozialministerium damit, dass der Bedarf in den Gesundheitsämtern an die Infektionslage vor Ort angepasst sei. Somit können in Orten mit wenigen Neuinfektionen auch weniger als fünf Personen pro 20 0000 Einwohner zur Kontaktverfolgung im Einsatz sein.

Die meisten Soldaten helfen in Stuttgart

Probleme bereitet die Personalausstattung der Gesundheitsämter vor allem in den sogenannten Hotspots. So ist etwa das Gesundheitsamt des Landkreises Heilbronn „am Anschlag“, wie Sprecher Manfred Körner sagte. Die Verfolgung der Kontakte von Corona-Infizierten gelinge nicht mehr in allen Fällen zeitnah. Manches werde aus Mangel an Kapazitäten gar nicht mehr nachverfolgt.

Rund 50 Mitarbeiter sind beim Landkreis in der Kontaktverfolgung tätig, seit Kurzem auch Bundeswehrsoldaten. Doch diese müssten erst eingearbeitet werden, auch wenn ihre Hilfe im Prinzip sofort benötigt würde, sagte Körner. Für weitere Unterstützung hat der Landkreis auch Stellen für die Kontaktverfolgung ausgeschrieben. „Es hat sich aber niemand gemeldet“, sagte Körner. Der Job sei schließlich stressig.

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Auch in Stuttgart sind die Infektionszahlen zuletzt stark angestiegen. Das dortige Gesundheitsamt verfügt derzeit über 180 Mitarbeiter für die Kontaktnachverfolgung, 40 davon kommen aus anderen Abteilungen, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. 20 neue Stellen seien zudem bewilligt, die Besetzungsverfahren laufen. Um schnell Abhilfe zu schaffen, ist auch hier die Bundeswehr zur Unterstützung gekommen.

In allen Teilen des Landes unterstützt sie die Behörden vor allem bei der Kontaktnachverfolgung. Nach Angaben des Landeskommandos Baden-Württemberg sind derzeit bereits 112 Kräfte in den Gesundheitsämtern im Land im Einsatz. Die meisten Soldaten helfen in Stuttgart (60), gefolgt von Esslingen mit 15. Im Corona-Testzentrum Balingen und im Gesundheitsamt Hechingen sind fünf Soldaten tätig, die überdies auch Patienten aufklären und Abstriche vornehmen.

Jeweils bis zu zehn Soldaten sind in den Kreisen Enz, Breisgau-Hochschwarzwald, Heilbronn, Reutlingen und Ortenau in ähnlicher Mission unterwegs. Ab sofort und in den kommenden Tagen bekommen folgende Gesundheitsämter Verstärkung: Heidelberg (10 Soldaten), Karlsruhe (10), Heilbronn Stadt (4), Mannheim (30) und der Neckar-Odenwald-Kreis (5). Angefragt haben auch Calw, Ludwigsburg sowie der Main-Tauber- und der Ostalbkreis.

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