Corona-Kontrollen im Rems-Murr-Kreis Gäste und Wirte reagieren positiv

In den meisten Fällen haben Wirte und Personal die Kontrollen begrüßt. Foto: dpa/Marijan Murat
In den meisten Fällen haben Wirte und Personal die Kontrollen begrüßt. Foto: dpa/Marijan Murat

Werden Impfausweise begutachtet? Gibt es ausreichende Hygienekonzepte? Ende vergangener Woche ist die heimische Gastronomie massiv kontrolliert worden. Ein Ergebnis ist viel Verständnis.

Leben: Anja Tröster (aja)
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Fellbach - Zwei Tage lang haben die Städte und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis die Gaststätten verstärkt kontrolliert: Werden Impfausweise wirklich gründlich genug kontrolliert? Gibt es überall ausreichende Hygienekonzepte? Das Gesundheitsministerium hatte zu den Kontrollen aufgerufen, um sowohl Gäste als auch Gastwirte zu sensibilisieren.

Es gab auffallend viel Zustimmung zu den Kontrollen – von allen Seiten

Doch wie es scheint, brauchte es den Anstoß des Ministeriums nichts. In Alfdorf, Kernen, Fellbach, und Weinstadt sind die Reaktionen von Gastwirten wie Gästen positiv gewesen. Susanne Herrmann, Pressesprecherin der Gemeinde Kernen, berichtet von auffallend viel Zustimmung zu der Aktion: „Die Gästen haben einfach ein gutes Gefühl, wenn sie merken, es wird auf die Einhaltung der Bedingungen geachtet.“

Ähnliche Erfahrungen haben auch die Mitarbeiter des Fellbacher Ordnungsamtes gemacht: Es habe wenig „Gebrummel“ gegeben, sagt Sabine Laartz, die Pressesprecherin der Stadt Fellbach. In Kernen waren 17 Betriebe kontrolliert worden, in Fellbach waren es 14 – und dabei wurde nur ein einziger Gast ohne Impfausweis angetroffen. Er war aber in der Lage, sein Zertifikat innerhalb weniger Minuten nachzureichen. In einigen Fällen hätten die Mitarbeiter nicht gewusst, wo sie das Hygienekonzept in schriftlich ausformulierter Form finden. Dann wurde es nachgereicht. Gegeben hat es aber überall eines.

Weinstadt kontrolliert lieber ohne Voranmeldung

Weinstadt ist bei den Kontrollen allerdings einen anderen Weg als die Nachbarkommunen gegangen: Dort setzt man mit dem Gemeindevollzugsdienst „auf unregelmäßige und vor allem unangekündigte Kontrollen“, sagt Pressesprecherin Claudia Leihenseder. Der Lerneffekt sei dann einfach größer, so die Überzeugung. Dennoch macht man auch dort die gleiche Erfahrung wie in Kernen und Fellbach: „Bei unseren unangekündigten Kontrollen stoßen wir in der Regel auf großes Verständnis unter den Gastronomen. In den allermeisten Fällen werden die Regeln der Coronaverordnung eingehalten.“ Bei der Polizei bestätigt man diesen Eindruck der drei Kommunen: Keine einzige Kontrolle im Kreis habe der Unterstützung durch Beamte in Uniform bedurft.

So läuft es in Fellbachs erster Kneipe mit „2 G“

Kontrolliert worden ist auch die Schmiede in Fellbach, die seit zwei Wochen auf das 2-G-Konzept setzt – dort begrüßt man in den Innenräumen also nur noch geimpfte oder genesene Gäste. Franca Bellone-Neumann zieht hochzufrieden Bilanz: Sie würde sich jederzeit wieder für diesen Schritt entscheiden, sagt sie. Zum einen hätten die Gäste sich 2 G gewünscht. Die meisten seien geimpft und würden sich damit sicherer fühlen. „Aber es ist natürlich auch für uns ein Schutz“, sagt sie. Und sofern die Inzidenz niedrig bleibt, kann das Personal ab Donnerstag auf die Maske verzichten. Rund 95 Prozent ihrer Gäste, schätzt sie, unterstützen 2 G. „Und die anderen fünf Prozent – wenn die jetzt wegfallen, dann müssen wir damit halt leben.“

Tatsächlich hatte die Ankündigung von 2 G zunächst im Netz für einen Shitstorm gesorgt: aus den Reihen der 12 000 Mitglieder starken „Kappelberg-Gruppe“ auf Facebook wurde die Schmiede beschimpft. Doch die meisten Kritiker kennt Franca Bellone-Neumann gar nicht. Dieses Erlebnis zeigte ihr: Reaktionen im Netz bilden nicht unbedingt die tatsächliche Stimmungslage abt. Im Gegenteil: Am Wochenende kamen viele neue Gäste, offensichtlich gerade wegen des neuen Konzepts. Weil die Schmiede im Hof ein Zelt hat, können trotzdem selbst jetzt noch Nicht-Geimpfte auf ein Bier vorbei kommen. Bisher gab es auch da nie Probleme. „Und an diesen Gästen orientieren wir uns“, sagt Bellone-Neumann.

Daniel Ohl, Pressesprecher des baden-württembergischen Hotel- und Gaststättenverbandes, wünscht sich dennoch, dass das Land nicht nur Zahlen für Verschärfung nennt, sondern auch Rahmenbedingungen definiert, unter denen ein Ausstieg aus der Pandemie möglich wird. „Normalität ist ja nicht, dass wir alle paar Wochen eine neue Verordnung bekommen, sondern, dass jeder ins Gasthaus kann, wenn er es will.“

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