Corona-Krise in Sachsen Triage-Aussage von Klinikdirektor sorgt für Aufsehen

Die Pressereferentin des Klinikums Oberlausitzer Bergland  sprach von einem „Missverständnis“. (Archivbild) Foto: dpa/Daniel Schäfer
Die Pressereferentin des Klinikums Oberlausitzer Bergland sprach von einem „Missverständnis“. (Archivbild) Foto: dpa/Daniel Schäfer

Nach Aussagen eines Klinikdirektors aus Zittau zur angewandten Triage bei Corona-Patienten gab es bundesweit Aufsehen. Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer widersprach den Äußerungen.

Leipzig - Die Äußerungen eines Klinikdirektors aus Zittau zur angewandten Triage bei Corona-Patienten in seinem Haus sorgen bundesweit für Aufsehen. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) widersprach in der „Bild“-Zeitung (Donnerstag) Berichten, nach denen Personen wegen einer solchen Auswahl verstorben seien. Auf die Frage, ob jemand gestorben sei, weil er nicht versorgt werden konnte, sagte er: „Nein, diese Aussage ist nicht getroffen worden.“ Der Begriff „Triage“ bedeutet, dass Ärzte bei zu knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie vorrangig helfen.

Die Pressereferentin des Klinikums Oberlausitzer Bergland (KOB) sprach von einem „Missverständnis“: Zu keinem Zeitpunkt sei jemand „nicht oder nicht mehr beatmet“ worden.

Hohe Auslastung in den Krankenhäusern

Der Ärztliche Direktor des KOB, Mathias Mengel, hatte zuvor in einem Online-Bürgerforum offenbar berichtet, dass in seinem Krankenhaus aufgrund hoher Auslastung in den vergangenen Tagen schon mehrfach entschieden werden musste, welcher Covid-19-Patient Zugang zu den begrenzt vorhandenen Sauerstoffgeräten erhalte und wer nicht.

Wie die „Sächsische Zeitung“ unter Berufung auf Teilnehmer der Videorunde berichtete, erläuterte Mengel auf Nachfrage, dass es vielfach vor allem um die Entscheidung gegangen sei, welcher Patient für eine Verlegung infrage komme und eine Chance habe, einen Transport von mitunter mehreren hundert Kilometern zu überstehen. Auf Nachfrage wollte sich der Mediziner bislang nicht weiter äußern.

Deutsche Mediziner müssten die Triage bisher nicht anwenden

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, forderte klare Ansagen der Politik. „Es wird bei zunehmender Überfüllung der Intensivstationen immer mehr zu Triage-Entscheidungen kommen - und die wird leider von den Ärzten alleine getroffen werden müssen, weil die Politik uns hier im Stich gelassen hat“, sagte Montgomery der „Rheinischen Post“.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz erklärte dagegen, deutsche Mediziner müssten die Triage bisher nicht anwenden. Es gebe ausreichend medizinische Ressourcen für alle Schwerstkranken, sagte Vorstand Eugen Brysch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Situation ist ernst, aber Vorsicht vor Alarmismus.“

„Wir sind mit mehreren Tausend Pflegekräften im Minus in die Pandemie hineingegangen“

Ähnlich äußerte sich der Intensivmediziner Gernot Marx. Das zentrale Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zeige an, dass es noch in einigen Klinik-Bezirken freie Betten für Beatmungspatienten gebe, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Patienten aus überfüllten Krankenhäusern müssten frühzeitig verlegt werden. Dafür gebe es ein klar abgestimmtes Verlegungskonzept zwischen den Bundesländern. Rollende oder fliegende Intensivstationen sowie der Transport von Schwerkranken seien „absolute Routine“, so der Intensivmediziner von der Uniklinik Aachen.

Hauptproblem sei der Personalmangel in den Kliniken: „Wir sind mit mehreren Tausend Pflegekräften im Minus in die Pandemie hineingegangen“, kritisierte Marx. Mittlerweile seien zudem Ausfälle durch eine „maximale physische und psychische Beanspruchung des Personals“ zu verzeichnen.




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