Die Angst der Geimpften vor der Ansteckung wächst. Dies bekommen Veranstalter zu spüren. Jörg Mink sagt den Castle Rock für Freitag ab. Wie reagiert man bei der Stelp-Gala, dem Christmas Garden und im Friedrichsbau auf die steigenden Inzidenzen?

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - So sehr haben sich die beiden Minks – Vater Jörg und Sohn Jan – darauf gefreut, endlich wieder die Schlossmauern erbeben zu lassen: Ihr Castle Rock in der Solitude-Gastronomie, ein beliebter Treff für Tanzwütige, die aus dem Clubalter meist schon etwas herausgewachsen sind, musste seit 20 Monaten ruhen. An diesem Freitag sollte das Comeback nur mit Geimpften und Genesenen gefeiert werden. Am DJ-Pult wollte Uwe Sontheimer mächtig Gas geben, den man eine Legende des Stuttgarter Partylebens nennt. Der Vorverkauf lief bestens. Die steigenden Infektionszahlen sorgen nun aber für ebenfalls steigende Stornierungen.

Unentwegt gehen Absagen per Mail oder Telefon ein. Die Veranstalter sehen nun keine andere Möglichkeit: Um nicht draufzulegen, rocken sie das Schloss nun doch noch nicht. „Wir hatten schon alles eingekauft“, sagt Jörg Mink enttäuscht, „und extra die 2-G-Regel beschlossen, damit sich alle sicher fühlen.“ Die Angst der Geimpften aber wächst. Als „Entschädigung“ öffnet der Wirt mit seinem Sohn nun am Sonntag um 12 Uhr seine kleine Hütte im Freien, wo es Bratwurst, Suppe und Glühwein geben wird.

Christmas Garden startet wie geplant am Donnerstag

Die Gala am Samstag für die Hilfsorganisation Stelp im Cannstatter Kursaal dagegen findet statt. „Wir haben momentan 17 Absagen aufgrund der Inzidenz-Zunahme“, sagt Veranstalter Serkan Eren. Die Karten kosten um die 300 Euro. „Dies ist ein Argument, trotz der Sorgen zu kommen“, vermutet der Aktivist. Auch hier gilt die 2-G-Regel.

In der Wilhelma sind die Lichtinstallationen komplett aufgebaut. Am Wochenende gibt es einen Testlauf für den Christmas Garden, der am Donnerstag eröffnet wird. „Wir sind im Freien“, sagt Veranstalter Christian Doll, „weshalb es bei uns das Problem mit Absagen nicht gibt.“ Der Vorverkauf liege sogar deutlich über dem der Vorjahre, also „weit über unseren Erwartungen“.

Friedrichsbau ruft Promis dazu auf, „Solidaritätstickets“ zu kaufen

Auch das Friedrichsbau Varieté spürt die wachsenden Sorgen und will mit einem aufwendigen Hygienekonzept diese vermindern. Vorerst wird die Show „Noir – Nächte der 20er Jahre“ nur viermal in der Woche gespielt. Die Premiere soll wie geplant am Freitag der kommenden Woche stattfinden. Intendant Timo Steinhauer freut sich „über Unterstützung der VIPs“. Etliche seien bereit, auf die üblichen Freikarten zu verzichten. Die Promis sind aufgefordert worden, „Solidaritätstickets“ (49 Euro für zwei Personen) zu kaufen – kaum jemand habe dies abgelehnt. Erwartet werden unter anderen OB Frank Nopper und Frau Gudrun Nopper, die „Soko“-Schauspielerin Astrid Fünderich und SWR-Moderatorin Tatjana Geßler.