Corona-Krise Warum Werkstätten trotz der Ansteckungsgefahr öffnen

Von Wiebke Wetschera 

ATU öffnet seine Werkstatt in Filderstadt im Notbetrieb. Auch andere Reparaturbetriebe auf den Fildern arbeiten trotz des Coronavirus weiter – allerdings nicht ohne Schutzmaßnahmen.

Die ATU-Filiale in Bernhausen ist derzeit im Notbetrieb geöffnet. Der Shop bleibt allerdings geschlossen. Foto: Wiebke Wetschera
Die ATU-Filiale in Bernhausen ist derzeit im Notbetrieb geöffnet. Der Shop bleibt allerdings geschlossen. Foto: Wiebke Wetschera

Bernhausen - Sie dürfen noch schaffen, und das machen sie auch. „Die Frage ist nur, wie lange noch“, sagt Jefta Obradovic und seufzt. Gemeinsam mit seinem Sohn führt er seit acht Jahren eine kleine Autowerkstatt in Bernhausen. Trotz der Corona-Pandemie schraubt Familie Obradovic weiter an Fahrzeugen. Die Bundesregierung hat zwar den Verkauf von Autos untersagt, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Gleichzeitig sollen Autofahrer aber weiterhin in der Lage sein, defekte Fahrzeuge reparieren zu lassen. Eine gute Nachricht für die Werkstätten: „Wenn wir nicht mehr arbeiten könnten, dann hätten wir Pech“, sagt der 63-jährige Inhaber.

„Wir wollen die Grundversorgung sicherstellen“, sagt Markus Meißner, Pressesprecher von Auto-Teile-Unger (ATU). Deshalb hat das Unternehmen vor Kurzem einige Werkstätten in ganz Deutschland im Notbetrieb wieder geöffnet – darunter auch die Filiale in Filderstadt-Bernhausen sowie eine weitere in Stuttgart-Wangen. Diese zwei Zweigstellen wurden aufgrund ihrer Lage in Ballungsräumen ausgewählt. Sie sind von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Die zugehörigen Läden bleiben allerdings geschlossen. Zunächst waren alle Werkstätten geschlossen worden, um den Schutz der Mitarbeiter zu gewährleisten. Doch diese Schließung sei von vornherein nur als vorübergehend geplant gewesen, erklärt Meißner.

Sicherheitsrelevante Reparaturen haben Vorrang

Nun schraubt, tüftelt und repariert eine Handvoll Mitarbeiter wieder in der ATU-Werkstatt in Bernhausen. Der Arbeitsalltag ist für sie ein anderer als vor der Corona-Krise. Es sind weniger Mitarbeiter vor Ort. Diese dürfen die Autos der Kunden nur noch mit Handschuhen berühren und sollen regelmäßig ihre Hände desinfizieren. Auch für Kunden ändert der Notbetrieb einiges: Sie dürfen nur noch einzeln in der Werkstatt sein. „Generell haben wir im Notbetrieb für alle Autofahrer geöffnet“, sagt der ATU-Pressesprecher. Vorrang hätten aber sicherheitsrelevante Reparaturen; wie Schäden an Bremsen oder Reifen, ebenso wie bestimmte Berufsgruppen: „Der Notbetrieb richtet sich insbesondere an Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr.“

Bei der Firma Jäger Fahrzeugtechnik in Bernhausen sind derzeit spürbar weniger Kunden in der Werkstatt. „Wir haben unseren ganz normalen Betrieb, haben aber mehr telefonisch zu tun, als dass wir reparieren“, sagt der Werkstattleiter Rolf Lipfert. Normalerweise kämen bei dem derzeit frühlingshaften Wetter viele zum Reifenwechsel oder zur Inspektion. „Da merkt man den Unterschied, denn es kam bisher noch niemand“, so Lipfert. Die drei Mitarbeiter des kleinen Betriebs tragen zum eigenen Schutz Handschuhe und halten Abstand zu den Kunden. „Das ist für uns ganz natürlich; und die Kunden respektieren das auch“, sagt der 56-Jährige.

Wenn kleine betriebe schließen müssen, haben die Inhaber oft ein Problem

Sollte sich der Notbetrieb bei ATU in den bisher geöffneten Filialen bewähren, will das Unternehmen weitere Werkstätten öffnen. „Wir wollen nun erst einmal Erfahrungen sammeln und dann zeitnah entscheiden, wie wir weiter verfahren“, sagt Meißner. In Bernhausen seien bereits am ersten Tag im Notbetrieb zahlreiche Kunden in die Werkstatt gekommen. An den Folgetagen habe sich dieser Trend fortgesetzt.

Jefta Obradovic ist froh, dass er derzeit seinen Familienbetrieb weiter aufrechterhalten kann. Denn die Miete zahle sich nicht von allein. „Alles hängt von dem Betrieb ab. Wenn wir ihn schließen müssen, dann haben wir ein Problem“, sagt er. Noch hat die Werkstatt montags bis freitags geöffnet. Zum Schutz vor dem Virus tragen die Mitarbeiter Handschuhe und halten Abstand. Außerdem hat der Familienbetrieb die Zahlung in der Werkstatt weitestgehend ausgesetzt, die Rechnungen werden nach Hause geschickt. Nach der Arbeit geht es für Obradovic dann direkt mit dem Auto nach Hause. Mit seinen 63 Jahren will er eine Ansteckung mit dem Coronavirus unbedingt vermeiden.