Es brauche Kontrolle und Hilfe, wenn Schnelltests im Eigengebrauch angewendet werden würden, sagt die Tübinger Notärztin Lisa Federle. Etliche Menschen seien von einem positiven Test überfordert.

Seite 3: Christine Keck (kek)

Tübingen - Die Tübinger Ärztin und Pandemiebeauftragte Lisa Federle hat Bedenken bezüglich des Einsatzes von Corona-Schnelltests zum Eigengebrauch. „Man sollte die Tests nicht ohne vorherige Anleitung in die Hände von Laien geben“, sagt Federle im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus Erfahrung wisse sie, dass viele Menschen bei einem positiven Abstrich zunächst überfordert reagierten und womöglich eine Infektion gar nicht melden würden. „Da braucht es eine gewisse Kontrolle und Hilfestellung“, sagt Federle.

Federle: „Den Umgang mit Laientests schulen“

An Teststellen wie es sie in Tübingen, Böblingen oder Reutlingen gibt, könne medizinisches Personal bei Bedarf eingreifen und aufklären. Auf einen positiven Schnelltest müsse unbedingt ein PCR-Test folgen, der Betroffene müsse außerdem umgehend in Quarantäne. Denkbar seien auch groß angelegte Werbekampagnen, um die Menschen im Umgang mit Laientests zu schulen. Noch sind solche Tests für den Hausgebrauch in Deutschland nicht zugelassen, das wird sich allerdings bald ändern. Das Wettrennen der Hersteller um eine Zulassung läuft, Experten rechnen damit, dass spätestens im März die ersten Tests erhältlich sind.

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Tübingen hat für einige Kommunen im Land Schnelltests bestellt

In Tübingen hat Lisa Federle bereits für eine Million Euro Schnelltests bestellt, die nur zwei Zentimeter tief in die Nase eingeführt werden müssen. Ihre Anwendung ist nur durch medizinisches Personal gestattet. „Wir wollten einen guten Preis sichern“, sagt die DRK-Präsidentin des Landkreises, der liege pro Stück bei 4,65 Euro netto. Dank der Unterstützung einer Tübinger Firma, die eine halbe Million Euro als Sicherheit zur Verfügung gestellt habe, hätte sie eine große Charge ordern können. Etliche Kommunen, darunter Nürtingen, Metzingen, Hechingen, Biberach und Friedrichshafen würden damit versorgt werden.

Federle ist als Ratgeberin bundesweit gefragt

„Es kommen täglich Anfragen rein von Städten, die Testzentren aufbauen wollen“, sagt Federle, die seit Ende November auf dem Tübinger Marktplatz kostenlose Corona-Abstriche macht und aufgrund der erfolgreichen Teststrategie bundesweit als Ratgeberin gefragt ist. Die Ärztin, die schon lange eine Ausweitung des Testens für die breite Masse fordert, begrüßt die neueste Initiative von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Ab März will er allen Bürgern kostenlose Schnelltests anbieten.

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