Coronakrise in Stuttgart Festwirte beenden ihren Mini-Wasen vorzeitig

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Die zweite Pandemie-Stufe im Land stoppt den Volksfest-Ersatz: Die Festwirte Sonja Merz und Michael Wilhelmer beenden ihren Mini-Wasen vorzeitig. Der Neckar Käpt’n will abends drei Schiffe gleichzeitig einsetzen für je 50 Gäste.

Die Zeit der Dirndl ist angesichts steigender Coronazahlen in Stuttgart vorbei. Bei der Eröffnung von „Wiesn da oben“ herrschte gute Stimmung auf dem Skybeach. Jetzt ist Schluss. Foto: Lichtgut /Ferdinando Iannone
Die Zeit der Dirndl ist angesichts steigender Coronazahlen in Stuttgart vorbei. Bei der Eröffnung von „Wiesn da oben“ herrschte gute Stimmung auf dem Skybeach. Jetzt ist Schluss. Foto: Lichtgut /Ferdinando Iannone

Stuttgart - „Wir können nicht weitermachen, als wär’ nichts geschehen“, sagt Festwirt Michael Wilhelmer. In normalen Zeiten betreibt er das größte Zelt des Cannstatter Volksfestes. In der Coronakrise hat er mit Hütten und Lauben an drei Standorten Ersatz geschaffen für alle, die gern in Dirndl und Lederhosen feiern. Seinen Mini-Wasen hat er nun aber gestrichen und vorzeitig beendet.

Am Donnerstag – ein Tag davor hat das Land die zweite Warnstufe in der Coronakrise ausgerufen – ist Wilhelmers Team damit beschäftigt, alle Gäste anzurufen, die für den Mini-Wasen reserviert haben. „Wir wollen unsere Gäste noch mehr verteilen als bisher“, sagt der Wirt.

„Die Almhütte dient nicht mehr als Festzelt-Ersatz“

Wird in einer Stadt in Baden-Württemberg binnen sieben Tagen die Zahl von 35 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner überschritten, sind bei privaten Feiern nur noch 25 Personen (daheim) oder 50 Personen (in angemieteten Räumen) erlaubt. Stuttgart liegt über diesem Grenzwert. Wenn Wirte ein kleines Volksfest veranstalten, ist dies keine private Feier. Restaurantbetrieb ist erlaubt, wenn die Hygiene- und Abstandsregeln sowie die Maskenpflicht eingehalten werden. Die Lust auf Dirndl und Lederhose scheint aber angesichts steigender Infektionen zu sinken.

„Bei uns ist das Thema Mini-Wasen beendet“, sagt Festwirtin Sonja Merz. Ihre Almhütte im Schlossgarten sei nicht länger ein „Festzelt-Ersatz“, sondern werde nun als „Restaurantbetrieb mit stimmungsvoller Begleitmusik und Essen nach der Karte“ weitergeführt. Das Volksfest-Angebot ist gestrichen. „Wir müssen in diesen Zeiten alle zusammenstehen“, findet Sonja Merz, „damit wir auch künftig schöne Stunden in geselligen Runden verbringen können.“ Den Gästen will die Wirtin die Angst nehmen, indem sie auf ihre Luftreinigungsanlage hinweist, die nach dem Prinzip von Operationssälen funktioniere.

Skybeach verlängert nicht, wie zunächst geplant

Lothar Müller, der Betreiber des Skybeach, ist von den Plänen abgerückt, seine „Wiesn da oben“ zu verlängern. „Dies liegt aber auch an dem Wetter“, sagt er. Zwar habe er so viele Buchungen, dass er auch noch am kommenden Wochenende weitermachen könne, doch die Zugabe fällt aus. Eines aber steht fest: „Die Leute waren so begeistert, dass wir auch nächste Jahr das Trachtenfest über den Dächern der Stadt veranstalten.“ Im Tempus geht das kleine Volksfest noch bis Sonntag weiter. „Wir stellen aber die Tische noch weiter auseinander und habe weniger als 50 Gäste“, sagt der Betreiber Tim Töpfer.

Neckar Käpt’n nimmt nur 50 Besucher zur Wasenfahrt mit

Der Neckar Käpt’n führt seine Wasenfahrten fort, lässt aber nur noch 50 Personen, wie vorgeschrieben, auf das Schiff. „Wir haben für die meisten der verbleibenden Tage jeweils 150 Anmeldungen“, sagt Betreiber Jens Casper, „und setzen nun jeden Abend drei Schiffe ein, um keinem absagen zu müssen.“ Wirtschaftlich lohnend sei dies aber nicht mehr, erklärt der Neckar Käpt’n-Chef.




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