Coronakrise in Stuttgart Mietstundung führt zu Schuldenberg

Die Markthalle in der Stuttgarter Innnestadt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 3 Bilder
Die Markthalle in der Stuttgarter Innnestadt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Als Überlebenshilfe für Gastronomie und Einzelhandel bietet die Stadt als Vermieterin die zinslose Stundung der Miete an. Betroffene fordern dagegen eine Mietsenkung – vorübergehend und krisenangepasst.

Stuttgart - Nach fünf Wochen kompletter Schließung und absolutem Stillstand versetzt die wieder erlaubte Öffnung auch seines Geschäftes in der Markthalle den Besitzer Martin Benzing noch nicht in Euphorie: „Es läuft nur sehr langsam wieder an, die Kunden machen sich rar“, klagt er. Alles Werben um die Klientel verfange offenbar noch nicht. Und die Atemschutzmasken, die Brillen beschlagen lassen und unter denen es unangenehm heiß wird, verdürben den Spaß am Shopping. So, aber auch überhaupt, ließen sich die fünf Wochen Umsatz-Ausfall und das entgangene Ostergeschäft nie mehr aufholen. Da ergebe die Stundung der Mieten, die Benzing als moderat würdigt, keinen Sinn: „Das ist für uns langfristig keine Lösung, denn wir können nicht Schulden anhäufen, die uns am Ende das Genick brechen“, drückt er das Risiko drastisch aus. Man wisse ja nicht, wie es weitergeht. Mit Corona und der Kauflust der Kunden. Sein Gegenvorschlag: „Faire Mieten“, sagt Benzing und meint damit eine Mietminderung auf Zeit und der Entwicklung angepasst. „Nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand.“

Unklar, wann Restaurants wieder öffnen dürfen

Die gleiche Haltung und Überzeugung vertritt Holger Looß, der als Gastronom in der Markthalle auf eine baldige konkrete Ansage der Landesregierung hofft, wann er seine Lokale wieder öffnen darf: Auf der Empore, in der Loge drüber, im Marktstüble, in der Tapasbar, im Biergarten draußen und in der Austernbar. Mit alles in allem mehr als 400 Plätzen, die immer noch leer bleiben müssen. „Wir haben schon vor der Schließung im März einen Riesenverlust gemacht, weil die Gäste aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus lieber zu Hause geblieben sind. Das war ja verständlich“, sagt Looß, der unter anderem auch mit seiner Messegastronomie vom Totalausfall betroffen ist. Er hat Soforthilfe beantragt und die Höchstsumme von 30 000 Euro bei seinen 50 festangestellten Mitarbeitern neben 50 Aushilfen auch anstandslos bekommen: „Das hat toll geklappt, aber es ist natürlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.“ Eine Stundung der Miete wäre für ihn eine „Hypothek auf die Zukunft, wenn die Schulden auf die normale Miete noch draufkommen“. Daher plädiert er eindringlich für eine „solidarische Lösung und ein Entgegenkommen des Vermieters“.

Corona zwingt zum Verhandeln ums Überleben

Unterstützung kommt von der CDU-Gemeinderatsfraktion, die Vorschläge für ein Hilfspaket für Handel und die Gastronomie vorlegt und in ihrem Antrag eine Mietstundung auch als „nicht ausreichend“ bezeichnet: „Man sollte die Möglichkeiten von coronabedingten, daher temporären Mietanpassungen im Sinne der Senkung von Mietzinsen prüfen“, heißt es.

Egal, wer der Vermieter ist, Stadt, Land, Banken, Konzerne oder private Immobilienbesitzer: Corona zwingt Handel und Gastronomie zum Verhandeln ums Überleben. „Wir wollten schnell helfen, darum zahlen beide Unternehmer derzeit keine Miete“, sagt Thomas Lehmann, Geschäftsführer von Märkte Stuttgart, das als städtisches Unternehmen hier als Vermieter auftritt. Man dürfe, betont er, nicht vorschnell handeln und müsse sehen, wie sich die Umsätze entwickeln und ob der Juni besser läuft. Aber Lehmann signalisiert auch Offenheit: „Ich kann mich in die Situation der Betroffenen reinfühlen und wir wollen langfristige Mieter wie Merz & Benzing und Gastronomie Looß auf jeden Fall erhalten. Entschieden werde daher „am Ende des Tages“.




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