Der Rems-Murr-Kreis hat die 500er-Inzidenz und damit die Einstufung zum Corona-Hotspot fast erreicht. Polizei und Ordnungsbehörden kündigen Schwerpunktkontrollen an.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Rems-Murr-Kreis - Am Freitag ist die Zahl zwar noch einmal leicht zurückgegangen, doch der Trend der letzten Tage geht deutlich in Richtung der nächsten kritischen Marke. Reißt der Rems-Murr-Kreis an zwei Tagen hintereinander die 500 bei der Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen, drohen für Nichtgeimpfte weitere, einschneidende Beschränkungen. Eine davon ist ein nächtliches Ausgangsverbot.

Spagat in Kliniken und Arztpraxen

Im erweiterten Krisenstab des Landkreises, dem neben dem Landratsamt auch Vertreter von Kommunen, Ärzteschaft, Polizei und Schulen angehören, ist man angesichts der Rekord-Infektionszahlen und der anhaltenden Überlastung des Gesundheitswesens höchst alarmiert. „Der Spagat zwischen der Versorgung von Coronapatienten und anderen Notfällen belastet die Rems-Murr-Kliniken derzeit enorm“, sagt der Landrat Richard Sigel. Die Kliniken haben sich deshalb nicht nur entschieden, planbare, weniger dringende Behandlungen zu verschieben, sondern von Samstag an auch einen Stopp für Besucher angeordnet.

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Auch der Pandemiebeauftragte der Kreisärzteschaften, Jens Steinat, spricht von einem Spagat zwischen Impfkampagne und Regelversorgung, welcher die Arztpraxen schwer belaste. „Zudem erschweren die insuffizienten und ständig wechselnden politischen Entscheidungen und Vorgaben unsere Arbeit deutlich“, so Steinat.

Impfen ist das eine Rezept, mit dem man im Rems-Murr-Kreis dem rasanten Ausbreiten der Pandemie begegnen will, Abstand das andere: Und so appellieren die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und der Welzheimer Bürgermeister Thomas Bernlöhr als Vertreter der Städte und Gemeinden im Krisenstab an die Bevölkerung. „Seien Sie bitte in der Adventszeit umsichtig und reduzieren Sie, wann immer es möglich ist, Ihre Kontakte.“

Polizei und Kommunen kündigen Kontrollen an

Neben dem Appell an die Vernunft will man aber auch auf die Einhaltung der neuen Coronaverordnung überwachen: Schwerpunktkontrollen sind angekündigt. „Nur durch strikte Einhaltung der Vorgaben in der Coronaverordnung können die erlassenen Schutzmaßnahmen ihre Wirkung entfalten“, heißt es dazu auf Nachfrage aus dem Polizeipräsidium Aalen. Zwar sei der Infektionsschutz eine originäre Aufgaben der Ortspolizeibehörden, dennoch werde man in den nächsten Wochen verstärkt die Einhaltung im öffentlichen Raum überwachen, dabei auch den öffentlichen Nahverkehr mit einbeziehen und in Einzelfällen Kontrollen anderer Behörden unterstützen. Etwaig festgestellte Verstöße würden „niederschwellig und konsequent“ geahndet, so ein Polizeisprecher. Gleichwohl könnten Kontrollen nur stichprobenartig, nicht lückenlos durchgeführt werden.

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Das wird auch seitens der Kommunen betont. Der Gemeindevollzugsdienst kontrolliere schon jetzt immer wieder unangekündigt Gastronomie, Handel und Veranstaltungen, sagt eine Sprecherin der Stadt Weinstadt. Das werde fortgeführt, doch viel mehr könne man personell nicht leisten. Der Vollzugsdienst sei darauf eingestellt, auch Kontrollen der Ausgangssperre im Rahmen des Streifendienstes vorzunehmen, sagt der Waiblinger Ordnungsamtsleiter Oliver Conradt. Wie sein Fellbacher Kollege Peter Bigalk räumt er aber auch ein, dass ein selektiver Lockdown vermutlich nicht einfach zu überwachen sei. Um darüber eine Aussage treffen zu können, fehlten aber schlicht die Erfahrungswerte, sagt der kommissarische Schorndorfer Ordnungsamtschef Joern Rieg.

Einschlägige Erfahrungen im Ostalbkreis

Erste einschlägige Erfahrungen hat man hingegen im Ostalbkreis bereits gemacht. Dort gelten seit Montag aufgrund von Inzidenzwerten jenseits der 500er-Marke nächtliche Ausgangsbeschränkungen für Nichtgeimpfte. Verstöße dagegen seien bisher nur vereinzelt festgestellt worden, sagt ein Sprecher des auch für diesen Kreis zuständigen Polizeipräsidiums Aalen. Ein Zeichen für Akzeptanz muss das freilich nicht sein: „Die geringe Anzahl der Verstöße ist in Anbetracht der Mengenverhältnisse immunisiert/nicht immunisiert erwartbar“, so der Polizeisprecher. Im Rems-Murr-Kreis könnte es frühestens am Montag so weit sein. Voraussetzung wäre, dass die Inzidenzwerte am Samstag und Sonntag die 500er-Marke erreichen.

Coronalage und -aussichten im Rems-Murr-Kreis

Inzidenz
 Nachdem die Sieben-Tages-Inzidenz im Rems-Murr-Kreis am Donnerstag mit 495 einen Rekordwert erreicht hatte, ist sie am Freitag um fünf Punkte auf 490 leicht gesunken. Weil die landesweite Hospitalisierungsinzidenz bei einem Wert von 6,3 liegt und 542 Infizierte auf Intensivstationen versorgt werden müssen, ist die Alarmstufe II erreicht und es gelten die Regelungen der verschärften Corona-Verordnung.

Hotspot
 Bei einer Inzidenz von mindestens 500 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in der Alarmstufe II (das Wochenende zählt mit), treten laut Coronaverordnung weitere Maßnahmen in Kraft. Nicht-immunisierten Kunden ist der Zutritt zu Betrieben des Einzelhandels und zu Märkten, mit Ausnahme der Grundversorgung, nicht gestattet. Für nicht immunisierte Personen gibt es Ausgangsbeschränkungen von 21 bis 5 Uhr.

Kliniken
 In den Rems-Murr-Kliniken werden zurzeit 67 Patienten mit oder wegen einer Coronainfektion stationär behandelt. 18 davon müssen auf einer Intensivstation versorgt, 17 künstlich beatmet werden. Laut Angaben der Kliniken kommen täglich neue Corona-Patienten hinzu, darunter seien auch jüngere Menschen – auf der Intensivstation landeten fast ausschließlich ungeimpfte Personen.