Coronaregeln in Stuttgart Shitstorm von Impfgegnern gegen Besenwirte ist unangemessen

Beim Weintrinken gibt’s keinen Freifahrschein für Ungeimpfte Foto: Horst/Rudel
Beim Weintrinken gibt’s keinen Freifahrschein für Ungeimpfte Foto: Horst/Rudel

Die Impfgegner schießen immer wieder über das Ziel hinaus: Gastronomen, die nur Genesene und Geimpfte in ihr Lokal lassen, tun dies mit gutem Recht, findet unsere Autorin.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Stuttgart - Elsbeth und Winfried Koch haben ihre Entscheidung längst zurückgenommen. Der im Internet und über E-Mails über sie hereingebrochene Sturm der Empörung hat die beiden Stuttgarter Besenwirte völlig verunsichert. Wenn sie das nächste Mal öffnen, werden sie nicht nur geimpfte und genesene Gäste empfangen, sondern auch solche mit tagesaktuellem, negativem Antigen-Schnelltest.Die Idee, zum Schutz vor einer Corona-Infektion im Herbst den Zugang zu ihrer Gaststätte auf diesen Personenkreis zu beschränken, brachte ihnen viele bitterböse Kommentare ein. Lob für ihren Mut und Danksagungen für ihren Schritt gibt es allerdings auch zwischen den Beschimpfungen.

Über den Türsteher hat sich auch niemand beschwert

Auch wenn so mancher diese extremen Reaktionen vorhersehbar finden mag, sie sind dennoch befremdlich. Über den Türsteher vor der Diskothek hat sich früher höchstens derjenige aufgeregt, der wegen unpassender Kleidung draußen bleiben musste. Die Rechtmäßigkeit seines Tuns zweifelte niemand an. Es ist sein gutes Hausrecht, sich seine Gäste aussuchen zu können. Der Gastronom darf dabei nur nicht gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz – auch Antidiskriminierungsgesetz genannt – verstoßen. Es schützt vor „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität“. Aber es stellt keinen Freifahrschein dar für Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen. Anders sieht es nur bei Personen aus, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, oder bei Kindern und Jugendlichen. Aber für sie gelten die Regeln auch nicht.

In der Anonymität verlieren viele ihren Anstand

Eine große Mehrheit in Deutschland befürwortet schließlich die Corona-Impfung: Während 79 Prozent positiv eingestellt sind, lehnen nur vier Prozent diesen Nadelstich laut einer Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ab. In den sozialen Netzwerken scheint das Verhältnis genau umgedreht zu sein. In der Anonymität und mangels Konsequenzen werden dort oft jegliche Umgangsformen missachtet. Diese Art von missverstandener Meinungsfreiheit schränkt die Freiheit anderer Menschen ein.

Weil das Wirtspaar Elsbeth und Winfried Koch zwischenzeitlich vor allem in den sozialen Medien von Impfgegnern mit Kritik verfolgt und ihr Lokal bei den Bewertungen der Suchmaschine Google mit offensichtlich nicht gerechtfertigter Kritik gezielt abgewertet wird, hat sich die Redaktion entschlossen, den dazu gehörigen Artikel aus den sozialen Medien herauszunehmen. Er bleibt allerdings auf der Homepage verfügbar, weil er sachlich unverändert richtig ist.

Wer sich nicht impfen lässt, muss mit den Konsequenzen leben

In einer Pandemie müssten eigentlich alle daran interessiert sein, dass sich das Leben wieder normalisiert. Je mehr geimpft sind, desto schneller lässt sich dieses Ziel erreichen, zeigt die aktuelle Entwicklung. Und wer sich nicht impfen lassen will, muss die Konsequenzen dieser Entscheidung tragen. Die Besenwirte waren nur Vorreiter. Dass die Gesellschaft die Kosten dieser Haltung nicht ewig tragen wird, hat die Politik ebenfalls deutlich gemacht, indem Impfunwillige bald für ihre Zugangsberechtigung zu öffentlichen Gaststätten oder Veranstaltungen in Form der Coronatests bezahlen müssen.




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