Coronavirus auf den Fildern Beim Impfen wird auf lokale Aktionen gesetzt

Impfschlange in Stuttgart: So sieht es derzeit an vielen Orten aus. Gibt es zu wenige Kapazitäten? Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner
Impfschlange in Stuttgart: So sieht es derzeit an vielen Orten aus. Gibt es zu wenige Kapazitäten? Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner

Einerseits die niedrige Impfquote, anderseits überall Schlangen. Macht nun das Kreisimpfzentrum an der Messe auf den Fildern wieder auf? Nein, die Strategie ist eine andere.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Filder/Esslingen - Impfen, Impfen, Impfen. Es ist Thema Nummer eins in Zeiten, in denen die 7-Tage-Inzidenz so hoch ist wie nie. Der Fokus richtet sich auf die niedrige Impfquote von unter 70 Prozent in Deutschland. Um die Welle zu brechen, hatten Wissenschaftler dargelegt, müssten täglich zwei Prozent der Bevölkerung geimpft werden. Auf den ersten Blick will das nicht zu den Schlangen passen, die sich vor Impfbussen und Impfaktionen bilden. Zuletzt stand der Andrang zur Debatte in Leinfelden-Echterdingen. Wie können Kommunen zum Impftempo beitragen? Kommt das Impfenzentrum an der Messe zurück? Wo wird man geimpft auf den Fildern?

Wird das Impfzentrum wiedereröffnet?

Das Kreisimpfenzentrum an der Landesmesse hat Ende September seine Zelte nach neun Monaten abgebrochen. War das angesichts der Warteschlangen allerorten klug? Die Kreisimpfzentren habe der Landkreis Esslingen im Auftrag des Landes organisiert, sagt Andrea Wangner, Sprecherin des Landratsamts. „Zurzeit ist eine Wiedereröffnung nicht vorgesehen.“ Man setzt auf Dezentralität: „Impfen in der Ärzteschaft und kommunal organisierte Impfaktionen“, wie Wangner sagt. Zudem habe der Landkreis das Konzept eines flächendeckenden Impfnetzwerks entwickelt. „Dazu wurden vom Land Baden-Württemberg weitere mobile Impfteams bewilligt“, sagt sie. „Mehrere regelmäßig besetzte Impfstützpunkte werden ab der kommenden Woche folgen.“ Derzeit liefen die letzten Planungen und Abstimmungen.

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„Die Kreisimpfenzentren helfen uns an dieser Stelle nicht weiter“, sagt auch Wolfgang Miller. Der Steinenbronner Mediziner hat eine Facharztpraxis in Echterdingen und ist zudem Präsident der Landesärztekammer. Es würde seiner Meinung nach zu lange dauern, bis die Infrastruktur erneut steht. Zum anderen hätten lokale Angebote Vorteile. Er denkt dabei auch an eine Impfaktion kürzlich in Steinenbronn, bei der ein Hausarzt im Bürgerhaus 400 Dosen an einem Wochenende verimpft habe. „Ich glaube, dass wir so, wie wir es jetzt machen, schneller sind. Ohne generalstabsmäßige Planung.“

Wo kann man sich aktuell auf den Fildern impfen lassen?

In jedem Fall kann man bei seinem Hausarzt oder bei Fachärzten anfragen. In der Echterdinger Unfallpraxis von Wolfgang Miller wurden beispielsweise vergangene Woche 150 Menschen geimpft. Er habe derzeit zwei Tage dafür geblockt. Es kann aber sein, dass Impfwillige bei niedergelassenen Ärzten auf einen Termin warten müssen. Eine Alternative sind Impfbusse und mobile Angebote. Derzeit ist das mobile Impfteam donnerstags im Walter-Schweitzer-Kulturforum in Echterdingen, Schimmelwiesenstraße 18. Es immunisiert von 12.30 bis 18 Uhr. Am 4. Dezember wird am Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium in Echterdingen von 14 bis 18 Uhr geimpft. Filderstadt ist immer freitags (12.30 bis 18 Uhr) dran, geimpft wird in der Filharmonie in Bernhausen. Weitere Infos zu aktuellen Impfmöglichkeiten finden sich zudem unter www.landkreis-esslingen.de, aber auch unter www.filderstadt.de sowie www.leinfelden-echterdingen.de. Auf der Seite des Landkreises findet sich der aktuelle Fahrplan des Impfbusses. Vom 17. bis 19. Dezember wollen die Malteser ein 24-Stunden-Impfen an der Messe anbieten. Die Spritze bekäme man dann ohne Anmeldung, noch ist es aber nicht letztlich beschlossen, wie die Malteser mitteilen.

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In den Stuttgarter Filderbezirken wird ab dem 4. Dezember in der Schwabengalerie in sieben Impfkabinen täglich von 10 bis 17 Uhr ohne Termin geimpft. In Degerloch wird montags (9 bis 12 Uhr) und donnerstags (15 bis 18 Uhr) im Bezirksamt, Große Falterstraße 2, ohne Termin geimpft. Immunisiert wird im Atrium Sillenbuch, Gorch-Fock-Straße 30, am 4., 11., 18. Dezember von 8 bis 18 Uhr. Am 20. und 21. Dezember wird im Trauraum des Bezirksamts Sillenbuch, Aixheimer Straße 28, von 8 bis 18 Uhr geimpft.

Der Landkreis Böblingen, zu dem Waldenbuch und Steinenbronn gehören, hat einen Impfstützpunkt an der Messe Sindelfingen. Auf www.lrabb.de kommt man an einen Termin. Wer in Waldenbuch und Steinenbronn wohnt, muss ansonsten auf Aktionen hoffen oder einen Arzt fragen. Im Kreis seien aktuell nur zwei Impfteams unterwegs, man fordere dringend weitere Unterstützung, wie Simone Hotz, die Sprecherin, sagt.

Wie dominant ist das Thema Impfen derzeit bei niedergelassenen Ärzten?

Vergangene Woche habe es im Land Baden-Württemberg 500 000 Impfungen durch Praxen gegeben, 250 000 durch mobile Teams sowie kleinere Aktionen, alles in allem könne man von rund 800 000 Impfungen ausgehen, sagt der Präsident der Landesärztekammer, Wolfgang Miller. Damit sei das Ziel, das man sich fürs Land gesteckt habe, greifbar, sagt er: 3,5 Millionen Booster-Impfungen bis Ende 2021. Corona komme für viele oben drauf, im Winter gebe es ja auch normale Infekte.

Werden Impfbusse und mobile Impfteams als Erfolge eingestuft?

In Baden-Württemberg gibt es derzeit 155 mobile Impfteams, im Kreis Esslingen zehn. Zudem fährt ein Impfbus durch den Kreis und damit auch über die Fildern. Der Bus sei „eines der wenigen zusätzlichen Angebote nach der Schließung der Kreisimpfzentren“, sagt Wangner, Sprecherin des Kreises. „Gerade der große Ansturm auf den Impfbus als wohnortnahes und niederschwelliges Angebot zeigt uns, dass sich dieses bewährt hat.“ Die Warteschlangen werden folglich nicht als Zeichen für einen Kapazitätsmangel interpretiert, sondern als Beweis, dass wohnortnahes Impfen funktioniert.

Was können Kommunen tun?

„Neben den Angeboten des Landkreises, die in Zusammenarbeit mit den Kommunen konzipiert wurden, begrüßen wir jede Eigeninitiative von Kommunen“, sagt Andrea Wangner. „Hier sind schon mehrere Städte und Gemeinden in Eigenregie unterwegs.“ Beispielsweise Holzmaden. Dort hat der Bürgermeister mit einem Unternehmer „Holzmaden hebt die Quote“ ins Leben gerufen; im Feuerwehrhaus wird im Minutentakt geimpft – und zwar nicht nur Einwohner.

In Leinfelden-Echterdingen sollten bestenfalls 800 Dosen die Woche verimpft werden, sagt Carl-Gustav Kalbfell, der Sozialbürgermeister. Am Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasium sei deshalb ein zusätzliches Angebot geschaffen worden. Die Ärzte, aber auch Mitarbeiterinnen der Stadt würden das in ihrer Freizeit machen, sagt er. Derzeit bemühe sich zudem der Schwabengarten in Leinfelden, ein Impfzentrum einzurichten. „Das unterstützen wir als Stadt natürlich.“




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