Coronavirus bremst Studienbetrieb Die Hochschulen stellen sich auf ein digitales Semester ein

Volle Hörsäle verbieten sich während der Coronaepidemie. Foto: picture alliance/dpa/Thomas Frey
Volle Hörsäle verbieten sich während der Coronaepidemie. Foto: picture alliance/dpa/Thomas Frey

Die Universitäten und Fachhochschulen in Baden-Württemberg verlagern ihre Vorlesungen und Seminare im Sommersemester zunehmend ins Netz. Doch mit den Prüfungen kann das schwierig werden.

Landespolitik: Renate Allgöwer (ral)
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Stuttgart - Die Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg bereiten sich darauf vor, dass das Sommersemester weitgehend digital verlaufen kann. Zwar ist bisher vorgesehen, dass am 20. April der Studienbetrieb wieder aufgenommen wird, doch die Rektoren der neun Landesuniversitäten und der 23 Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW, früher Fachhochschulen) wollen sicherstellen, dass die Studenten das Semester nicht verlieren, sollte die Coronakrise weitere Einschränkungen notwendig machen.

Ministerin will Nachteile für Studierende vermeiden

Die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) befürwortet das Vorgehen. Sie sagte unserer Zeitung: „Das Sommersemester darf kein verlorenes Semester für die jungen Menschen werden. Wir wollen, dass unsere Hochschulen so weit wie möglich auf virtuelle Formate umstellen und neue Wege beschreiten für den Studienbetrieb.“ Das Land werde die Hochschulen „dabei nach Kräften unterstützen und die rechtlichen Spielräume nutzen.“ Zu den Details sei ihr Ministerium mit den Hochschulen im Gespräch. Es werde „von allen Flexibilität gefordert sein“. Im Ziel seien sich Ministerium und Hochschulen einig: „Wir wollen so weit wie möglich Nachteile für die Studierenden vermeiden.“

Bei den HAW-Studierenden könnte sich der Abschluss um ein ganzes Jahr verzögern, sollte ein Semester ausfallen. Die Absolventen würden dem Arbeitsmarkt sehr verspätet zur Verfügung stehen, „Das wollen wir unbedingt vermeiden“, betont Bastian Kaiser, der Vorsitzende der Rektorenkonferenz der HAW. So viele Präsenzveranstaltungen wie möglich sollen durch digitale Formate ersetzt werden. Man werde die Angebote ausbauen. Kaiser betont jedoch, es handle sich um „befristete Sondermaßnahmen“, durch die „das Gesamtniveau nicht verwässert werden darf“.

Task Force berät über Prüfungsverfahren

Auch die Universitäten kündigen wegen Corona an: „Sofern ab dem 20. April kein Regelbetrieb stattfinden kann, wird ein größerer Teil der Studienleistungen digital erbracht werden können.“

So stattet die Uni Hohenheim ihre Hörsäle mit der Technik für Videoaufzeichnungen aus, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) will den Studenten Lehrinhalte mit Screenrecordings zur Verfügung stellen, die Uni Heidelberg stellt Kurse und Workshops zu den Themen E-Learning, Online-Seminar und Webkonferenzen auf die Beine.

Niveau soll gehalten werden

Offen ist jedoch, wie die Prüfungen abgenommen werden. Im Juli wäre planmäßig der Prüfungszeitraum für das Sommersemester. Die Justiziarin der Rektorenkonferenz der HAW prüft nach Angaben eines Sprechers, ob Präsenzprüfungen rechtssicher ins Netz verlegt werden können. Zusammen mit dem Ministerium klären Unis und Fachhochschulen in einer „Task Force Studienbetrieb“, wie mit den Prüfungen verfahren werden soll.

Die Unis sehen das Land in der Pflicht. Die digitale Ausstattung sei der Situation nicht gewachsen. Das Land müsse die strengen Beschaffungsvorgaben lockern und Unterstützung leisten– auch für die Schnellkurse in denen Hochschullehrer für die digitale Lehr fit gemacht werden.

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