Coronavirus im Rems-Murr-Kreis So lief die erste Online-Weinprobe der Remstalkellerei

Von  

Die Remstalkellerei in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) hat zur ersten Online-Weinprobe geladen. Die Premiere überzeugt mit gelungenen Weinen und guter Moderation – und ist eine willkommene Abwechslung.

Helen Schmalzried und Peter Jung führen durch die etwas andere Weinprobe. Foto:  
Helen Schmalzried und Peter Jung führen durch die etwas andere Weinprobe. Foto:  

Weinstadt - Zugegeben: das heimische Wohnzimmer kann ambientemäßig nicht mithalten mit einem Holzfasskeller. Aber so eine Weinprobe in den eigenen vier Wänden hat auch ihre Vorteile. Man muss sich keine Gedanken über die Heimreise machen, „und ich bin schon ein bisschen neidisch, dass ihr auf der Couch sitzen könnt“, sagt Peter Jung.

Am Freitagabend geht der Geschäftsführer der Remstalkellerei mit Weinpavillon-Leiterin Helen Schmalzried auf Sendung. Das erste Live-Tasting der Remstalkellerei findet unter der Erde statt, mitten zwischen den Holzfässern. Es wird über Facebook, Instagram und die Homepage der Kellerei ausgestrahlt. Über verschiedene Kanäle können die Zuschauer mit den Machern kommunizieren ohne gegen das Corona-Kontaktverbot zu verstoßen.

Die Remstalkellerei geht von 500 Live-Tasting-Teilnehmern aus

Die Probe soll einen Querschnitt durchs Sortiment bieten und erfreut sich eines riesigen Zuspruchs: „Wir rechnen mit 500 Leuten. Das ist eine tolle Resonanz“, sagt Peter Jung und Helen Schmalzried öffnet die erste Flasche, einen Chardonnay Secco. Ob wir den Perlwein mittrinken können, steht bis zum Spätnachmittag in den Sternen: Das Paket mit den Weinen kommt nicht rechtzeitig an.

Also schnell zur Last-Minute-Direktabholung bei der Kellerei. Zeit für eine professionelle Vorbereitung gibt es also nicht, statt der im Leitfaden vorgeschlagenen Leckereien wie dem lauwarmen Spargelsalat steht nur eine Vesperplatte auf dem Tisch. Immerhin: „Trockenes Brot ist das Beste“, sagt Helen Schmalzried. Damit können wir dienen. Also: sehr zum Wohle!

Von neu interpretiertem TL bis zum Dornfelder Rosé namens Vorspiel

Ein Zuschauer will sich mit dem kommentarlosen Anstoßen nicht zufrieden geben – Trinksprüche werden via Chat gefordert. Damit kann Helen Schmalzried dienen: „Alte Weine, junge Weiber, sind die besten Zeitvertreiber“, sagt sie und lacht. Zwei Stunden lang führen die Weinprofis gekonnt durch diese Premiere, vermitteln Wissenswertes, gehen auf die Fragen ein und haben sichtlich Spaß. Es ist ihnen überhaupt nicht anzumerken, dass sie vor leeren Stühlen moderieren.

Wir lernen, dass die Kellerei den Trollinger mit Lemberger weiß gekeltert hat und damit das schwäbische Nationalgetränk neu interpretiert. Dass der Gewürztraminer im Trend liegt und gut zu Wasabinüssen passt (wir bleiben beim Brot). Dass der Dornfelder Rosé Vorspiel heißt, weil er der erste Wein aus dem Jahrgang 2019 ist, der in die Vermarktung gegangen ist. „Warum er sich um den Valentinstag so gut verkauft hat, entzieht sich meiner Kenntnis“ sagt Peter Jung und grinst. Auf jeden Fall sei es ein Roséwein, der Spaß macht. Finden wir auch – zumal die kräftige Farbe ein echter Hingucker ist.

Die Remstalkellerei kündigt eine weitere Auflage des Live-Tastings an

Zwischendurch mischt sich immer wieder eine Stimme aus dem Off ein – Kameramann Freddi liest die Fragen der Zuschauer vor, betreut die Technik und trägt zur Dynamik des Geschehens bei. Dass bei uns am Schluss die Lichter ausgehen, dafür können weder Freddi noch die Weine etwas – wir hätten vielleicht zwischendurch mal den Akkustand des Laptops überprüfen sollen. Egal, der letzte Wein ist bereits im Glas, ein kräftiger Merlot: Ein würdiger Abschluss für die gelungene Umsetzung einer spontanen Idee.

Veranstaltungstipp: Die Online-Weinprobe soll wiederholt werden. Am 17. April werden unter dem Motto „Terrassenhits“ leichte, sommerliche Weine vorgestellt und verkostet.