Coronavirus und Olympische Spiele Fährt Franziska Brauße bald virtuelle Radrennen?

Von Jochen Klingovsky 

Die Bahnradsportlerin Franziska Brauße gehört zu den aussichtsreichsten Medaillen-Aspirantinnen aus der Region Stuttgart. Aber jetzt stellt sich die Frage: Wie bereitet sie sich angesichts der Corona-Krise auf die Olympischen Spiele in Tokio vor?

Der EM-Medaille folgt der Corona-Schock: Franziska Brauße Foto: dpa/Vincent Jannink
Der EM-Medaille folgt der Corona-Schock: Franziska Brauße Foto: dpa/Vincent Jannink

Stuttgart - Es gab Momente, da fragten sich die deutschen Bahnradsportler, wie sie das alles hinbekommen sollen – erst die Heim-WM im Februar, dann Olympische Spiele im Sommer? Aktuell hilft es Franziska Brauße, beim ersten Höhepunkt der Saison schon zwei Bronzemedaillen gewonnen zu haben. Dieses Erlebnis, diese Erfahrung, diese Energie nimmt ihr niemand mehr. Auch wenn danach die Entschleunigung folgte.

Kein Training auf Mallorca

Eigentlich hätte Franziska Brauße (21) zuletzt mit ihrem Straßen-Team ein Trainingslager in Italien absolvieren sollen, doch sie musste krankheitsbedingt absagen. Aktuell ist sie daheim in Eningen, das nächste Trainingslager Anfang April auf Mallorca ist gestrichen. Wie alle in den nächsten Wochen anstehenden Rennen. „Normalerweise stünde jetzt der gemeinsame Neuaufbau der Form in Richtung Olympia an – mit langen Einheiten auf der Straße, um wieder Grundhärte für die Bahn reinzubekommen“, sagt die Athletin vom RSV Öschelbronn. Darum muss sie sich nun selbst kümmern.

Lesen Sie hier: Warum Franziska Brauße ein Versprechen ist

Die Radsportlerin hat dabei den Vorteil, viel draußen an der frischen Luft trainieren zu können. Ihr Fitnessstudio ist mittlerweile zwar geschlossen, doch Stabilitätsübungen lassen sich auch daheim erledigen. Und selbst eine Ausgangssperre würde Brauße verkraften. Es gibt eine App, die nicht nur die Einheiten auf der Rolle im Wohnzimmer abwechslungsreicher macht. Sie bietet zudem die Möglichkeit, virtuelle Rennen gegen andere Radprofis zu fahren. „Mittlerweile existiert sogar eine Serie, in der Preisgelder ausgeschüttet werden“, sagt Brauße, „ich habe daran noch nie teilgenommen, weil ich lieber richtige Rennen bestreite. Aber vielleicht geht es ja bald nicht mehr anders.“

Die App-Variante für Tokio

Es wäre ein ungewöhnlicher Weg, und trotzdem eine Variante, um sich für Tokio fit zu machen. Brauße wird alles tun, was sie tun kann – weil sie nicht davon ausgeht, dass die Olympischen Spiele demnächst abgesagt werden. „Die Veranstaltung ist so groß, dass das IOC alles dafür tun wird, um sie zu retten“, sagt die für Japan qualifizierte Bahnradsportlerin, die sich riesig freuen würde, wenn sich ihr Olympiatraum erfüllt. Die aber auch sagt: „Die Corona-Krise ist dem Sport übergeordnet, Gesundheit geht über alles. Sollte Olympia gestrichen werden, bin ich jung genug, um in vier Jahren einen neuen Anlauf nehmen zu können.“

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