Coronavirus Was die Krise für kleine Theater bedeutet

Von Natalie Kanter 

Theater, Konzerte, Comedy: Was das Leben von Kulturfans noch bis vor Kurzem bereichert hat, muss wegen der Corona-Krise und der verhängten Kontaktsperre ausfallen. Das bringt viele Probleme mit sich.

Das Theater unter den Kuppeln in Stetten musste aufgrund der Corona-Krise Vorstellungen der Produktionen „Das Versprechen“  (im Bild) und „Tête à tête mid’ra Leich’“ absagen. Foto: Jacqueline Fritsch
Das Theater unter den Kuppeln in Stetten musste aufgrund der Corona-Krise Vorstellungen der Produktionen „Das Versprechen“ (im Bild) und „Tête à tête mid’ra Leich’“ absagen. Foto: Jacqueline Fritsch

Filder - Abgesagt – dieses Wort leuchtet auf der Internetseite der Kronenkomede gleich achtmal in grüner Schrift auf. Die schwäbische Kleinkunstbühne in Bonlanden bietet seit Mitte März kein Programm mehr an. Der Theaterverein hat dadurch finanzielle Einbußen, die Andreas Gollmann, der Vorsitzende des Theatervereins, noch nicht beziffern kann. Die Einnahmen durch die Bewirtung entfallen für diese Abende ohne Ersatz.

„Am schlimmsten aber ist diese Situation für unsere Künstler“, sagt Goldmann. „Wommy Wonder, Alois Gscheidle, Sabine Schief, Hillus Herzdropfa – sie alle leben davon, dass sie regelmäßig solche Auftritte wie bei uns haben“, sagt er. „Nun bekommen sie gar nichts.“ Die Mundartbühne könne ihnen nur bestätigen, dass ihre Veranstaltung ausgefallen ist und welche Gage sie dafür bekommen hätten. Einen finanziellen Ausgleich müsse und könne sie derweil nicht anbieten.

Gutschein oder Geld zurück

Gollmann hat alle Gäste, die sich für eine dieser Veranstaltungen angemeldet hatten, per Mail informiert. „80 Prozent der Buchungen laufen bei uns auf Abendkasse“, sagt er. Das Publikum reserviert sich zwar vorab einen Platz, gezahlt wird aber erst beim Eintritt. „So sparen wir uns den Aufwand für den Kartenvorverkauf“, sagt er. Wer dennoch bereits eine Karte gekauft hatte, konnte diese auf einen anderen Termin umbuchen, bekam einen Gutschein oder erhielt sein Geld zurück.

Auch das Theater unter den Kuppeln in Stetten hat zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus den Winterspielbetrieb bis auf Weiteres eingestellt. „Wir mussten bisher sechs Veranstaltungen absagen“, sagt Joachim Riesch, der seit vielen Jahren dem Theaterverein angehört. Bis zu 600 Karten konnten und können nicht eingelöst werden. Zehn Prozent der Gäste haben sich bisher solidarisch mit dem Theaterverein gezeigt, sie haben den bereits gezahlten Eintrittspreis gespendet. Alle anderen bekommen ihr Geld zurück oder erhalten einen Gutschein.

Weil derzeit auch nicht geprobt werden kann, überlegt das Ensemble, ob es mit der Sommersaison später beginnt und dafür bis in den September hinein spielt. Möglicherweise wird das Stück „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare ganz gestrichen. „Wenn wir gar kein Programm auf der Freilichtbühne anbieten können, wäre das katastrophal“, sagt Riesch. Die angeschlossene Tanzschule unterrichtet derweil via Videoübertragung weiter. „Das klappt ganz gut“, sagt er.

Sommerspielzeit beginnt vielleicht später

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Beschränkungen aufgrund der Krise bereits Mitte April vorbei sind“, sagt Willy Göttling, Vereinschef der Mundartbühne Boggschdarg, die seit einigen Jahren in Waldenbuch zu Hause ist. Weil er gesundheitlich angeschlagen ist, bietet die Bühne so oder so in diesem Jahr kein festes Programm an. Wegen der Corona-Krise fallen nun auch mögliche Sketch-Abende bis auf Weiteres aus. „Die Stadionhalle beim Ritterstüble steht als Spielort nicht zur Verfügung“, sagt er. 2021 aber gehe es in jeden Fall mit neuem Programm weiter.

Die Filderbühne in Plattenhardt musste aufgrund von Corona bisher keine Veranstaltung absagen. Bereits Anfang Februar lief die Spielzeit der Komödie „Ein paar Pfund zu viel“ aus. Allerdings sollten Ende März die Kinder- und Jugendproben für das Märchen „Kalif Storch“ beginnen. Dieser Start wurde nun auf Anfang Mai verlegt. Sollte auch dies nicht möglich sein, „müssen wir überlegen, ob wir die Vorstellung nicht ganz absagen“, sagt Daniel Illic, der Vorsitzende des Theatervereins. Dies würde zwar auch Einkommensverluste bedeuten, wenn eine Produktion aber erst gar nicht gestartet wird, entstünden auch nicht allzu viele Kosten.