Cybersicherheit und Wirtschaftsschutz Deutsche Unternehmen sind verwundbar

Von Ann-Kathrin Schröppel 

Laut dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hätten Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage deutsche Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren 205,7 Milliarden Euro gekostet. BDI-Präsident Dieter Kempf spricht von einer ernsten „Bedrohungslage der deutschen Wirtschaft“.

Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie  (BDI) warnte am Mittwoch in Berlin vor analoger sowie digitaler Industriespionage. Foto: dpa/Gregor Fischer
Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) warnte am Mittwoch in Berlin vor analoger sowie digitaler Industriespionage. Foto: dpa/Gregor Fischer

Berlin - Deutsche Unternehmen, angefangen beim Kleinunternehmer bis hin zum Global Player, sind immer häufiger Ziele von international agierenden Tätern, die Firmengeheimnisse, Kundendaten oder das Wissen um technologische Innovationen rauben. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Angriffe digitaler oder analoger Natur sind. Um diese Bedrohungslage der deutschen Wirtschaft zu minimieren und die Bereiche Cybersicherheit und Wirtschaftsschutz effektiver zu verknüpfen, trafen sich rund 350 Experten anlässlich des Tages der Sicherheit im Berliner Haus der Wirtschaft. Die Initiatoren der Veranstaltung am Mittwoch waren der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (BMI).

Industriespionage verursacht knapp 206 Milliarden Euro Schaden

Zusammengenommen habe sich der Schaden durch Datendiebstahl, digitaler wie analoger Industriespionage sowie Sabotage in den vergangenen zwei Jahren auf 205,7 Milliarden Euro belaufen, bilanzierte Dieter Kempf, der Präsident des BDI. Kempf sprach von einer ernsten „Bedrohungslage der deutschen Wirtschaft“. 2019 waren laut einer Studie des BDI-Mitgliedsverbands Bitkom 88 Prozent der Unternehmen Ziel einer Attacke.

„Die Verwundbarkeit Deutscher Unternehmen wächst“, mahnte auch Günter Krings, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Globalisierung und Digitalisierung würden zu einem verstärkten Wettbewerb führen, gerade um digitalisiertes Know-how. Das Täterfeld, das dieses Wissen abgreifen wolle, sei breit gefächert: Organisierte Bandenkriminalität, ausländische Nachrichtendienste, aber auch Extremisten aller Flügel seien potenzielle Gefahrenquellen. Nationale Unternehmen aus den Schlüsselsparten wie Automotiv, Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Maschinen- und Anlagenbau oder Chemie- und Pharmaindustrie wären besonders gefährdet, so Krings.

Angriffe auf kritische Infrastrukturen

Neben den gefährdeten Wirtschaftsbereichen, rücken auch die „zentralen Nervensysteme der Gesellschaft“ weiter in den kriminellen Fokus. Sogenannte kritische Infrastrukturen würden ein besonders großes Gefährdungspotenzial aufweisen. Dazu gehören Informationstechnik, Telekommunikation sowie Wasser- und Energieversorgungsstellen. Diese Systeme hätten mit Ausspähung, Veränderung und Zerstörung von Daten, einer beeinträchtigten Erreichbarkeit von Webservern oder Infizierung mit Schadsoftware durch Angreifer zu kämpfen, analysierte Krings. Die zentralen Ansprechstellen im Bereich Cybercrime von Bund und Ländern registrierten innerhalb eines Jahres insgesamt 21 solcher Angriffe. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erhielt laut dem Lagebericht 2019 ebenfalls im Laufe eines Jahres 252 Meldungen zu festgestellten Störungen im Bereich der kritische Infrastrukturen.

Der parlamentarische Staatssekretär des Bundesinnenministeriums beschreibt die Bedrohungslage als „äußerst facettenreich“. Um dem entgegenzutreten sei ein gemeinsames Handeln von Politik, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft nötig, erklärte Krings. Besonders an Unternehmen appellierte er, die Cybersicherheit „zur Chefsache zu machen“, da der Wirtschaftsstandort Deutschland ansonsten geschwächt würde.