D-Day-Feierlichkeiten Idealistisch wie einst die Soldaten

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Die französische Stadt Ouistreham, in der Staats- und Regierungschefs des D-Days gedenken, steht für ein paar Stunden im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit – und hat einen bemerkenswerten Bürgermeister.

Veteranen des Zweiten Weltkriegs bei einer Zeremonie in der Normandie: In dem Ort Ouistreham gedenken heute zwanzig Staats- und Regierungschefs des D-Days. Foto: dpa
Veteranen des Zweiten Weltkriegs bei einer Zeremonie in der Normandie: In dem Ort Ouistreham gedenken heute zwanzig Staats- und Regierungschefs des D-Days. Foto: dpa

Ouistreham - Er redet nicht nur davon. Romain Bail tut es auch. Der am Freitag feierliche Ansprachen krönende Aufruf, 70 Jahre nach der Landung in der Normandie und der Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft dem Beispiel der Veteranen zu folgen, Brücken zu anderen Völkern zu schlagen, für Freiheit und Demokratie einzutreten – der Franzose leistet ihm längst Folge. Soweit man bei einem 29-Jährigen, Ende März zum Bürgermeister von Ouistreham gewählten Geschichtslehrer, eben von „längst“ sprechen kann. Und vielleicht hat der Kommunalpolitiker damit nun sogar weltweit Aufsehen erregt.

Seine Stadt, in der 20 Staats- und Regierungschefs der Landung in der Normandie gedenken, steht für ein paar Stunden im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Gut möglich, dass bei der Gelegenheit bis nach Australien vordringt, dass ein junger normannischer Bürgermeister seinen 10.000 Mitbürgern Crash-Kurse zum Erlernen der englischen Sprache anbietet – Teilnahmegebühr drei Euro.

Auf dem Rathaus hisst der Bürgermeiser die deutsche Fahne

Die Verständigung mit den aus USA, Kanada oder England angereisten Kriegsveteranen, ihren Kindern und Enkeln hofft er so zu fördern. Auch könnte dank der Live-Schaltungen aus dem Seebad bis weit über die Gemarkungsgrenzen dringen, dass Bail, kaum in Amt und Würden, am Rathaus die deutsche Fahne gehisst hat. Als „demonstratives Bekenntnis zur deutsch-französischen Freundschaft, die so wichtig ist für den Aufbau Europas“, will der Kommunalpolitiker die Geste verstanden wissen.

Als Austauschstudent hatte sich der Normanne zuvor an einem noch kühneren Brückenschlag versucht. Bail nutzte die Erasmus-Programme der EU, um ein Semester in Bulgarien zu studieren. Was nicht heißt, dass er nicht auch immer wieder schmerzlich an Grenzen stieße. Als Hausherr ohne Hausmacht hat er sich kürzlich erlebt. Dem Antrag, den Bürgern der Stadt Zugang zu den Generalproben für die Gedenkzeremonie zu gewähren, erteilte das Verteidigungsministerium eine Abfuhr – aus Sicherheitsgründen.

Reden über die Errungenschaften der EU

Schockiert hatte der überzeugte Europäer zuvor zur Kenntnis nehmen müssen, dass die für Schlagbäume, Zollschranken und nationalistische Alleingänge eintretenden Rechtspopulisten des Front National bei den Europawahlen in Ouistreham auf 22 Prozent gekommen waren. Zumal Erstwähler hatten für die Parteigänger Marine Le Pens gestimmt. In Gesprächen mit Jugendlichen versuchte der Bürgermeister, die Motive zu ergünden, stieß auf „Unwissenheit und Vorurteile“ – und schritt zur Tat. Bail setzte Diskussionsabende auf die Agenda des Jugendhauses, in denen die Errungenschaften der EU zur Sprache kommen: Reisefreiheit, die Erasmusprogramme oder eben, für einen ehemaligen Kriegsschauplatz wie Ouistreham von besonderer Bedeutung, dauerhafter Frieden.




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