InterviewDésirée Nosbusch als Kriminalpsychologin Herzlich willkommen zurück im Club

Von Jan Freitag 

Mitte der 80er versank der Jungstar Désirée Nosbusch in den Niederungen des Fernsehens – und tauchte daraus dank der ZDF-Serie „Bad Banks“ ebenso plötzlich wieder auf. Ein Interview über Aufgeben und Weitermachen, ihre Ungeduld und die Hauptrolle im Irland-Krimi – ab Donnerstag im Ersten.

Désirée Nosbusch in „Die Toten von Glenmore Abbey Foto: ARD Degeto/Züli Aladag
Désirée Nosbusch in „Die Toten von Glenmore Abbey Foto: ARD Degeto/Züli Aladag

Berlin - Mit „Die Toten von Glenmore Abbey“ startet die ARD eine neue Reihe mit Irland-Krimis. Désirée Nosbusch spielt darin die deutschstämmige Psychologin Cathrin Blake, die gemeinsam mit ihrem Mann, einem Kriminalkommisar, bei der Polizei in Galway ermittelt. Der zweite Film der Reihe, „Mädchenjäger“, ist am 31. Oktober zusehen.

Frau Nosbusch, war es nach „Bad Banks“, die als eine der besten deutschen Serienseit Jahrzehnten gilt, eigentlich schwer, sich wieder in die Niederungen des Krimireihenfernsehens zu begeben?

Wieso Niederungen? Es ging lediglich um den Respekt davor, ein solches Format als Figur tragen zu können. Dennoch war die Zusage schon von der Angst geprägt, mir etwas kaputtzumachen, das ich mühsam aufgebaut hatte. Aus demselben Grund bin ich auch zur Degeto nach Frankfurt gefahren, um den Irland-Krimi respektvoll abzusagen.

Und dann?

Ist es den Machern gelungen, mir die Angst vor diesem Krimiformat zu nehmen. Meine größte Sorge war nämlich die, dass man irgendwo im Ausland auftaucht, auf einmal sprechen alle Deutsch, und das Ganze zeigen wir mit bunten Postkartenbildern. Ich durfte sogar bei der Entwicklung meiner Figur und bei der Suche nach der richtigen Regisseurin oder dem richtigen Regisseur mitreden.

Sie haben Züli Aladagausgesucht?!

Ich habe ihn mir als Regisseur gewünscht, und der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Ich wollte einen Regisseur mit Haltung, der sich mit dem Drehort, den Figuren und den Geschichten wirklich auseinandersetzt.

Und dieses Mitspracherecht haben Sie sich mit „Bad Banks“ erarbeitet?

Ich glaube ja. Die Reihe hat auch ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit in mir erzeugt, denn kurz zuvor wollte ich aufgeben. Weil ich das, was ich wollte, nicht gekriegt habe, und das, was ich gekriegt habe, als Verrat an Idealen empfand, mit denen ich gestartet bin. Vom Filmemachen war ich daher bereits langsam zum Theater gewechselt. In Luxemburg kann man davon zwar kaum leben, aber es hat mir künstlerische Befriedigung verschafft, die mir beim Drehen abhanden gekommen war. Schließlich hatte ich mir dort mittlerweile längst die Frage gestellt, ob ich mich vielleicht schlicht überschätze.

Das sind existenzielle Fragen . . .

Nicht wahr? Ich weiß gar nicht mehr, wie viel Comebacks und zweite Frühlinge man mir schon angedichtet hat, aber jetzt ist mein Selbstbewusstsein zurück. Ich bin wieder im Club.

Was war denn ihr Plan B, wenn es damit nicht klappt?

Jenseits des Künstlerischen gab’s keinen, meine Leidenschaft gehört der Schauspielerei. Durch meine Produktionsarbeit, das Theater, die Lesungen und Moderationen käme ich irgendwie schon immer über die Runden, aber ich lehne einfach zu viel ab.

Wollten Sie zuvor auch deshalb aufgeben, weil Ihre Branche Frauen ab Ende dreißig immer noch viel weniger Angebote macht als Männern?

Klar verengt sich das Angebot mit Ende 30. Aber wenn man sich seinem Alter stellt, nicht an sich rumschnippeln lässt und womöglich sogar etwas Befreiendes darin entdeckt, dass die äußeren zugunsten der inneren Werte an Bedeutung verlieren, kommt man damit besser klar. Das Leben ist ja auch für ältere Menschen voller Geschichten. Schauen Sie sich Judy Dench oder Helen Mirren an: Beide sind bestens im Geschäft.

Das wären sie vor 30 Jahren aber vermutlich nur in Großmütterrollen gewesen.

Darüber gehen wir zum Glück langsam hinaus. Ich weiß, dass viele Kolleginnen nicht wie ich das Glück haben, so aktiv sein zu dürfen, wie sie es sich wünschen; aber auch meine Figur in „Bad Banks“ wäre vor 15 Jahren mit einem Mann besetzt worden. Wobei mir die Darstellung einer Investmentbankerin, die sich ihr Leben lang über Macht definiert und nun Angst vor deren Verlust hat, damals bestimmt nicht so glaubhaft gelungen wäre; dazu fehlte mir schlicht die Lebenserfahrung.

Dürfte nach dem Irland-Krimi und „Bad Banks“ mal wieder was Leichtes kommen?

(lacht) Stimmt, statt all der menschlichen Abgründe wäre zur Abwechslung jetzt mal ‘ne derbe Komödie gut. Aber wenn mich das Leben etwas gelehrt hat, dann dies: Geduld zu haben.

Wobei Ungeduld auch ein Antrieb sein kann, Neues zu wagen.

Ich bevorzuge Neugierde, Wissensdurst, gesunden Ehrgeiz. Ungeduld macht verbissen und sorgt dafür, Dinge, die noch nicht reif sind, ernten zu wollen.

Waren Sie womöglich zu früh zu erfolgreich für Geduld?

Kann sein. Ich habe mich durchaus dabei ertappt, dass ich gedacht habe, jetzt geht es nur noch steil nach oben. Das kann gerade für jemanden, der ein bisschen in diesen Beruf hineingestolpert ist, gefährlich sein. Deshalb sage ich meinen Kindern, die beide Musiker geworden sind: Der spätere Erfolg ist der bessere. Man erkennt ihn genauer und kann gesünder damit umgehen.

Heißen Ihre Kinder Nosbusch?

Nein, sie heißen Kloser, wie ihr Vater. Das war damals mein Wunsch, und ich glaube, dass es die richtige Entscheidung war.

Ist der Boulevard schon wieder so interessiert an Ihnen wie in den Achtzigern?

Ich bin glücklich verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder, gehe zu Arbeit – für den Boulevard, von dem man am Ende ohnehin oft nur emotional vergewaltigt wird, ist mein Leben zu normal. Finde ich super! Außerdem lebe ich gern in der Anonymität. Es fällt mir leicht, mich rar zu machen.

ARD, Do, 24. Oktober, 20.15 Uhr