Daimler in Untertürkheim Untertürkheim bekommt den elektrischen Antriebsstrang

Von Yannik Buhl 

Seit Oktober hatte der Betriebsrat in Untertürkheim mit der Werkleitung verhandelt. Nun steht fest: Die Fertigung des Elektroantriebs für künftige Daimler-E-Autos kommt an den Neckar.

Das Daimler-Werk in Untertürkheim ist das Leitwerk für Antriebe im Konzern. Foto: dpa/Fabian Sommer
Das Daimler-Werk in Untertürkheim ist das Leitwerk für Antriebe im Konzern. Foto: dpa/Fabian Sommer

Stuttgart - Die Fertigung und Montage des elektrischen Antriebsstrangs (EATS) von Daimlers künftigen Elektroautos wird im Werk Untertürkheim geschehen. Das teilten der Betriebsrat des Werkes und die Werkleitung mit. Die Arbeitnehmervertreter hatten seit Mitte Oktober mit der Werkleitung darüber verhandelt, ob der EATS an den Neckar kommt oder ob er an einen Zulieferer fremdvergeben wird. Der Antriebsstrang ist das Herzstück der Elektroautos und besteht unter anderem aus dem Elektromotor, Getriebeteilen und Leistungselektronik.

Werkleiter Frank Deiß und Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender des Werks Untertürkheim, sagten in einer Stellungnahme, man habe sich nach „intensiven Verhandlungen“ geeinigt. Die Produktion des EATS sei „ein Bekenntnis zum Mercedes-Benz Traditionsstandort Untertürkheim“ und ein „zukunftweisendes Signal für die Beschäftigten“.

Untertürkheim hat sich beworben

Der EATS für die bisherigen Baureihen des Elektro-SUV namens EQC kommt von dem Autozulieferer ZF aus Friedrichshafen. Untertürkheim musste sich – wie andere Zulieferer auch – um den Zuschlag für die künftige Entwicklung und Montage bewerben. Der EATS wird vermutlich von 2024 an gefertigt werden, dafür sollen in Untertürkheim zunächst wohl rund 350 Arbeitsplätze entstehen.

Dafür werden aber dem Vernehmen nach voraussichtlich keine neuen Mitarbeiter eingestellt, die Stellen könnten mit Daimler-Beschäftigten besetzt werden. Pro Jahr würden in dem Daimler-Leitwerk für Antriebstechnologie mehrere Hunderttausend Antriebsstränge produziert und große Teile davon montiert werden.

„Wenn wir dieses Produkt nicht herholen, werden wir auf lange Sicht Arbeitsplätze verlieren“, hatte der Untertürkheimer Betriebsratsvorsitzende Michael Häberle im Herbst unserer Zeitung gesagt. Das Werk habe die Voraussetzungen bereits gelegt, indem es die Fertigungstiefe zugunsten von zukunftsträchtigen Produkten verringert habe, sagte er.

Zwischendurch stockten die Verhandlungen

Zwischendurch war es dann doch zu einem größeren Konflikt gekommen. Die Verhandlungen hatten sich aus Sicht des Betriebsrats länger gezogen als erwartet. Und: „Die Werkleitung hat uns mit einem umfangreichen Katalog an Forderungen konfrontiert, die in keinerlei Relation zum Verhandlungspaket stehen“, hatte Häberle Anfang November wissen lassen.

Die Forderungen Daimlers für eine wettbewerbsfähige und wirtschaftliche Fertigung nannte Häberle „nicht nachvollziehbar“. Als Reaktion darauf verweigerte der Betriebsrat die Zustimmung zu Überstunden der Mitarbeiter und blockierte zudem eine frühzeitige Weihnachtsruhe in einigen Bereichen des Werkes.

Auf einer Betriebsversammlung in der Schleyerhalle Anfang Dezember hatte Häberle gesagt, er wolle noch vor Weihnachten eine gute Nachricht für die Mitarbeiter im Werk. Dass diese Nachricht noch kommt, war vor anderthalb Wochen aber nicht mehr als eine vage Hoffnung.