Daimler und BAIC Zu enge Bindung

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Welchen Vorteil Daimler aus einem Einstieg von BAIC (China) zieht, ist für StZ-Wirtschaftsredakteur Michael Heller nicht klar. Klar ist: Die Abhängigkeit von den Chinesen steigt.

Dieter Zetsche und Xu Heyi (Mitte) wollen, dass ihre Konzerne zusammenrücken. Foto: dpa
Dieter Zetsche und Xu Heyi (Mitte) wollen, dass ihre Konzerne zusammenrücken. Foto: dpa

Stuttgart - Daimler will sich noch enger mit seinem chinesischen Partner BAIC verbünden. Zumindest ist dies das Ziel der Gespräche, die in einer Beteiligung des Staatsunternehmens an dem heimischen Hersteller münden sollen. Gewiss hat es bereits in der Vergangenheit viele Spekulationen über solch eine Überkreuz-Beteiligung gegeben. Aber diesmal hat sich Daimler-Chef Dieter Zetsche in der Sache doch etwas weiter vorgewagt. Das ist noch keine Garantie für ein Ergebnis, aber ein klares Zeichen dafür, dass beide Beteiligten die Sache ernst nehmen. Der größte Stolperstein ist womöglich die Umsetzung des Einstiegs. Denn die einfachste Variante, eine Kapitalerhöhung, hat Zetsche indirekt ausgeschlossen.

Damit ist aber noch nicht die Frage beantwortet, welches Interesse Daimler an einem Einstieg der Chinesen haben kann. Ähnlich wie im Fall Renault-Nissan lässt sich argumentieren, dass auf diese Weise eine industrielle Allianz mit einem Symbol versehen wird, was in Asien womöglich besonders große Bedeutung hat. Aber Tatsache ist auch, dass Daimler auf dem chinesischen Markt durch die noch engere Bindung keinen unmittelbaren Vorteil erlangt. Vielmehr stellt sich die Frage, ob der Konzern hier nicht ein Risiko eingeht, das er besser vermeiden sollte.

Gerade in den letzten Monaten ist klar geworden, dass China für Ausländer ein Markt ist, der nur sehr schwer einzuschätzen ist. Gewiss schwimmt Daimler gegenwärtig in dem Land auf einer Woge des Erfolgs, aber das wird wohl kaum so bleiben, wenn sich die Probleme in China womöglich verschärfen. Gegenwärtig sind es die Konkurrenten BMW und Audi, die spüren, dass es auch in China kein immerwährendes Wachstum gibt. Je mehr sich dieser Markt normalisiert, desto mehr muss ein Hersteller daran interessiert sein, auf Schwankungen reagieren zu können. Das kann auch zu Entscheidungen führen, die vor Ort keine Begeisterung auslösen, betriebswirtschaftlich aber notwendig sind. Ein Staatsunternehmen als Anteilseigner ist da nicht gerade hilfreich.