Das Stuttgarter Wetter im Februar Ein bisschen Regen zum Winterende

Von Jürgen Löhle 

Der Februar war zu mild, zu sonnig und viel zu trocken – und damit genau so wie der gesamte Winter. Der letzte Wintermonat zeigte sich mit jämmerlichen 18,5 Liter Regenwasser sehr geizig.

Winter 2016/17:      Viel Licht und sehr  wenig Waser von oben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Winter 2016/17: Viel Licht und sehr wenig Waser von oben. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Man sagt den Menschen hierzulande ja hartnäckig nach, dass der Schwabe eigentlich nur dann wirklich zufrieden ist, wenn am Samstagabend die Kehrwoche gemacht und das Gärtle gerichtet ist. Zudem sollte das Auto makellos strahlen, der VfB gewonnen haben (Männer) und die Theaterkarten müssen für Sonntag reserviert sein (Frauen). Und wenn man dann noch im Sale (sprich: Sale) ein Granatenschnäppchen aufgerissen hat – wunderbar.

Beim Wetter dagegen ist der Schwabe maximal nicht unzufrieden, gelobt wird nicht. Niemals. Selbstverständlich auch nicht der Februar 2017, der zwar um 3,4 Grad zu mild war und es mit 96 Sonnenstunden auch auf stattliche 120,3 Prozent des langjährigen Mittels brachte. Alles schön und gut, aber der letzte Wintermonat war mit jämmerlichen 18,5 Liter Regenwasser eben auch so trocken wie eine amtliche Ladung Feinstaub am Neckartor und so was geht natürlich gar nicht, wir sind hier schließlich nicht in der Wüste. Und wir brauchen ja auch das Wasser vom Himmel um den lästigen Feinstaub auszuwaschen, damit die bei der EU nicht wieder meckern können.

Hunde bleiben sauner aber die Osterglocken vetrocknen

Und damit sind wir beim meteorologischen Thema des Winters 2016/2017, der ja Schlag 24 Uhr am Dienstag zu Ende gegangen ist. Und der ums Haar als trockenster seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1951 in die Statistik eingegangen wäre. Bis 30 Stunden vor seinem Ende lag der aktuelle Winter mit etwa 34 Litern Regen noch knapp vor dem Trockenrekord 1972, als insgesamt nur 35,3 Liter zwischen 1. Dezember und 28. Februar gemessen wurden. Durch die Niederschläge vor allem in der Nacht zum Dienstag sind es dann aber doch noch 42,2 Liter geworden.

Aber auch das ist sehr bescheiden, wenn man bedenkt, dass bei der Nummer drei im Trockenranking 2006 immerhin noch 74,7 Liter gemessen wurde und es ein Winter im langjährigen Mittel auf 112,8 Liter bringt. Der aktuelle Winter war also staubig wie Kekskrümel. Man kann jetzt natürlich sagen: Sehr schön, da bleiben Kinder, Hunde, Autos und Schuhe sauber. Aber auch – Himmel hilf, meine Osterglocken vertrocknen, der Krokus leidet.

Sonne satt wie kaum einmal im Winter

Die Frühblüher schauen aber immerhin schon munter aus der Erde, was auch an der Sonne liegt, die ordentlich Überstunden einlegte. Klaus Riedl fand heraus, dass der aktuelle Winter mit 292,3 Stunden der zweitsonnigste seit 1951 war. „Mehr Licht gab es nur im Winter Winter 2007/08 mit extrem ungewöhnlichen 332,7 Sonnenstunden“, erklärt der Meteorologe des Deutschen Wetterdienst.

Ziemlich genau im Schnitt lag dagegen die Temperatur. Mit 1,7 Grad war der Winter nur 0,4 Grad wärmer als ein normaler, was vor allem am bitterkalten Januar lag. Da sank das Thermometer an 29 von 31 Tagen zeitweise unter null Grad, an 16 Tagen gab es sogar Dauerfrost, der vor allem die stehenden Gewässer in und um Stuttgart zufrieren ließ und die Herren grünen Bürgermeister Wölfle und Pätzold an Verbotsschildern vorbei zum anarchischen Eislauf auf die Wildparkseen trieb. Dieser zapfenkalte Januar, in dem sogar ein paar Tage der Eisbrecher zwischen den Neckarschleusen fuhr, war dann auch der Garant, dass der Winter wieder mal das war, was man von ihm erwartet.

Außer die Sache mit der weißen Weihnacht, die hat wieder nicht funktioniert und auch die elf Tage Schnee im Januar waren dann eher mau. Aber wir wollen nicht meckern, dafür sparte die Stadt jede Menge Salz, das ja so gut lagerbar ist, dass man damit auch noch im nächsten Winter Löcher in die Straßen oder in unbotmäßig zufrierende Seen brennen kann. Möglicherweise wird das Streugut aber auch noch im März oder April gebraucht, denn auch das Phänomen des späten Wintereinbruchs ist auch in Zeiten des Klimawandels noch nicht vom Tisch, also immer noch möglich.

Frühling ist noch nicht in Sicht

Aber jetzt ist erst einmal Frühling, zumindest meteorologisch und auf dem Papier. Real aber eher nicht. Der aktuelle Wettertrend zeigt mit Ausnahme des kommenden Wochenendes bis weit in den März hinein kaum eine Chance auf die 18,6 Grad, die an der DWD Wetterstation Schnarrenberg am 23. Februar gemessen wurden und die die absolute Höchsttemperatur dieses Winters markiert (Tiefstwert: Minus 11,1 Grad am 7. und am 23. Januar).

Am Ende bleibt übrig – eigentlich war der Winter ganz gut. Viel Sonne, ab und zu mal richtig kalt wie es ein soll, ein paar Tage Ski und Rodel gut im Städtle und das fehlende Wasser wird der März schon noch bringen. Zumindest sieht es Moment stark danach aus. Und wenn nicht - dann heißt es eben heftig gießen.

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