Debakel bei Fortuna Düsseldorf Was spricht noch für den Trainer des VfB Stuttgart?

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Hat Trainer Markus Weinzierl noch eine Zukunft beim VfB Stuttgart? Sportvorstand Michael Reschke geht nach der 0:3-Pleite beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf auf Tauchstation.

Markus Weinzierl steht nach der 0:3-Pleite in Düsseldorf schwer in der Kritik. Foto: Baumann 18 Bilder
Markus Weinzierl steht nach der 0:3-Pleite in Düsseldorf schwer in der Kritik. Foto: Baumann

Düsseldorf - Markus Weinzierl blieb lange auf der Ersatzbank sitzen, sein Blick ging ins Leere. Er wirkte konsternierter als je zuvor. Was nach dem miserablen Auftritt beim 0:3 (0:1) am Sonntagabend beim Aufsteiger Fortuna Düsseldorf noch für den Trainer des VfB Stuttgart spricht? Nicht mehr viel, vielleicht sogar gar nichts mehr.

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Zu schwach und harmlos traten die Stuttgarter in Düsseldorf auf. Der Gegner, ein Bundesliga-Aufsteiger mit viel schlechteren Rahmenbedingungen, war um Längen besser besser. Bei den Stuttgartern machten sich Auflösungserscheinungen breit, sie wurden von der Malochertruppe vom Rhein teilweise vorgeführt.

Vorne nichts. Hinten nichts. Gar nichts.

Die Stuttgarter Kabine blieb nach der Schlappe erst einmal dicht. Keiner rein, keiner raus. Funkstille. Markus Weinzierl absolvierte dann den üblichen Medienparcours nach langer Beratung mit dem VfB-Pressesprecher Tobias Herwerth. Auf das Thema Trainerwechsel angesprochen, gab er vor den Fernsehkameras genau das Gleiche zu Protokoll wie bei der Pressekonferenz: „Das war kein Thema“, sagte Weinzierl mit Verweis auf eine Unterredung mit dem VfB-Sportvorstand Michael Reschke in der Kabine. „Wir haben uns über das Spiel unterhalten, das war alles.“

Die Namen Felix Magath und Markus Gisdol geistern dennoch bereits als mögliche Nachfolger durch Stuttgart.

Und was sagte Reschke? Nichts. Er war nach dem Besuch in der Umkleide, wo er als Erster nach der Partie angekommen war, nicht mehr zu sehen. Anders als sonst umkurvte er die Journalisten in der Mixedzone. Weil er – anders als bei den Freistellungen von Hannes Wolf und Tayfun Korkut – nichts sagen wollte, das er an diesem Montag womöglich bereits revidieren müsste?

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Auch der Sportvorstand muss sich längst unbequeme Fragen gefallen lassen. Reschke trägt die sportliche Hauptverantwortung. Seine Kaderplanung im Sommer ist nicht aufgegangen – und die Winterzugänge haben das Team bis jetzt nicht weiterbringen können. VfB-Legende Jürgen Klinsmann hatte schon Anfang November seine Bereitschaft signalisiert, dem Verein zu helfen – daran hat sich bis heute nichts geändert.

„Unser Auftritt ist durch nichts zu erklären und durch nichts zu entschuldigen“, sagte VfB-Kapitän Christian Gentner und betonte: „Wir dürfen uns als Mannschaft und Verein jetzt nicht auseinanderdividieren lassen.“ Doch erinnerte der Auftritt stark an das Spiel in der Hinrunde bei Hannover 96 (1:3). Danach musste Tayfun Korkut gehen, Markus Weinzierl übernahm das Traineramt. Doch er hat es bis jetzt nicht geschafft, die Mannschaft auf Vordermann zu bringen. Seine Ausbeute mit nur zehn Punkten in 14 Partien ist die Bilanz eines Absteigers – und genau so präsentierten sich die Stuttgarter in Düsseldorf auch vor rund 5000 mitgereisten Fans. „Eigentlich müssten wir den Zuschauern das Geld zurückzahlen. So kann man nicht auftreten“, sagte der VfB-Mittelfeldmann Daniel Didavi. „Alles, was ich mehr sagen würde, wäre ein Wort zu viel.“

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Markus Weinzierl, so scheint es, erreicht die Mannschaft nicht mehr. Er hat in den vergangenen Wochen alle Register gezogen, doch mit keiner Maßnahme zählbare Wirkung entfalten können. Bei allen vier Bundesliga-Spielen in diesem Jahr wurden Defizite deutlich. 2:3 gegen den FSV Mainz 05 nach 0:3-Rückstand, 1:4 beim FC Bayern München, 2:2 gegen den SC Freiburg – und nun der Tiefpunkt in Düsseldorf.

„Wenn wir so weiterspielen, kann es in die zweite Liga gehen“, sagte VfB-Torwart Ron-Robert Zieler. „So wie heute kann es nicht weitergehen. Die Relegation ist eine Möglichkeit, mit der man sich irgendwann beschäftigen muss.“ Auf die Frage danach, wie er zum Trainer steht, antwortete er: „Die Frage stellt sich für mich nicht.“ Er verkämpfte sich aber auch nicht für den Coach.

In der Mannschaft scheint sich der Gedanke verfestigt zu haben, dass nur noch ein Trainerwechsel helfen kann. Noch ist es ja nicht zu spät, um noch die Wende zu schaffen – sportlich und atmosphärisch. „Das einzig Positive ist, dass wir nicht abgeschlagen sind. Wir haben das Vertrauen verloren – zurecht, das müssen wir uns zurückerkämpfen“, sagte Didavi.

Als der VfB-Mannschaftsbus dann vom Stadion abfuhr, bot sich noch einmal das gleiche Bild wie direkt nach dem Spiel. Statt auf der Ersatzbank saß Markus Weinzierl in der ersten Reihe, der Blick ging ins Leere.