Debatte in Stuttgart Auch die CDU ist nun offen für einen Neubau der Oper

Von Thomas Braun 

Nach der SPD, den Freien Wählern, der FDP und den Stadtisten will nun auch die CDU Alternativen zur geplanten Sanierung des historischen Littmann-Baus prüfen lassen. Offenbar plagt die Fraktion die Sorge vor ausufernden Kosten des Um- und Anbaus.

Sanieren oder neu bauen? Die Diskussion um die Zukunft der Stuttgarter Oper erlebt vor dem Hintergrund der anstehenden Kommunalwahl  immer neue Wendungen. Foto: dpa
Sanieren oder neu bauen? Die Diskussion um die Zukunft der Stuttgarter Oper erlebt vor dem Hintergrund der anstehenden Kommunalwahl immer neue Wendungen. Foto: dpa

Stuttgart - Die CDU-Fraktion im Rathaus, die sich bisher gemeinsam mit den Grünen für eine Sanierung der Staatsoper und gegen Pläne für den Neubau einer dritten Spielstätte ausgesprochen hat, vollzieht eine Kehrtwende. Die Christdemokraten sprechen sich jetzt für eine Prüfung der etwa von der Initiative Aufbruch Stuttgart favorisierten Idee einer neuen Oper aus. CDU-Fraktionschef Alexander Kotz betonte allerdings am Freitag, für seine Fraktion habe eine finanziell verantwortbare Sanierung weiterhin Priorität. Zugleich revidierte Kotz die bisherige Position seiner Fraktion: „Eine Sanierung des Littmann-Baus ist nicht alternativlos, Oper und Ballett in einer Spielstätte nicht gottgegeben“, so der Fraktionschef.

Neben einer Kostenkalkulation für die Sanierung der bisherigen, denkmalgeschützten Spielstätte sowie eines realistischen Terminplans für den Um- und Ausbau einschließlich der Nutzung des vorgesehenen Interimsquartiers bei den Wagenhallen möchte die CDU von der Rathausspitze nun auch einen Plan B sehen: So soll geprüft werden, welche baulichen, betrieblichen und künstlerischen Argumente für den Bau einer neuen Spielstätte sprächen. Die Fraktion will auch mögliche Standorte für ein solches Vorhaben eruiert wissen. Von der Prüfung des LBBW-Grundstücks Königstraße 1 bis 3, für die sich erst jüngst SPD, Freie Wähler, FDP und der Stadtist Ralph Schertlen ausgesprochen hatten, hält Kotz nichts, und auch das vom Verein Aufbruch um den TV-Moderator Wieland Backes hartnäckig propagierte Areal des Königin-Katharina-Stifts ist für die CDU sakrosankt.

CDU könnte sich einen Neubau auf dem Stuttgart-21-Gelände vorstellen

Kotz kann sich eine neue Oper stattdessen auf dem Stuttgart-21- Gelände vorstellen. Damit freilich wäre ein Baubeginn frühestens 2029/2030 möglich: Der Tunnelbahnhof soll nach Angaben der Bahn 2025 in Betrieb gehen – garantieren kann das freilich niemand. Anschließend würde es drei bis fünf Jahre dauern, um das Gleisvorfeld abzuräumen. Eine Premiere im neuen Haus wäre bei einer geschätzten Bauzeit von drei bis vier Jahren vor 2032/2033 kaum vorstellbar. Geprüft wissen will die CDU auch eine eventuelle Nachnutzung eines dann nur teilweise sanierten Littmann-Baus sowie deren Kosten. Kotz: „Nur für das Dreikönigstreffen der FDP machen wir das ja nicht.“

Dass sich die CDU mit ihrer Volte dem vom Aufbruch Stuttgart erzeugten politischen Druck beuge, wies der Fraktionsvorsitzende zurück: „Ob den Herren Backes und Lederer etwas gefällt oder nicht, kann für die CDU-Fraktion nicht maßgebend sein.“ Es gehe vielmehr darum, über Alternativen nachzudenken, „auch wenn man sie eigentlich nicht will“. Die CDU wolle mit ihrem Antrag zur Versachlichung der öffentlichen Debatte beitragen und verhindern, dass ohne Kenntnis der Fakten eine „emotionsgetriebene Entscheidung“ getroffen werde.

Prüfung eines Plan B würde Zeitplan um mindestens sechs Monate verzögern

Zugleich räumte Kotz ein, dass der Prüfauftrag für einen Neubau den bisherigen Zeitplan um mindestens ein halbes Jahr verzögern werde. Laut Beschluss des Verwaltungsrats der Staatstheater von Anfang November 2018, dem auch die städtischen CDU-Vertreter in dem Gremium zugestimmt haben, sollen bis spätestens Herbst diesen Jahres Kostenschätzungen sowohl für die Interimsoper bei den Wagenhallen als auch für die eigentliche Sanierung des Großen Hauses vorliegen. Auf Basis dieser Kalkulation hätte dann ein Bauzeitplan für beide Projekte erstellt werden können, für die nach offizieller Lesart rund 450 Millionen Euro veranschlagt werden müssen.

Für die CDU spielten sechs Monate Verzögerung bei einem der größten und wahrscheinlich teuersten Bauprojekte in der Landeshauptstadt aber keine Rolle, so Kotz. Man müsse der Bevölkerung eine solche Investition auch überzeugend darstellen können, dazu brauche man mehr Fakten als bisher bekannt.

Die Staatstheater, die angesichts des maroden Zustandes des Littmann-Baus auf die Dringlichkeit des Sanierungsbeginns hingewiesen haben, wollten den aktuellen CDU-Vorstoß zunächst nicht kommentieren.

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