Debatte über Kulturmeile in Stuttgart 2002 scheiterte ein Steg über die B14

Von Josef Schunder 

Wie die Fahrspuren der B 14 und die seitlichen Verflechtungsspuren überwindbar sein sollen, ist in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten sehr oft debattiert worden. Ein städtebaulicher Wettbewerb soll nun den Durchbruch bringen.

Der Abbruch des Wilhelm-Hoffmann-Stegs im Jahr 2006. Foto: Frank Eppler 9 Bilder
Der Abbruch des Wilhelm-Hoffmann-Stegs im Jahr 2006. Foto: Frank Eppler

Stuttgart - Nicht wenige Radfahrer und Passanten trauerten: als 2006 der Wilhelm-Hoffmann-Steg abgerissen wurde, der ihnen zwischen Landesbibliothek und Akademiegarten immer gut über die B 14 geholfen hatte. Für sie war es nur ein schwacher Trost, dass nun einen Steinwurf vom Steg entfernt ein Überweg über die Verkehrsschneise führte: auf dem begrünten Betondeckel, der zwischen Wilhelmspalais und Akademiegarten über die dort tief liegende Hauptstraße gelegt worden war. Übrigens gemäß einem Plan von Architekt Werner Sobek, nachdem der Gemeinderat 2002 den Wunsch von OB Wolfgang Schuster (CDU) abgelehnt hatte, einen von Jörg Schlaich skizzierten Steg bauen zu lassen – unweit von der Stelle, wo sich das Land und Sobek nun einen vorstellen können.

Das Projekt Tunnelbau wurde aufgegeben

Wie die Fahrspuren der B 14 und die seitlichen Verflechtungsspuren überwindbar sein sollen, ist in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten sehr oft debattiert worden. Sicher schien immer nur eines: dass ungastliche Unterführungen – wie auf Höhe des Opernhauses – nicht mehr dem entsprechen, was sich Fußgänger von einer Stadt mit menschlichem Maß erwarten. Jahrzehntelang diskutierte man über einen Autotunnel unter der Kulturmeile. Dabei wurde immer klarer der problematische Umstand erkannt, dass von 110 000 Fahrzeugen pro Tag immer noch 40 000 an der Oberfläche bleiben würden, weil die Fahrer am Charlottenplatz und am Gebhard-Müller-Platz auf die B 14 ein- oder ausfahren wollen.

Zuletzt gaben Schuster und die Stadträte 2009 das Projekt Tunnelbau auf. Begründung: die dafür nötigen 70 Millionen Euro seien nicht vorhanden. Der damalige Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) veranlasste dann die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL), 2011 ihre bereits 2002 vorgelegten Ideen für einen Cityboulevard ohne Tunnel zwischen Marienplatz und Gebhard-Müller-Platz neu aufzulegen. Seither verfestigte sich im Stuttgarter Rathaus der Gedanke, lieber unterschiedliche Verkehrsarten zum Miteinander zu zwingen, statt sie zu trennen.

Dennoch wollen der jetzige OB Fritz Kuhn und Städtebaubürgermeister Peter Pätzold (beide Grüne) die Tunnelidee zulassen, wenn die Stadt jetzt einen städtebaulichen Wettbewerb auslobt. Er soll möglichst noch 2018 beendet werden. Das Gebiet dafür möchte die Verwaltung vom Gebhard-Müller-Platz maximal bis zum Österreichischen Platz spannen. In dem Wettbewerb soll es um die Gestaltung des öffentlichen Raums auf der B 14 und an ihren Rändern sowie an den Übergängen zu anderen Straßen gehen; um eine mehr menschen- statt autogerechte Stadt und um einen städtebaulichen Brückenschlag zwischen dem Zentrum und einer künftigen Leonhardsvorstadt bei der Leonhardskirche. Stichworte wie das „Bürgerschloss“, die Idee einer völlig anderen Nutzung des Neuen Schlosses, will die Verwaltung nicht aufrufen. Ziemlich klar ist, dass die Ideen, die man aufnimmt, nur Zug um Zug umgesetzt werden.

Ideen sollen Zug um Zug umgesetzt werden

Über den geplanten Wettbewerb sei das Land im Bilde, sagte Bürgermeister Pätzold, er sei aber eine städtische Operation. Das Geld, um ihn über die Bühne zu bringen, steht seit Ende 2015 zur Verfügung.




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