Debatte um Umbau des Stuttgarter Kulturquartiers Aufbruch fordert: Sanierungspläne für Oper stoppen

Von Thomas Braun 

Trotz gegenteiliger Planungen der Stadt hält die Bürgerinitiative Aufbruch Stuttgart am Neubau einer Oper im Stadtzentrum fest. Rückenwind erhält die Initiative durch die Ergebnisse des von ihr veranstalteten Ideenworkshops renommierter Architekten.

Einer der Entwürfe für die Kulturmeile sieht eine Spiegelung des Eckensees und einen Neubau von Oper und Konzerthaus an der Königstraße vor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Einer der Entwürfe für die Kulturmeile sieht eine Spiegelung des Eckensees und einen Neubau von Oper und Konzerthaus an der Königstraße vor. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die Bürgerinitiative Aufbruch Stuttgart um den TV-Moderator Wieland Backes trommelt vor dem Hintergrund der im Mai 2019 anstehenden Kommunalwahlen weiter für ihre Vorstellungen von einem modernen Kulturquartier inklusive eines Opernneubaus. Bei der Eröffnung der Ausstellung der Resultate des Architektenworkshops, zu dem der Verein Anfang November renommierte Architekturbüros aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz eingeladen hatte, nannte der Vereinsvorsitzende Backes die Entwürfe „einen Paukenschlag“, der Bewegung in die festgefahrene politische Debatte um die Neugestaltung der Kulturmeile bringen könne. „Wir verstehen die Ergebnisse als Angebot, vielleicht sogar als ein Geschenk an die Stadtgesellschaft“, erklärte Backes.

Zugleich kritisierte er die bisherigen Überlegungen der Stadt zur Umgestaltung des Bereichs entlang der Konrad-Adenauer-Straße: „Diese Planungen bleiben angesichts des großen Potenzials unter Wert“. Der Verein fordert als Folge des Workshops, die Planungen für die Opernsanierung sowie für das Interimsquartier bei den Wagenhallen auf Eis zu legen. Der Einbau einer Kreuzbühne in den denkmalgeschützten Littmannbau etwa berge unkalkulierbare bauliche und ökonomische Risiken. Backes sprach von einem „Irrweg“. Kosten von bis zu 800 Millionen Euro für die Sanierung, wie sie vom Aufbruch in den Raum gestellt werden, seien „an der Grenze zur Unanständigkeit.“

Fokus auf dem öffentlichen Raum

Andererseits schwebt dem Aufbruch Stuttgart selbst der ganz große Wurf vor. „Das Beste ist für Stuttgart gerade gut genug“, findet der Vorsitzende. Die insgesamt fünf teilnehmenden Büros haben allesamt ihren Fokus auf eine attraktive Gestaltung des öffentlichen Raums gelegt und neue Querungen der Tallängsachse zwischen dem Charlottenplatz und dem Gebhard-Müller-Platz skizziert. Gemeinsam ist allen Entwürfen zudem die Reduzierung des Verkehrs auf der B 14 durch bauliche Maßnahmen.

Der Neubau einer Oper unter Beibehaltung des historischen Littmannbaus als Spielstätte für Ballett und Orchester ist ebenso fester Bestandteil aller Entwürfe wie die mehr oder weniger dichte Bebauung des Akademiegartens am Charlottenplatz, der als klimatologisch wertvolle Fläche eingestuft ist. Das Königin-Katharina-Stift soll wahlweise für geschätzt 15 Millionen Euro hydraulisch versetzt oder als denkmalgeschütztes Gebäude in einen Opernneubau integriert werden. Die Schule selbst soll in einen Neubau am Gebhard-Müller-Platz umziehen. Das Büro Herzog/de Meuron aus Basel sieht dagegen entlang der Unteren Königstraße auf einem der LBBW gehörenden derzeit noch bebauten Grundstück sogar Platz für eine neue Oper und ein Konzerthaus.

Großes Interesse bei den Ratfraktionen

Am 18. Dezember wollen Backes & Co. ihre Vorstellungen auf Einladung von OB Fritz Kuhn (Grüne) im Technikausschuss des Gemeinderats präsentieren. Schon vorab vermeint der Aufbruch-Sprecher großes Interesse bei den Ratsfraktionen ausgemacht zu haben, obwohl deren politische Beschlüsse und Absichtserklärungen – etwa in Sachen Verlegung des Gymnasiums – den Visionen des Aufbruchs bisher entgegenstehen. Auch die Tatsache, dass die Oper selbst am Littmannbau als Spielstätte nach erfolgter Sanierung festhalten will, ficht Backes nicht an: „Ich habe den Eindruck, dass auch die Intendanz Alternativen gegenüber aufgeschlossen wäre.“

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